Wacht und betet allezeit

Museum des Stiftes AdmontIn meinem Schulpraktikum im Bezirk Baden war ich mit Bruder Christoph unterwegs, der zu einer neuen geistlichen Gemeinschaft gehört hat. Total netter Typ. Und wir beide haben mit unserem Ordenskleid natürlich ordentlich Aufsehen erregt. Die Kinder durften uns ab und an auch Fragen stellen und da kam dann eine Frage, wie oft beten ihr denn. Ich habe geantwortet, dass wir uns drei Mal am Tag zu Gebet versammeln, zusätzlich noch zur Heiligen Messe. Und dabei war ich innerlich der festen Überzeugung, dass das ja das besondere an uns Benediktinern ist, dass wir uns mehrmals am Tag zum gemeinsamen Gebet versammeln. Bruder Christoph hat geantwortet, dass er sein Leben als Christ eigentlich so versteht, dass er immer im Gebet ist. Auch bei der Arbeit, beim Unterrichten, kurz vorm Einschlafen, beim Gespräch mit jemandem. Immer soll man im Gebet (im Kontakt) mit Gott sein.
Meine stolz geschwellte Brust wurde plötzlich schmal wie Bohnenstange und ich merkte, dass ich eben gar nicht genug bete.

Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.  Lk 21,36

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Erstprofess in Admont

Erstprofess der Fratres Alexander und RupertAm 22. September haben zwei Fraters (Frater Alexander und Frater Rupert) in die Hände von Abt Gerhard ihre erste Profess abgelegt. Sie binden sich damit nach einem Jahr Noviziat für drei Jahre an die klösterliche Gemeinschaft. Dann findet meist die Feierliche Profess statt, wo sich der Mönch für sein ganzes Leben an die klösterliche Gemeinschaft bindet.

Stichwortartige Wiedergabe der Predigt von Abt Gerhard aus Anlass der  Zeitlichen Profess der Fratres Alexander und Rupert am 22. September 2018.

Mitschrift Pater Ulrich

Abt Gerhard zitiert aus seiner Predigt zur Einkleidung. Ihr seid nervös, ich bin es auch. Damals eure Einkleidung und meine erste Einkleidung als Abt. Heute eure Erstprofess und meine erste Profess, die ich als Abt abnehmen darf.
Was heisst es die Profess abzulegen und Benediktiner in Admont zu sein? Lobpreis, Gottsuche, auf Christus hören und schauen, eine Provokation (Ja, es gibt noch junge Männer, die hier eintreten), da sein für Gott und die uns anvertrauten Menschen, wir sind keine Männer-WG, sondern eine klösterliche Gemeinschaft.
Jeder Admonter Mönch verspürte den Ruf sein Christsein hier zu leben. Benediktiner von Admont sind eine Lebensgemeinschaft und eine Glaubensgemeinschaft.

Et sollicitudo sit si revera Deum quærit, si sollicitus est ad opus Dei, ad oboedientiam, ad obprobria. (RB 58,7. Deutsche Übersetzung: Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen. )

Obprobrien gibt es allemal.
Anekdote. Wie einmal ein Bruder gesagt hat: „Meine Aufgabe ist es, den anderen Brüdern ein Obprobrium zu sein.“
Das Leben in Admont ist geprägt vom Inhalieren des Psalmen. (Hier Dank an Pater Novizenmeister und Pater Prior).

Die drei klösterlichen Gelübde:

Gehorsam: Auf Gott hören. Es zählt nicht der reine Eigenwille. Vielmehr gilt es ein Hörender zu sein.
Klösterlicher Lebenswandel: Es ist nicht das Materielle, das uns erlöst. Wir wollen als Mönche dem dienen, dem Anbetung gebührt, dem dreifaltigen Gott. Wir sind keine Einsiedler und erst recht keine Eigenbrötler. Es ist für einen Mönchen zu wenige, wenn er sagt, „Ich fühle mich mit der Gemeinschaft verbunden.“ Das wäre wie wenn Gott sagen würde: „ ich glaube, ich sollte Mensch werden.“ ER IST Mensch geworden. Genauso gilt es für uns Tag für Tag die Prioritäten entsprechend zu setzen: Gebetsgemeinschaft, Mahlgemeinschaft, in den Aufgaben des Alltags Gemeinschaft mittragen.
Beständigkeit in der Gemeinschaft: Der Großteil der Brüder bleibt einem ein Leben lang erhalten. Man kann darauf antworten: „Gott sei Dank“ oder „Um Himmels willen.“

Alexander und Rupert sind unkompliziert und bodenständig. Mit ihnen gibt es keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern sie verkörpern die Buntheit des Lebens.
Mit Alexander scheint der weißblaue Himmel Bayerns auch in Admont. Beide Brüder bringen so viele Begabungen in unseren Konvent. Abt wünscht zum Schluss der Predigt: Lebt mit Freude und Begeisterung euer Benediktinersein. Seit Menschenfischer. Viel Kraft und Gottes Segen.

9 Jahre und immer noch dabei

Neun Jahre liegt meine feierliche Profess zurück und wenn ich mir dieses Video (in 2009er Qualität) anschaue, dann kommen Erinnerungen an die vielen Mitfeiernden:

  • manche haben voll abgespeckt (ich nicht).
  • viele sind verstorben.
  • manche sind Äbte geworden.
  • manche haben den Orden verlassen.
  • einer (der Gäste) sitzt im Gefängnis.
  • einer ist in unsere Gemeinschaft eingetreten. 🙂
  • einer hat die Una Sancta verlassen.
  • manche haben inzwischen Kindern das Leben geschenkt.

Nächste Woche haben wir unsere Konventexerzitien; da werden wir auch unsere Gelübde erneuern. Das will ich auch und…

… an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln. (RB 4,74)

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Generalkapitel 03

Wahlen in der Kirche sind auch immer mit innigem Gebet verbunden. Ich hatte Freunde, die haben immer vehement geleugnet, dass kirchliche Wahlen irgendwas mit Heiligem Geist zu tun haben; inzwischen haben diese Freunde den Orden beziehungsweise die Kirche verlassen…

Viermal am Tag treffen wir uns beim Generalkapitel zum Gebet. Wir bilden also auch eine Gebetsgemeinschaft. Abt Johannes von den Schotten hat die Liturgie vorbereitet. Heute (Mittwoch) werden der neue Abtpräses und das Präsidium gewählt. Vorher feiern wir die Messe zum Heiligen Geist. Singen das Veni Creator. Und gewählt wird…

weitere Bilder

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Generalkapitel 01

Die österreichische Benediktinerkongregation ist ein lockerer Klosterverbund und besteht aus zwölf Abteien und zwei Priorate. Geleitet wird sie vom Abtpräses, der vom Generalkapitel gewählt wird. Seit Sonntag tagt das Generalkapitel in Frauenwörth.

Die Lateinische Vesper am Sonntag war beeindruckend – links saßen die Herren und rechts die Frauen. Fast zeitgleich zur Vesper in Admont sangen wir die selbe lateinischer Vesper in Frauenwörth. Nur halt viel leiser sein und sanfter. Äbte und Patres, die sich zurücknehmen.

Der Montagvormittag wurde von Abtpräses Jeremias Schröder gestaltet. Hier ging es zum Beispiel um das Thema Transformation.

Aktuelles Fotoalbum (Stand 22.10.2017)

Kongregationswallfahrt 2017

Kongregationswallfahrt 2017
Kongregationswallfahrt 2017

Am Pfingstdienstag treffen sich die Österreichischen Benediktiner alle zwei Jahre zu ihrer Kongregationswallfahrt. Heuer besuchten wir das Stift Kremsmünster, wo auch die Landesgartenschau stattfindet.

An die 100 Benediktinerinnen und Benediktiner gingen in Stille zu Fuß vom Stift zur Kaplaneikirche Kirchberg, wo wir die Heilige Messe feierten. Pater Daniel führte uns in das Thema Garten ein. So spielt ja auch in der Bibel der Paradiesgarten eine große Rolle. Das Paradies als mythischer Ort symbolisiert die schützende Liebe Gottes und wird zu unserem Sehnsuchtsort. Gerade auch bei der Auferstehung spielt der Garten eine große Rolle. (vgl. Joh 20,11ff)

Der Ort im Kloster, wo man Gott
am nächsten ist, ist nicht nur die Kirche,
sondern der Garten. Dort erfahren die
Mönche ihr größtes Glück
(Mönchsvater Pachomius)

KongregationswallfahrtNach dem reichhaltigen Mittagessen im großen Refektorium des Stiftes Kremsmünster gab es die Gelegenheit an sechs verschiedenen Führungen teilzunehmen. Ich erkundete gemeinsam mit Pater Daniel die Landesgartenschau. Da bestaunten wir den hortus benedicti, die Salat- und Gemüsebeete, einen Murmelweg und zahlreiche neu angelegte Gartenbereiche auf dem endlos großen Stiftsareal. Zum Schluss trafen wir uns zur Vesper in der Stiftskirche.

mehr Bilder Weiterlesen „Kongregationswallfahrt 2017“

christliche Gemeinschaft

Abtsbenediktion0484Im Zuge der Abtsbenediktion unseres Abtes Gerhard hatte ich mir schon vor einer Woche Gedanken gemacht darüber, was es heißt, in einer Gemeinschaft von Mönchen zu leben.

Gemeinschaft kann man negativ definieren. Wenn man zB. sagt, wir haben einen gemeinsamen Gegner. Oder wenn man Furcht vor etwas hat und sich deshalb zusammenschliesst. Die vorpfingstliche Gemeinde hat Furcht:

als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten… (Joh 20,19)

Ein gemeinsamer Gegner oder die Furcht kann ja wohl nicht Leitfaden für eine christliche Gemeinschaft sein.

Christliche Gemeinschaft hat Wunden. Die Jüngerschar und besonders der Apostel Thomas schauen auf die Wunden Jesu. Er hat uns durch seinen Wunden heil gemacht. Auch ich werde durch den Einsatz für andere immer verwundbar.

Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. (Joh 20,25)

Christliche Gemeinschaft braucht immer den Mut und die Gottessuche des Einzelnen. Dies sieht man zB beim Ritus der Taufe. Da wird nicht ein gemeinsamer Wille der Eltern befragt oder das Glaubensbekenntnis der ganzen Familie. Hier wird immer nach dem Willen und dem Glauben des Individuums gefragt. Ich kann mich nicht herausreden. Ich habe als Mutter, Vater oder Ordensmann ein Bekenntnis abgelegt. Ja, ich will. Ja, ich glaube. Ja, ich bin bereit.
_O0B3268Ähnlich ist es ja in der Regel des Heiligen Benedikt, wo die Gottsuche des Mönches Grundlage unseres Lebens ist und die Gemeinschaft nie irgendeine Hängemitte ist, die uns auffängt. Natürlich ist Gemeinschaft Halt und Stütze im Alltag. Gerade das Chorgebet und das gemeinsame Leben prägen uns. Voraussetzung ist aber immer die persönliche Gottsuche. Ja, ich will. Ja, ich glaube. Ja, ich bin bereit.

Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen. (RB 58,7)

Christliche Gemeinschaft ist kein Strohfeuer. Die Beharrlichkeit ist entscheidend.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt (Joh 20,26)

verwandter Link:

Texte des 2. Sonntags der Osterzeit (Lesjahr A)
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