alltagstaugliche Kirchenlehrerinnen

Heilige Hildegard von BingenIn dieser Fastenzeit predige ich vor allem über die vier Kirchenlehrerinnen. Teresa von Avila und und Hildegard von Bingen haben eine Gemeinsamkeit: Sie blieben nicht in ihrem Kloster, wo sie dann in ihrer Verzückung etwas niedergeschrieben haben, sondern sie waren „bei de Loit“. <— wie man so schön sagt. Hildegard ist von Fürstenhof zu Fürstenhof gezogen und hat den weltlichen und geistlichen Herren ordentlich die Meinung gesagt. Teresa hat unzählige Orte in Spanien besucht, wo sie sich persönlich um ihre neuen Klosterniederlassungen gekümmert hat. Und gerade Teresa ist als Kirchenlehrerin alltagstauglich. Wie hält es an, wie überlebt unser Glaube im Alltag. Das erfahren wir bei Teresa gerade in ihren Anleitungen zum Gebet.
Teresa gibt uns drei Punkte mit auf den Weg:
Innerlichkeit, Demut und Wirksamkeit.
Ein Gebet erfordert Nachdenken. Mit wem rede ich eigentlich? Mit Gott oder einem Sklaven? Schreibe ich IHM nicht zu oft vor, Gott, mach das so. 
Kann man so mit einer Majestät reden?

Die Seele kann sich Christum den Herrn vergegenwärtigen, und sich gewöhnen, seine heilige Menschheit recht innig zu lieben, stets mit ihm zu wandeln, mit ihm zu reden, ihm ihre Bedürfnisse vorzutragen, ihm ihre Widerwärtigkeiten zu klagen. Man braucht hierzu keine besonderen Gebetlein, sondern man spricht nur solche Worte, die dem inneren Verlangen und den Bedürfnissen entsprechen.

ganze Predigt am vergangenen Sonntag
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Hemmatag 2016 in Admont

Pontifikalamt am Hemmaaltar in der Stiftskirche AdmontIm nördlichen Seitenschiffs des Admonter Münsters befindet sich der Altar der heiligen Hemma. Wir verehren die Kärntner Landesmutter als unsere Gründerin. Heute in der Früh feierte dort unser Abt mit uns ein Pontifikalamt. Für mich ist es eine erhebende Sache, wenn man auch von der Seite die Größe und Schönheit der neugotischen Stiftskirche erleben kann. Von oben erklangen Orgel und Stimme unseres Stiftsorganisten Thomas Zala.

Unsere Kirche ist geprägt von vielen Frauen, die schwere Schicksalschläge erleiden mussten und trotzdem ihr Lebenslied der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes gesungen haben: Maria Magdalena, Hedwig, Elisabeth und last but not least Hemma.

Schon am Vorabend des Hemmatages feierten wir gemeinsam mit unserm Abt Bruno dessen Goldene Profess. Wir sangen die lateinische Vesper, in der der Herr Abt seine Profess erneuerte. Auf dem Tisch lag ein Reliquiar der heiligen Hemma.

Goldene Profess unseres Herrn Abtes am Vorabend des Hemmafestes

verwandte Links:

Hemmalied von Peter Gerloff
Hemmapredigt von Abt Bruno 2012
Heilige Hemma von Gurk – Ein Beitrag von Stefan Quilitz auf domradio.de (audio)
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die Selige bei der Autobahn A3

Selige Alrun von Cham, Abtei NiederaltaichWenn ich mit dem Auto von meiner hessischen Heimat über die A3 in mein Bergbauernkloster zurückfahre, besuche ich meistens auch die Abtei Niederaltaich. Dort befinden sich auf einem Seitenaltar die Reliquien der seligen Alrun von Cham. Sie erscheint im Heiligenkalender vor allem als Ratgeberin.

Wenn ich ihren Dienst in der Regel des heiligen Benedikts suchen würde, dann kommt er am ehesten dem des Pförtners gleich:

1. An die Pforte des Klosters, stelle man einen weisen älteren Bruder, der Bescheid zu empfangen und zu geben weiß und den seine Reife daran hindert, sich herumzutreiben.

2. Der Pförtner soll seine Zelle neben der Pforte haben, damit alle, die ankommen, dort immer einen antreffen, von dem sie Bescheid erhalten.

3. Sobald jemand anklopft oder ein Armer ruft, antworte er: „Dank sei Gott“ oder „Segne mich“.

4. Mit der ganzen Sanftmut eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe gebe er unverzüglich Bescheid. RB 66

Alrun wohnte ja als Reklusin in der Nähe des Klosters und gab dort vielen Menschen mit der ganzen Sanftmut einer Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe Rat.

Das Schöne an den bayerischen und österreichischen Autobahnen, sind die zahlreichen Klöster mit ihren Heiligen, die man leicht erreichen kann und die so die Straße (unseres Lebens) säumen.

verwandter Link:

die heilige Alruna in der Pfarrkirche von Cham
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Vox Populi

Old woman in Lahij, Azerbaijan

… Vox Dei. Die Stimme des alten Mütterchen darf nie hinten angestellt werden; was sie und das Volk uns (Priestern) zu sagen haben, ist so was von wichtig. Das habe ich diese Woche wieder auf vielfältige Weise erfahren. Einmal natürlich beim Bibelgespräch in Altenmarkt, wo ich mir mit einer älteren Dame immer kleine Wortgefechte leiste. Aber keine Angst: Zum Schluss umarmen wir uns wieder, denn wir wissen, was wir aneinander haben. Als ich am Mittwoch nach Altenmarkt gefahren bin, dachte ich erst, es ist eh nur ein so kurze Evangelium, was haben wir uns da schon zu sagen; aber meine siebenköpfige Truppe aus Altenmarkt sprudelte nur so von Ideen und Anfragen. Ich merkte einmal mehr, wie machtvoll Gottes Wort im Menschen ist und dass ich als Priester nur ein kleines Werkzeug in der Hand Gottes bin.

Beim Bischofsempfang am Dienstag bereitete ich mich zur vorgerückten Stunde schon innerlich darauf vor, dass ich am Mittwoch in der Früh die Konventmesse halten sollte. Ich wollte das Formular des seligen Kaisers Karl (pdf) verwenden, der bei vielen jüngeren Brüdern besonders verehrt wird. Kaum einen Gedanken verschwendete ich bei der heiligen Ursula. Ich dachte mir, „eh alles nur Legende,… vom seligen Kaiser Karl wissen wir wenigstens etwas…!“ Doch dann stand ich plötzlich beim Empfang mit einer Frau zusammen und sie fing an von der heiligen Ursula zu schwärmen; bei einer Pilgerfahrt durch Deutschland habe sie viel über sie und die Stadt Köln erfahren und es war zu spüren, wie sehr sie die Heilige verehrte.

Am Freitagvormittag (das ist heute!) stand ich unten mit einer Angestellte im Flur und meldete mich bei ihr zum Essen an; ich meinte etwas abwertend: „Zuerst habe ich gedacht ich hätte was besseres zu tun, komme jetzt aber doch zum Essen.“ Darauf sie: „Was gibt´s denn besseres als die brüderliche Gemeinschaft?“ Tja, wenn ich schon nicht auf den heiligen Benedikt und unseren Herrn Abt höre, sollte ich wenigstens auf unsere liebe Angestellte hören!

Da, wo mein kritischer Glaube oft aufhört, fangen viele meiner „Schäfchen“ erst an zu glauben und es ist in ihren Aussagen ein richtiges Feuer zu spüren. Egal, ob ein kurzes, trockenes Markusevangelium, eine Heilige aus dem frühen Mittelalter oder die gemeinsamen Zeiten bei Tisch: Den richtigen Wert der Dinge bringen mir viele Leute bei, die mir von Gott geschickt werden. Gelobt sei der HERR, der durch meine Schwestern zu mir spricht!

Frauenpower in der Kirche

mehr Bilder wikimedia.org/Auf Dauer hilft nur Frauenpower. Ich bin ja der Überzeugung Papst Franziskus hat das Jahr der Orden nur ausgerufen, weil Teresa von Avila heuer ihren 500. Geburtstag feiert. Und da bietet es sich doch an diese Reformatorin des Karmels besser kennenzulernen. Der Teresianische Karmel in Österreich hat dafür extra eine App schreiben lassen. Dort gibt es jeden Tag einen Text der Heiligen. Dann nehme ich diese große Frau für dieses Jahr einfach mal als Lehrmeisterin.

Links für die App für iPhone/iPAD oder für Android-Geräte unter dem Stichwort „STJ500“ im App Store (Apple) oder im Google Play (Android).

App für iPhone/iPAD

App für Android

verwandter Link: meine Predigt zum Hochfest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel in Unterlaussa 2012

Papst trifft Jesus Punk

Eine Freude, die anhält? Wie soll so etwas gehen? Papst Franziskus und Jesus Punk Mandy lösen auf. Und sie tun das beide mit zwei Wörtern. Der Papst schreibt „grenzenlos geliebt“ (Evangelii Gaudium 6) und Mandy schreibt „unendlich geliebt“.  Der Heilige Vater schreibt die beiden Wörter in seiner Enzyklika „Evangelii Gaudium“ und Mandy lässt die Worte auf tausende Einkaufschips pressen, damit auch jeder Bescheid weiß.

Denn: Selbst, wenn es einem so rischdisch dreckisch geht:

Die Freude passt sich an und verwandelt sich, und bleibt immer wenigstens wie ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit hervorgeht, jenseits von allem grenzenlos geliebt zu sein. (Evangelii Gaudium 6)

Gottes Liebe zu Uns schaut ungefähr so aus, wie die Liebe des Bruders zu seiner kleinen Schwester:

GefährtInnen

Heute feiert die Kirche das Fest der heiligen Ursula und ihrer Gefährtinnen. Spätestens seit dem ersten Teil der Trilogie von ‚Herr der Ringe‘ weiß ich, wie sehr mir der Begriff Gefährten taugt. Genau deshalb habe ich auch vor 5 1/2 Jahren meine feierliche Profess abgelegt; da gibt es Menschen, die mit mir die selbe Hoffnung teilen. Die christliche Hoffnung, die auf die Schwachheit eines Lammes (Frodo) und auf die Stärke eines Löwen (Gandalf oder Aragon) gerichtet ist. Beide Tiere symbolisieren Christus Jesus: das Lamm, so zärtlich, klein und doch voller Leben und der Löwe, kraftvoll, stoark und lebenstüchtig. Zu einer gemeinsamen Hoffnung sind wir berufen.