4 mal Engel des Herrn

Das Angelusgebet (1857-1859) von Jean-François Millet

3 mal am Tag laden die Glocken katholischer Kirchen zum Angelus (Engel des Herrn) ein. In Admont z.B. läuten die Glocken um 06:00 Uhr, um 12:00 Uhr und um 18:00 Uhr. Wir Mönche beten den Angelus aber nur einmal am Tag zusammen, nämlich um 12:15 Uhr vor unserem eigentlichen Mittagsgebet. Morgens hingegen sind wir um 06:00 Uhr noch in der Betrachtung (die frommen Mönche) oder unter der Dusche (die reinlichen Mönche) und am Abend singen wir während des Glockengeläutes meist gerade das Magnificat aus der der Vesper. Das Magnificat ist ja auch marianisch, von daher passt es eh.
Schon oft war ich in meinem Leben in dieser bescheidenen Situation, dass die Glocken geläutet haben, ich mit vielen Katholiken zusammen saß und wir eben keinen Angelus gebetet haben;  meistens war das in irgendeiner unheimlich wichtigen Sitzung.
Die letzten Tage habe ich gleich vier mal mit unterschiedlichsten Leuten den „Engel des Herrn“ gebetet:

  • Mit meinem Pfarrer, der mich gerade bekocht hatte.
  • Mit Christen aus ganz Österreich habe ich den Engel des Herrn in der Stiftskirche gesungen.
  • Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Altenmarkt weist mich am Ende des Bibelgesprächs auf die Kirchenglocken hin (in Altenmarkt um 20:00 Uhr) und wir beten.
  • Weihbischof Scharl von Wien steht in unserm Gästeflur auf weitere Gäste wartend und lädt uns um 12:00 Uhr ein zu beten.

Gelobt sei der Herr, der von Maria geboren wurde.

Ein Pilgerzimmer mit Endspiel bitte

Natürlich schaut die katholische Welt nach Brasilien auf die Fußball WM. Da ergeben sich dann eigenartige Szenarien: Ein Pilger, der zu Fuß nach Santiago de Compostela unterwegs ist, fragt den Gastmeister des Klosters, ob man denn irgendwo das Fußballspiel schauen könnte. Da geht dieser Mann knapp 30km zu Fuß und kommt im Stift Admont an und freut sich am Abend, dass er mit Bier, Jause und HD-Fernseher den Abend genießen kann.

Ein mir bekannter bayerischer Priester hat seinen Herz – Jesu -Freitag heute extra auf den Vormittag verlegt.

Ich warte noch drauf, dass der Abt unser Abendprogramm der Fußballweltmeisterschaft anpasst: 17:30 Uhr Vesper, 18:00 Uhr Fußball, 18:46 Uhr Komplet,

pilger 2.0

An der Pforte des Klosters klingeln immer wieder Pilger. Manchmal haben sie schon vorher angerufen, manchmal kommen sie aber auch spontan. Und die Pilger können nicht unterschiedlicher sein:
Letzte Woche kam einer, der mit dem Auto unterwegs war. Er geht keinen Schritt zu Fuß (höchstens vom Parkplatz zu seinem Gästezimmer) und bezeichnet sich dennoch als Pilger. Nun ist dieser gute Mann laut eigenen Aussagen körperlich nicht in der Lage viel zu gehen. Aber sein gewitztes Hirn funktioniert noch super. So sieht er eine Menge schöner Orte, ohne viel Geld da zu lassen (Pilger müssen in den meisten Klöster wenig oder gar nichts bezahlen). Als Beweis für seine Pilgerreise hat er einen Pilgerausweis, wo er Stempel sammelt.

Ein Pilger ganz anderer Art war auch letzte Woche da: Christophe Ruch; er war mindestens körperlich genau so angeschlagen wie der oben genannte. Doch das hielt ihn nicht davon ab 1000 km Strecke zurückzulegen. Seiner schweren Krankheit will er mit seiner Mammuttour trotzen. Den Herrgott erwähnt er bei seinen Motiven mit keinem Wort. Trotzdem ist seine Wanderung auch ein Stück Mission. Er will auf seinem Weg Spenden für CMT-Kranke sammeln – also „für Menschen, die nicht mehr wandern können.“

Was auffällt ist, dass immer mehr Pilger und Wanderer online sind. Sie führen ein Tagebuch, wo die Zuhause-Gebliebenen oder die Interessierten sich informieren können. So ja auch der Liechtensteiner Priester Johannes Maria Schwarz, der sich zZ in Armenien befindet und auf dem Weg nach Haran, der Stadt Abrahams, ist. Er war am 19. Mai bei uns in Admont. Sein Tagebuch

Pilgerpriester

Erst letzte Woche hatte ich den Fohnsdorfer Frauen, die vier Tage bei uns zu Besuch waren, in einem Vortrag erklärt, wie wichtig das heilige Fernweh sei; so wollte die Familie der heiligen Walburga (inklusive ihrer Brüder Willibald und Wunibald) unbedingt an die Orte, wo die Heiligen waren und wo Jesus Christus gelebt hat.
Heute ist ein Priester bei uns zu Gast, den auch dieses Fernweh gepackt hat und der zu Fuß von Liechtenstein nach Jerusalem unterwegs ist. Johannes (so sein Name) hat ein Online-Tagebuch und ist vielen von uns durch verschiedene Medien bekannt (Mein Gott und Walter, 3 min Katechismus)

hier geht´s zu seinem Tagebuch

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Wallfahrt Admont – Gurk

Admont – Pilgerort

ökumenisches Stundengebet

Was Franziskaner und Benediktiner in Jerusalem können, das können Evangelische und Katholiken auch = zusammen die Vesper singen

In der Gebetswoche für die Einheit der Christen beten auch wir Mönche, dass dieser Skandal der Kirchenspaltung ENDLICH aufhört. Einen erfrischend monastischen Gedanken zu dieser Woche fand ich bei Georg F. Schimmerl. Er schreibt:

Was wir jetzt schon gemeinsam problemlos feiern könnten, und was ein echter Durchbruch wäre, ist ein gemeinsames Stundengebet.

Ein toller Ansatz, der auch unserm Ordensvater Benedikt gefällt und der auch schon praktische Umsetzungen kennt, so gibt es evangelische Gemeinschaften, die zB den Psalter von Münsterschwarzach beten, es gibt in manchen Dörfern und Städten ein ökumenisches Morgenlob; oder wenn eben mal wieder ein evangelischer Christ bei uns im Kloster zu Gast ist und mit uns betet…

ganzer Artikel hier (beten20.com)

Kinder begegnen Gott

Heute durfte ich die zweite Klasse Volkschule in Sankt Gallen besuchen. Das sind die Kinder, die nächstes Jahr zur Erstkommunion gehen. Die Kinder wurden erst einmal gefragt, was sie denn bei der Erstkommunion erwartet. Das eine Mädchen hat gesagt, da singen wir und beten… Dann kam vom nächsten Mädchen gleich die Topantwort: Da bekommen wir den Leib Christi!

Dann durften die Kinder fragen stellen. Und dann kam die Frage: Ist Gott ein Mann oder eine Frau. Also die Kinder waren der Überzeugung, dass Gott ein Mann ist. Ich versuchte es ihnen (zu umständlich?) über die Dreifaltigkeit zu erklären; dass Gott in Jesus Christus für uns sichtbar wurde. Und ich fragte sie, ob man Gott denn sehen kann? Die Frau Religionslehrerin nahm die Frage auf und stellte sie an die Klasse: „Wer von euch hat Gott schon mal gesehen?“ Darauf meldete sich über die Hälfte der Klasse (!!!!). Der eine Bub hatte Gott auf dem Spielplatz gesehen; er sah aus wie ein alter Mann. Der andere beschrieb ihn so, dass er wie ein Mensch aussehen würde und einen Schein hätte.

Ehrlich gesagt, ich konnte den Kindern nicht widersprechen.

verwandter Artikel: Kinder im Stift Admont