Predigt über das Psalmengebet

Oft sagt der Überbringer der Botschaft mehr über die Botschaft aus, als der Inhalt oder die Buchstaben. Ich denke da auch an den Bidlmann.
Oder stellen sie sich vor: in der Antike ein Herold mit feinen Gewändern und edlem Gesicht —> da weiß jeder, es muss ein gewaltiger Herrscher dahinter stehen. Oder ein zerzauster, mit Wunden übersäter Krieger bringt schwer schnaufend die Kunde, dass feindliche Soldaten über das Land herfallen. Die äußeren Begleitumstände untermauern in beiden Fällen die Botschaft.
Beim Psalmengebet in einem Kloster wurden auch regelmäßig die Gäste eingeladen. Da ist es für Neulinge oft nicht so einfach die richtige Seite aufzuschlagen; da sind dann die älteren Patres gefordert: Vorbeten und gleichzeitig schauen, dass der Gast die richtige Seite hat. In seiner totalen Hektik betete sodann Pater Damasus OFM und gab gleichzeitig gehetzt Anweisungen:
„Gott, du mein Gott, dich suche ich, (…) auf Seite 201!“
Ich möchte heute ruhig mal unseren Fokus auf den Psalm richten, der in der sonntäglichen Liturgie seinen normalen Platz zwischen den beiden Lesungen hat.
Das Buch der Psalmen befindet sich ungefähr in der Mitte der Bibel und ist Leben in Gebet gefasst. Gefahr, Freude, Hunger, Sehnsucht, Abschied, Wiedersehen, Tod, Bedrohung, Hilfe, Verheissung. Alle Facetten des Lebens kommen darin vor. Der Mensch in seiner Verdorbenheit, aber auch in seiner Heiligkeit. Mir fällt kein Aspekt ein, der bei den Psalmen ausgeklammert wird. Der fromme Jude und der ägyptische Mönch im 3., 4. und 5. Jahrhundert konnte alle 150 Psalmen auswendig und hat sie tagtäglich gebetet.
Wir Admonter Mönche beten die 150 Psalmen innerhalb von zwei Wochen.
Jede Gemeinschaft betet die Psalmen ein bisschen anders: Reihenfolge, Länge der Pausen, im Wechsel oder mit Vorbeter usw.
Eine Art, die im angloamerikanischen Raum gepflegt wird, hat mir besonders getaugt: Man rezitiert den Psalm langsam, dann lässt man eine Pause von einer knappen Minute und dann betet man die Psalmoration, ein Gebet, das noch mal einen Kerngedanken des Psalms aufgreift.
Daran wird deutlich, dass die Mönche mit den Psalmen beten. Aus den Psalmen heraus entsteht die lebendige Zwiesprache mit Gott.
Anstelle der Psalmen hat das katholische Volk den nicht weniger heiligen Rosenkranz gebetet. Mit Maria an der Hand das Leben Jesu betrachtend. Analog zu den 150 Psalmen gab es 150 Ave Marias, die sich aus dem freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz zusammensetzten, mit jeweils 50 Ave Marias.
Egal ob Psalmen oder Rosenkranz – wichtig ist beim christlichen Gebet immer die Hingabe. Jesus hat als frommer Jude alle 150 Psalmen gebetet. Er, der ohne Sünde war, betet das Gebet des sündigen, aber auch geretteten Menschen. Stellvertretend für uns betet Jesus. Er nimmt sein Volk, alle die seinen Namen tragen (alle Christen), er nimmt Dich und mich und empfiehlt uns im Gebet seinem himmlischen Vater.
Hingebungsvoll betet er für uns und ist für uns da.
Ebenso hingebungsvoll sollen, dürfen, können wir für andere beten und für andere da sein.

der Blick der Liebe

Alte Pinakothek München

Zwei Wochen vor Ostern bzw. Karfreitag werden die Kreuze verhüllt.

Ja, vielleicht merkt man erst, wenn man etwas nicht hat, wie sehr man es vermisst und wie sehr man es liebt. Ich hab ja schon an dieser Stelle gesagt, dass für mich der Mittelpunkt einer jeden Kirche das Kreuz ist. Sei’s in der Stiftskirche in Admont, sei’s in der Chorkapelle in unserer Klausur.

Und jetzt ist dieses Kreuz verhüllt und natürlich vermisse ich es. Wie der Bräutigam seine Braut vermisst. Aber ehrlich gesagt, brauche ich euch von Liebe nichts zu erzählen. Die meisten von euch sind verheiratet oder waren verheiratet und Ihr solltet mir von Eurer Treue predigen.

Es gibt im Moment viele Sorgen und Unsicherheiten in der Kirche und ich bin der Überzeugung, wir würden die Hälfte aller Priester im aktiven Dienst mit einem Schlag verlieren, wenn es eure Treue nicht geben – eure Treue zueinander.

Was kann ich euch schon von Liebe erzählen?

Auf Netflix läuft eine wunderbare Serie über ultraorthodoxe Juden. (Shtisel Trailer)  Das sind die, wo die Frauen Röcke tragen und die Männer Hüte mit ganz langen Schläfen und Bart… eine völlig andere Welt und man ist sicher froh dass man da nicht leben muss, sondern hier im Ennstal. Und natürlich geht es dabei auch um den Generationenkonflikte, um überforderte Hausfrauen, um Einsamkeit und Familie. Und dann ist da ein junger Mann auf der Suche nach einer Frau. Keine Ahnung, vielleicht mit 20. Und damit schon viel zu alt für einen ultraorthodoxen Juden. Die heiraten wahrscheinlich alle bevor sie 20 werden?! Und jetzt sucht seinen Papa und ein Heiratsvermittler eine Frau für ihn. Er hat sich Anfang der Serie schon in die Mutter eines Schülers von ihm verguckt. Dummerweise ist sie Witwe, nein sogar zweifache Witwe. Das geht in den Augen des Papas und des Heiratsvermittler ist natürlich überhaupt nicht. Und tatsächlich sagt ihm diese Frau auch ab. Sie gibt ihm deutlichst zu verstehen, dass sie nicht heiraten will. Sodann beginnt die Suche nach einer andere Braut und die ist wunderschön und auch total lieb. Aber dem Bräutigam geht diese etwas ältere Frau nicht aus dem Sinn. Er will sie ein letztes Mal sehen und fordert sie auf ihm in die Augen zu sagen, dass sie nichts von ihm will und ihn nicht heiraten will.

Und jetzt kommt diese Szene, Sie sitzen sich gegenüber und die Frau zieht ihre Perücke vom Kopf. Schaue dir meine Haare an. Sie sind schon grau. Da und da. Eigentlich wollte die Frau den jungen Mann abschrecken. Aber es passiert jetzt genau das Gegenteil. Er liebt sie noch mehr. Er liebt jedes graue Haar an ihr.

Ich weiß nicht wie die Geschichte ausgeht. Aber ich habe an dieser Szene gesehen, was Liebe wirklich ist. Dass man jede Falte des Partners, der Partnerin liebt.

Mich erinnert das auch an die Begegnung Jesu heute mit der Sünderin.

Hat keiner dich verurteilt? Auch ich verurteile dich nicht.

Sehr wahrscheinlich hat diese Frau Schuld auf sich geladen. Die wurde nicht grundlos vor Jesus hingezerrt. Jesus war ja Rabbi und somit auch irgendwie Richter.

Der einzige, der Grund hätte, unser Richter zu sein, hat sich entschieden unser Liebhaber zu sein. (Marion Buchheister)

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Prophetenmord im Kloster

Heuer im Herbst erscheinen die neuen Lektionare. – Das sind die großen Bücher aus denen wir immer in der Heiligen Messe die Lesungen aus der Bibel vortragen. Dann in der Einheitsübersetzung 2016. Ich muss sagen, dass ich mich drauf freue. Das Schriftbild ist modern und leserlich. Die Übersetzung näher am ursprünglichen Text (Hebräisch und Griechisch).

Wir lesen ja Sonntag für Sonntag aus dem Lektionar (im Dreijahresrythmus) und auch werktags gibt es entsprechende Texte (im Zweijahresrythmus). Mit dem 1. Adventsonntag beginnt dann nach dem jetzigen Markusjahr das Jahr des Evangelisten Lukas (Lesejahr C).

Abgesehen von verschiedenen Festen, wechselt die Lesung also Jahr für Jahr. Der Grund dafür liegt im 2. Vatikanischen Konzil. Zitat aus dem Text über den Gottesdienst:

„Auf dass den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet wird, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so dass innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden.“ (SC 51)

Und die dann geschaffene Leseordnung hat dann eben den Vorteil, dass man die Schrift besser kennenlernt. Das man vielleicht auch animiert wird, zu Hause mal weiter zu lesen.

Heiliger Benedikt von Nursia - gesegnet

In den letzten zwei Wochen haben wir in Admont mehrere kleine und große Propheten getötet. Natürlich ist kein Blut geflossen. Aber da waren so kleine und große Gedenktage, die man gefeiert hat und jedes Mal hat man dann die Texte des Tagesheiligen genommen. Prophet Amos – tot. Prophet Jesaja – tot.

Die Priester und Laien halten oft nicht viel von dieser fortlaufenden Lesung und durchbrechen sie.

Das hat was damit zu tun, dass man sich vom Schriftwort nicht anstecken lassen will. Dass man lieber einen blumigen Jesaja hört, statt einem kantigen Text, der mich doch viel eher zum Nachdenken bringt.

Ich möchte heute eine Lanze brechen für die kleinen Propheten. Für die vielen Kapitel in den Paulusbriefen und den großen Propheten, die wir noch nicht gehört haben.

Der Leser sagt ja immer nach dem Vortrag „Wort des lebendigen Gottes.“ Das Wort ist wirkmächtig. Da tut sich was. Da geht was weiter in meiner Beziehung zu Gott.

Ich muss zugeben, vielleicht ist das mein Steckenpferd.

Oder besser: Vielleicht will der Herrgott, dass ich darauf besonders hinweise und diesen Aspekt unseres Glaubens so vertiefe. Vielleicht ist das mein Weg zu Gott, dass ich tagtäglich die Lesungen des Tages betrachte und dieses Wort Gottes an mir wirkt.

Sind wir nicht Christen? Hat nicht jeder von uns seine eigene Berufung, sich in der Kirche und der Welt einzusetzen.

Und sagen Sie jetzt nicht, was soll ich schon tun. Ich bin alt. Mich mag keiner.

Zitat Philippus heute im Evangelium: „ein Bub hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!“

Das wenige ist eine ganze Menge und verändert das Gesicht unserer Erde. Amen.

Fatimawallfahrt mit P. Johannes

Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten
Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten – eine katholische Disziplin, die jeder Protestant und jeder Liturgieprofessor (außer Pater Bernhard OCist) verabscheut und die mich zum Herrn führt.

Heute hielt Dr. Pater Johannes Aichinger OSB bei der Fatimawallfahrt (2018-03-13) in Admont eine intelligente und fromme Predigt. Das Schöne an solchen regelmäßigen Wallahrten ist, dass man jedes Monat einen anderen Prediger hört, der sich ganz anders an das Thema herantastet. Und am schönsten ist es natürlich, wenn der Prediger sich auf die Gottesmutter Maria, liturgische Texte des Tages und aktuelle Zeitgeschehnisse gleichermaßen einlässt. Das ist Pater Johannes heute voll gelungen.

Ungefähre Wiedergabe der Predigt:

Heute vor fünf Jahren wurde der Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt. Einen Tag nach seiner Wahl ging Papst Franziskus zur Basilika Santa Maria Maggiore zum Gnadenbild der Muttergottes „Salus populi Romani“. Dieses Gnadenbild soll schon unter Papst Gregor dem Großen in Prozession durch die Stadt Rom getragen worden sein. Maria als „Salus populi“ – als Heil des Volkes.
In diesen Tagen traf ich einen Mann, der mir gesagt hat dass ihn die Wirklichkeit immer wieder aufdeckt. Ich sehe im Alltag, wer ich bin. Ähnlich ging es Maria im verborgenen Leben von Nazareth. „Inmitten der Kochtöpfe und Pfannen wird man heilig.“ (Teresa von Avila) Maria hat als Hausfrau Gott erfahren. Die Küche steht für die Bedürfnisse des Leibes. Die Wirklichkeit schmeckt nach Brot. Maria hat sich selbst erfahren. Im Alltag zeigt sich für sie, wer sie ist. Im Alltag zeigt sich, wer ich bin. 30 Jahre verbrachte Jesus in der Verborgenheit von Nazareth. Dabei hat auch er sich selbst und Gottes Wirklichkeit erfahren. Das ist die Schule von Nazareth. Auch als Tekton (Übersetzung aus dem Griechischen: „Erbauer“ oder auch „Handwerker“) hat er im Beruf seines Vaters Erfahrungen gesammelt. Alles waren Erfahrungen für sein späteres öffentliches Wirken. Jesus hat den Gott des Lebens erfahren und eben diesen schenkt er an den Lahmen weiter. (vgl. Evangelium vom Dienstag der 4. Woche in der Quadragesmia).
Am Sabbat hat er den Gott des Lebens gefeiert und so war’s für ihn selbstverständlich dass er am Sabbat jemanden heilt und damit zum Leben bringt.

Blumenschmuck Stift Admont, Danke Josef
die Admonter Madonna

Heiligkeit sehen wir als ein Tun, aber auch als ein Zulassen = die Bereitschaft sich zu öffnen. Die Liebe Gottes macht uns zu Heiligen. Im Evangelium wird der Gelähmte geheilt, weil er die Heilung zulässt. Jesus fragt ihn ja vorher: „Willst du gesund werden?“
Der Fluss im Propheten Ezechiel ist ein Symbol der Fülle beziehungsweise des Lebens. Wohin er kommt, bleibt alles beim Leben. Lassen wir die Fülle der Liebe Gottes in unserem Leben zu – so wie Maria es getan hat.

Meine Predigt vor einem Monat war natürlich um einiges länger. (Predigt 13. Feber 2018 in Admont). Ich predigt in der letzten Zeit sowieso immer länger.

verwandte Links bzw. Quellen:

Texte des Tages
Ein oder zwei Gedanken hat der Prediger aus dem Buch „Ermes Ronchi: Die nackten Fragen des Evangeliums“

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alltagstaugliche Kirchenlehrerinnen

Heilige Hildegard von BingenIn dieser Fastenzeit predige ich vor allem über die vier Kirchenlehrerinnen. Teresa von Avila und und Hildegard von Bingen haben eine Gemeinsamkeit: Sie blieben nicht in ihrem Kloster, wo sie dann in ihrer Verzückung etwas niedergeschrieben haben, sondern sie waren „bei de Loit“. <— wie man so schön sagt. Hildegard ist von Fürstenhof zu Fürstenhof gezogen und hat den weltlichen und geistlichen Herren ordentlich die Meinung gesagt. Teresa hat unzählige Orte in Spanien besucht, wo sie sich persönlich um ihre neuen Klosterniederlassungen gekümmert hat. Und gerade Teresa ist als Kirchenlehrerin alltagstauglich. Wie hält es an, wie überlebt unser Glaube im Alltag. Das erfahren wir bei Teresa gerade in ihren Anleitungen zum Gebet.
Teresa gibt uns drei Punkte mit auf den Weg:
Innerlichkeit, Demut und Wirksamkeit.
Ein Gebet erfordert Nachdenken. Mit wem rede ich eigentlich? Mit Gott oder einem Sklaven? Schreibe ich IHM nicht zu oft vor, Gott, mach das so. 
Kann man so mit einer Majestät reden?

Die Seele kann sich Christum den Herrn vergegenwärtigen, und sich gewöhnen, seine heilige Menschheit recht innig zu lieben, stets mit ihm zu wandeln, mit ihm zu reden, ihm ihre Bedürfnisse vorzutragen, ihm ihre Widerwärtigkeiten zu klagen. Man braucht hierzu keine besonderen Gebetlein, sondern man spricht nur solche Worte, die dem inneren Verlangen und den Bedürfnissen entsprechen.

ganze Predigt am vergangenen Sonntag
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