Mönche sind keine Marsianer

Innenreinigung2Ich danke dem Herrgott, dass ich kein Marsianer bin, sondern ein Mönch.
Diese Woche habe ich einen Teil von H. G. Wells: „Krieg der Welten“ gehört. (bis Ascherdonnerstag als podcast auf bayern2)
Die dort beschriebenen Marsianer schlafen nicht. Wie die Ameisen (?) sind sie laufend wach. Unser Vater Benedikt gönnt uns Mönchen einen guten Schlaf:

So können die Brüder etwas länger als die halbe Nacht schlafen und dann ausgeruht aufstehen.(RB 8,2)
Jeder soll zum Schlafen ein eigenes Bett haben.  (RB 22,1)

Ich danke dem Herrgott, dass ich kein Marsianer.
Die beschriebenen Marsianer essen nicht. Stattdessen saugen sie den Menschen und anderen Säugetieren einfach das Blut aus dem Körper. Unser Vater Benedikt gönnt uns Mönchen eine gesunde Mahlzeit:

Was sie aber beim Essen und Trinken brauchen, sollen die Brüder einander so reichen, dass keiner um etwas bitten muss. (RB 38,6)

Nach unserer Meinung dürften für die tägliche Hauptmahlzeit, ob zur sechsten oder neunten Stunde, für jeden Tisch mit Rücksicht auf die Schwäche einzelner zwei gekochte Speisen genügen.
Wer etwa von der einen Speise nicht essen kann, dem bleibt zur Stärkung die andere.
Zwei gekochte Speisen sollen also für alle Brüder genug sein. Gibt es Obst oder frisches Gemüse, reiche man es zusätzlich.
Ein reichlich bemessenes Pfund Brot genüge für den Tag, ob man nur eine Mahlzeit hält oder Mittag und Abendessen einnimmt.
Essen die Brüder auch am Abend, hebe der Cellerar ein Drittel dieses Pfundes auf, um es ihnen beim Abendtisch zu geben.
War die Arbeit einmal härter, liegt es im Ermessen und in der Zuständigkeit des Abtes, etwas mehr zu geben, wenn es guttut. (RB 39,1-6)

Ich danke dem Herrgott, dass ich kein Marsianer.
Die beschriebenen Marsianer trinken keinen Wein. Unser Vater Benedikt gönnt uns Mönchen (wenn auch mit Bedenken) ein Schlückschen (=lat. hemina):

Doch mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwachen meinen wir, dass für jeden täglich eine Hemina Wein genügt. (RB 40,3)

Armer, Blut saugender Marsianer. Glücklicher, maßvoller Mönch.

Schlechtwettermönche

Grabneralm Juli 2016Dieser Sommer hat halt keine 30 Sonnentage am Stück. Viele stürmische und kalte Regentage schieben sich dazwischen. Da muss man dann den Urlaubstag entweder im Stiftsmuseum verbringen (bei Regen ist das Museum überlaufen) oder trotzdem auf den Berg gehen. Das haben wir am Montag gemacht. Es war mittelprächtig angesagt, aber in Wirklichkeit zum Davonlaufen. Diese Gatschtour wird mir immer in Erinnerung bleiben. Der Vorteil: Die Käsenockerln auf der Grabner Alm haben doppelt gut geschmeckt und die kurzen Sonnenstrahlen erfreuten uns ganz besonders. Bei gutem Wetter Berggehen <– das kann doch jeder. 😉

Im Kloster ist die Wetterprognose oft auch nicht so rosig. Preiset den Herrn für die Seele, die in Treue zum Gebet eilt.

Hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei. (RB 43,1)

Vielleicht ist es im Kloster wie im Urlaub: Bestimmte Durststrecken kann man nur gemeinsam überbrücken und dann freut man sich umso mehr, wenn man sich gegenseitig ermutigt hat, doch etwas zu tun.

Grabneralm Juli 2016

Die Liebe zum letzten Platz

Gestern Abend konnte ich von den Österreichern eine benediktinische Tugend lernen: Die Liebe zum letzten Platz. Bei der Europameisterschaft haben sie Unentschieden gegen Portugal gespielt und damit ihren ersten Punkt gemacht und sie sind überglücklich. Diese Freude über das Wenige und Geringe fasziniert mich. Preiset den Herrn, der uns durch seine Armut sooooo reich macht. 

geschasst und geliebt

Wie geht man mit gefallenen Ordensleuten, Priestern oder Bischöfen um? Ein empfehlenswertes Beispiel gibt uns da der Bischof von Eichstätt Gregor Maria Hanke OSB. Er hat sich 2010 von Anfang an um den Augsburger (!) Bischof Walter Mixa gekümmert und ihm eine Wohnung und entsprechende Aufgaben besorgt. Wirklich brüderlich und äbtlich hat er an ihm gehandelt. Der Mann redet nicht nur von Barmherzigkeit, sondern handelt auch so. Erinnert mich dann doch an das 27. Kapitel der Benediktusregel, wo es heißt:

Mit größter Sorge muss der Abt sich um die Brüder kümmern, die sich verfehlen, denn nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
Daher muss der Abt in jeder Hinsicht wie ein weiser Arzt vorgehen. Er schicke Senpekten, das heißt ältere weise Brüder.
Diese sollen den schwankenden Bruder im persönlichen Gespräch trösten und ihn zu Demut und Buße bewegen. Sie sollen ihn trösten, damit er nicht in zu tiefe Traurigkeit versinkt.
Es gelte, was der Apostel sagt: „Die Liebe zu ihm soll erstarken.“ Alle sollen für ihn beten.
Der Abt muss sich sehr darum sorgen und mit Gespür und großem Eifer danach streben, dass er keines der ihm anvertrauten Schafe verliert.
Er sei sich bewußt, dass er die sorge für gebrechliche Menschen übernommen hat, nicht die Gewaltherrschaft über gesunde.
Er fürchte das Drohwort des Propheten, durch das Gott sagt: „Was fett schien, habt ihr euch genommen, was schwach war, habt ihr weggestoßen.“
Er ahme den Guten Hirten mit seinem Beispiel der Liebe nach: Neunundneunzig Schafe ließ er in den Bergen zurück und machte sich auf, um das eine verirrte Schaf zu suchen.
Mit dessen Schwäche hatte er so viel Mitleid, dass er es auf seinen heiligen Schultern nahm und so zur Herde zurücktrug.

Bischof Walter feierte am Samstag seinen 75. Geburtstag in Maria Brünnlein.


verwandte Links:

Kreuzknappe (dort habe ich den Link zum Video gefunden)
Predigt von Bischof Gregor auf kath.net (bitte lesen, vor allem der Gedanke mit dem STEIN)
Artikel auf katholisch.de („Der Geschasste“)

Sanfter Mut

Passion Stiftskirche Admont
Fenster in der Stiftskirche Admont

O wie mir diese alten Wörter auf den Keks gehen. O wie ich diese alten Wörter liebe.

Wir beten jeden Tag aus einer Psalmübersetzung aus den 70ern. Da kommen dann Wörter, die kein junger Mensch heute mehr versteht. Aber dann gibt es Wörter, die passen einfach. So auch das Wort Sanftmut aus der heutigen ersten Lesung. Letztlich wird hier im Buch der Weisheit Jesus Christus beschrieben als sanftes Lamm und zugleich als mutiger Löwe. Solch eine Sanftmut wünsche ich dir und mir.

Und tatsächlich kommt das Wort auch in der Regula Benedicti vor:

Mit der ganzen Sanftmut eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe gebe er unverzüglich Bescheid. (RB 66,4)

So soll der Pförtner auf eine Anfrage reagieren. Und, tja, das ist gar nicht so einfach. Heutzutage gibt es nicht nur eine Glocke, die den Pater ruft, sondern WhatsApp, Weiterlesen „Sanfter Mut“

Sich der Gemeinschaft nicht entziehen

Public transportationO, wie habe ich das als Kind gehasst, wenn mein Vater gemeinsam mit uns Abendessen wollte. Und das nicht vor dem Fernseher, sondern am Essenstisch!! Und jetzt bin ich Mönch zwischen Pfarre und Kloster und finde hie und da auch Ausreden an den gemeinsamenen Mahlzeiten teilzunehmen. Man entzieht sich der Gemeinschaft und oft bildet man sich dann auch noch ein, dass es ohne die Brüder besser geht und dass ich sowieso, was besesseres bin.

So will ich mich gerade in den Vierzig Tagen vor Ostern der Gemeinschaft nicht entziehen. Die Korrektur durch Abt und Gemeinschaft ist sicher vom heiligen Benedikt gewollt. Auch und gerade im Kapitel über die Fastenzeit kommt das zum Ausdruck. Da darf es eben keinen persönlichen Heroismus geben; alles muss mit dem Abt abgesprochen sein – auch und gerade die guten Vorsätze. In dieselbe Kerbe schlagen die Mönche von Münsterschwarzach, wenn sie in der Fastenzeit keine Termine außer Haus annehmen dürfen und den Mittwochnachmittag als eine gemeinsam geschenkte Zeit verbringen. Zum Lobe Gottes, denn der Herr hat mir Brüder geschenkt.

Link: Schwester Hannahs Antwort  auf diesen Beitrag

Der Psalter in der Klosterwand

13 km nördlich von Bad Leonfelden befindet sich das Kloster Vyšší Brod. Auf deutsch: Stift Hohenfurth.

Hohenfurth - Sommerprälatur 1Im letzten Jahrhundert wurde dieses Zisterzienserkloster mehrmals enteignet und aufgelöst: Durch den neuen tschechoslowakischen Staat, durch das Naziregime und dann 1950 durch die Kommunisten. Bei der Wiederbesiedlung 1989/ 1990 fand man beim Einreißen einer Klostermauer die alten Gebetbücher. Dies sah man dann mit einer Selbstverständlichkeit als Wink von Oben an: Gott will, dass wir mit genau diesen Psalterien weiterbeten, mit denen die Mönche bis 1950 gebetet hatten. Und das machen sie bis heute.

Eine ähnliche Geschichte hat sich auch bei den Königen von Israel zugetragen. (siehe 2. Buch der Könige 22) Ein junger König kam an die Macht: Josia. Sein Großvater und sein Vater waren alles andere als gottesfürchtige Könige gewesen. Und jetzt kam er; das Volk hatte ihn mit 8 Jahre auf den Königsthron gesetzt. Und er tat, was dem Herrgott gefiel, obwohl die Generationen vor ihm so gottvergessen waren. Und dann geschah es, dass der Priester des Tempels den Handwerkern das Geld auszahlen sollte. Da griff er tief in die Tempelkasse hinein; die muss sich anscheinend im Mauerwerk befunden haben. Und da bemerkte er in diesem Loch eine Schriftrolle. Er holte sie hervor und man erkannte das Gesetz Gottes wieder.

So wie die Mönche von Hohenfurth oder der König Josia mit dem Volk Israel können auch wir die Heilige Schrift entdecken, sie ist als Maßstab unseres Lebens anlegen und unseren Alltag und Feiertag nach ihr ausrichten.

Preiset den HERRN, der zu uns spricht.