christliche Gemeinschaft

Abtsbenediktion0484Im Zuge der Abtsbenediktion unseres Abtes Gerhard hatte ich mir schon vor einer Woche Gedanken gemacht darüber, was es heißt, in einer Gemeinschaft von Mönchen zu leben.

Gemeinschaft kann man negativ definieren. Wenn man zB. sagt, wir haben einen gemeinsamen Gegner. Oder wenn man Furcht vor etwas hat und sich deshalb zusammenschliesst. Die vorpfingstliche Gemeinde hat Furcht:

als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten… (Joh 20,19)

Ein gemeinsamer Gegner oder die Furcht kann ja wohl nicht Leitfaden für eine christliche Gemeinschaft sein.

Christliche Gemeinschaft hat Wunden. Die Jüngerschar und besonders der Apostel Thomas schauen auf die Wunden Jesu. Er hat uns durch seinen Wunden heil gemacht. Auch ich werde durch den Einsatz für andere immer verwundbar.

Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. (Joh 20,25)

Christliche Gemeinschaft braucht immer den Mut und die Gottessuche des Einzelnen. Dies sieht man zB beim Ritus der Taufe. Da wird nicht ein gemeinsamer Wille der Eltern befragt oder das Glaubensbekenntnis der ganzen Familie. Hier wird immer nach dem Willen und dem Glauben des Individuums gefragt. Ich kann mich nicht herausreden. Ich habe als Mutter, Vater oder Ordensmann ein Bekenntnis abgelegt. Ja, ich will. Ja, ich glaube. Ja, ich bin bereit.
_O0B3268Ähnlich ist es ja in der Regel des Heiligen Benedikt, wo die Gottsuche des Mönches Grundlage unseres Lebens ist und die Gemeinschaft nie irgendeine Hängemitte ist, die uns auffängt. Natürlich ist Gemeinschaft Halt und Stütze im Alltag. Gerade das Chorgebet und das gemeinsame Leben prägen uns. Voraussetzung ist aber immer die persönliche Gottsuche. Ja, ich will. Ja, ich glaube. Ja, ich bin bereit.

Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen. (RB 58,7)

Christliche Gemeinschaft ist kein Strohfeuer. Die Beharrlichkeit ist entscheidend.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt (Joh 20,26)

verwandter Link:

Texte des 2. Sonntags der Osterzeit (Lesjahr A)
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