alltagstaugliche Kirchenlehrerinnen

Heilige Hildegard von BingenIn dieser Fastenzeit predige ich vor allem über die vier Kirchenlehrerinnen. Teresa von Avila und und Hildegard von Bingen haben eine Gemeinsamkeit: Sie blieben nicht in ihrem Kloster, wo sie dann in ihrer Verzückung etwas niedergeschrieben haben, sondern sie waren „bei de Loit“. <— wie man so schön sagt. Hildegard ist von Fürstenhof zu Fürstenhof gezogen und hat den weltlichen und geistlichen Herren ordentlich die Meinung gesagt. Teresa hat unzählige Orte in Spanien besucht, wo sie sich persönlich um ihre neuen Klosterniederlassungen gekümmert hat. Und gerade Teresa ist als Kirchenlehrerin alltagstauglich. Wie hält es an, wie überlebt unser Glaube im Alltag. Das erfahren wir bei Teresa gerade in ihren Anleitungen zum Gebet.
Teresa gibt uns drei Punkte mit auf den Weg:
Innerlichkeit, Demut und Wirksamkeit.
Ein Gebet erfordert Nachdenken. Mit wem rede ich eigentlich? Mit Gott oder einem Sklaven? Schreibe ich IHM nicht zu oft vor, Gott, mach das so. 
Kann man so mit einer Majestät reden?

Die Seele kann sich Christum den Herrn vergegenwärtigen, und sich gewöhnen, seine heilige Menschheit recht innig zu lieben, stets mit ihm zu wandeln, mit ihm zu reden, ihm ihre Bedürfnisse vorzutragen, ihm ihre Widerwärtigkeiten zu klagen. Man braucht hierzu keine besonderen Gebetlein, sondern man spricht nur solche Worte, die dem inneren Verlangen und den Bedürfnissen entsprechen.

ganze Predigt am vergangenen Sonntag
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dem Teufel links und rechts eine runter hauen

Heiliger Gallus
heiliger Gallus

Seit zwölf Jahren bin ich schon Mönch in Admont und inzwischen fängt man an (wie so ein alter Mönch halt), nostalgisch zu werden. Das waren noch Zeiten, als so viele junge Brüder im Haus waren. Vielleicht geht es Ihnen auch so, wenn Sie an frühere, „bessere“ Zeiten denken: Als die Kirchen noch voll waren, das Geld noch etwas wert und die Probleme weniger; als man die Kinder noch öfters gesehen hat, man noch nicht fremd im eigenen Ort war oder die Leute noch hilfsbereit waren.
Paradiesische Zustände könnte man sich da wünschen. In der ersten Lesung am Sonntag wird das Paradies beschrieben mit vielen Bäumen „verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten“. (Genesis 2,9) Diese Urschuld des Menschen, dass er mit dem, was ihm zukommt, nicht zufrieden ist, bringt ihm schließlich den Rausschmiss aus dem Garten Eden. Wobei Unzufriedenheit doch nicht automatisch eine Sünde ist. Ich finde Leute so wichtig, die sich nicht zufrieden geben. Da geht es dann darum, dass sie sich mit dem Schlechten in der Welt nicht abfinden. Und wie kreativ da manche Menschen sind, das macht mir Mut: Da ist der Lehrer, der Hilfstransporte nach Rumänien organisiert, die Pensionistin die Flüchtlingen Deutsch beibringt, die Hospizbewegung, die den Sterbenden beisteht, die Bauernfamilie, die sich um den einsamen Nachbarn kümmert, der Chorleiter, der aus den zum Teil älteren Sängern noch was rausholt, die Arbeitskollegin, die geduldig zuhört, der Kumpane, der den Trauernden tröstet, der Papa, der sich auch mal um die Kinder kümmert und viele positive Beispiele mehr…
Nein, das Reich Gottes liegt nicht hinter uns. Es liegt vor uns. Und wir sind Gottes Mitarbeiter, damit es sichtbar wird.
Also bin ich nicht traurig, über das was mal gewesen ist, sondern baue mit, wenn Abt Gerhard und Bischof Wilhelm neue Pfade mit uns einschlagen.
„Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ (2. Korinther 6,2)
Man kann gerne in seiner bequemen Wohnung hocken bleiben. Oder man kann dem Teufel links und rechts eine runter hauen, indem man Gutes tut, ein Lächeln weiter schenkt und so das Reich Gottes ein bisschen mehr sichtbar macht.
Übrigens hat Gott auch daran gedacht, dass Adam und Eva nicht zurück in den Garten Eden gehen können. Vorsorglich hat er mal eben Kerubim und loderndes Flammenschwert an den Eingang gestellt. (vgl. Genesis 3,24)

Reimpredigt 2017

cropped-img_0855.jpgEin Mönch in Admont tut viel beten,
doch zählt er nicht zu den Asketen.

Wir geben uns zwar Essenratschläge,
doch sind wir dann aus anderem Gepräge.

Die Stiftsküche kocht uns die besten Sachen,
da kannst du ´ne Diät nicht machen.

Sankt Benedikt sagt uns „alles mit Maß“,
ich diesen Ausspruch oft vergaß.

Übrigens sag´ ich heut´ jedem Kirchgänger:
Das Messgewand wird auch immer enger.

OK, ich hab ein Bäuchlein vom vielen Essen,
hab auch die Bewegung dabei vergessen.

Was soll man essen, was ist zu meiden,
darum, sagt Jesus, geht´s den Heiden.

Ja soll ich als Mönchlein ungesund leben
und gar nix auf gesundes Essen geben?

Zumindest wird mir durchs Evangelium klar,
das Reich Gottes ist nicht durchs Essen umsetzbar.

Jesus zeigt auf Blumen und Tieren
und will uns so seinen Lebensstil präsentieren.

Hier sind im Vorteil Bauer oder Naturkundlér,
denn ihnen fällt der Vergleich nicht schwer.

So kann ich Pflanzen und Tiere hegen und pflegen,
doch das erste Wachstum muss ein anderer geben.

Dem Bauern ist das herzlich egal,
kommt höchstens zur Messe im Jahr zweimal.

Es ist der Herrgott, der uns geschaffen:
Den Baum, die Raupe oder auch den Affen.

All die Schönheit der weiten Welt
hat seinen Ursprung nicht im Geld.

Ich kann noch so rackern und ackern und probieren.
Doch die Kraft zum Wachsen kann ich nicht simulieren.

ER ist es, der das Leben schafft,
mir Atem gibt und wieder Kraft.

Und wie der Vogel kann nach oben steigen,
so ist die Freiheit dem Menschen eigen.

Der Mehrwert des Menschen wird hier klar:
Seine Freiheit macht ihn so kostbar.

Gott will es so und sperrt uns nicht ein,
kein Käfig, kein Halsband stört unser Sein.

Wir sind eben keine Marionetten
oder von ihm irgendwelche traurigen Kletten.

Gott tut uns nicht als hässliches Etwas einstufen:
Zur Freiheit und Schönheit sind wir berufen.

Frei wie ein Vogel können wir die Lüfte erklimmen
oder wie ein Fisch in die tiefste Tiefe schwimmen.

Jetzt denkst du vielleicht, warum sind Mönche dann eingesperrt,
warum darf ein Pfarrer nicht heiraten? Ist das nicht verkehrt?

Freiheit ist im christlichen Sinn
für etwas Gutes der Beginn.

Eine Ehepaar, eine Mutter, ein Vater,
haben auch ihre Verpflichtung und Bindung wie ein Pater.

Ein echter Seelsorger muss auch deren Nöte kennen
und nicht nur sudern und die eigenen benennen.

Abt Gerhard und seine Mönche quälen viele Sorgen.
Sie müssen halt denken auch an morgen.

Wer wird der nächste Pfarrer hier?
Und was hat der Abt denn vor mit mir?

Keine Angst, wir tun es euch rechtzeitig mitteilen.
Da ist soviel zu tun, man müsst´ sich zerteilen.

Doch können wir nur mit Gott gewinnen,
wobei wir uns auf unsern Grundauftrag besinnen

Gebet und Arbeit hat Benedikt uns aufgetragen,
seine Schuld eingestehen und es immer wieder neu wagen.

Alles zu Gottes größeren Ehre,
dann geht mein Leben nicht ins Leere.

Und zum Schluss möcht´ ich Rosegger zitieren
und damit etwas Gutes in uns aktivieren:

Arm ist nicht wer wenig hat,
sondern viel braucht, (der wird niemals satt.)

Liebe Lilien von Unterlaussa / Altenmarkt, tut eure Schönheit nicht verstecken,
sondern entdeckt eure Gotteskindschaft, die ihr empfangen habt im Taufbecken.

verwandte Links:
Reimpredigt 2017 von Allotria catholica
Faschingspredigt 2016
Faschingspredigt 2015
reimmaschine.de (nützliches Hilfsmittel)
Lesungen vom 8. Sonntag im Jahreskreis A
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Nimm das Kind und seine Mutter

GottesmutterPassend zum Evangelium feiert die Kirche den 01. Jänner als Hochfest der Gottesmutter Maria. Und da wir in diesen Tagen öfters aus der Kindheitsgeschichte Jesu hören, hallt auch der Auftrag des Engels in unseren Ohren nach:

Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter… (Mt 2,13)

Ein recht einfacher Auftrag, der mich zum Jahreswechsel immer wieder fasziniert und begleitet und sich hoffentlich einprägt.

verwandter Link:

Lesungen zum Fest der Heiligen Familie (Lesejahr A)
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Schwerter zu Pflugscharen

Letzte Woche gab es in Israel zahlreiche Waldbrände. Inzwischen sind die Feuer gelöscht. Das Schlimme daran war, dass viele Menschen im Internet ihre Freude über diese Katastrophe zum Ausdruck brachten. Und da hat tatsächlich auch einer meiner Facebook-Freunde gepostet: Gott möge die Juden verbrennen – jetzt und im Jenseits (in der Hölle). Ich war schockiert. Habe etwas dagegen drunter geschrieben. Man kann doch Menschen nicht den Tod wünschen und was wäre das für ein Gott? Der Kerl hat meinen Kommentar erst mal gelikt und mir dann ne Privatnachricht geschrieben. Inzwischen hat er tatsächlich alle seine Hasspostings gelöscht und will sich mit mir treffen.

Bundesarchiv Bild 183-1990-1029-014, Erfurt, vor Kaserne, "Schwerter zu Pflugscharen"Ich will den Mann nicht bekehren. Ich weiß auch gar nicht, ob es möglich ist, so einen abgrundtiefen Hass, der in die Seelen junger Kinder eingepflanzt wurde, wieder raus zu bekommen. Die heutige Lesung aus Jesaja vertraut darauf, dass man dieses System des Hasses, der Gewalt, wo nur der Stärkere siegt, dass man dieses System überwinden kann.

Heute kämpft man nicht mehr mit Schwertern; und Pflugscharen gibt es zwar noch, aber die sehen heute auch anders aus als vor 2.500 Jahren.

Über 1,7 Billionen US-Dollar werden jährlich weltweit in die Rüstung gesteckt. Mit Hass kann man also richtig viel Geld verdienen.

Und dann gibt es aber noch ein Schwert, dass jeder von uns hat. Es ist das Schwert des Wortes. Ich kann den andern damit verletzen. Genauso kann ich das Schwert aber auch gegen mich selbst wenden, wenn ich mich nicht mag und sich mein Hass gegen mich selbst wendet.

Der Prophet redet von Pflugscharen. Das ist etwas Produktives. Da kann was wachsen, wenn die Erde vom Pflug gelockert wurde. Nutzen wir diese Adventzeit für etwas Gutes. Rüsten wir ab, wenn es um unsere eigenen Waffen geht – die Waffen gegen den, den ich nicht mag und die Waffen gegen mich. Machen wir was Produktives.

(Auf Frieden sinnen, bei sich beginnen)

selbstverständlich

Wenn ein Brite sein fünf Wodka an der Bar des all-inklusive-Hotels bestellt, ist es für ihn selbstverständlich, dass er das kleine Wörtchen „please“ hinterherschiebt. (Ich rede jetzt nicht von der Masse der breiten Briten, sondern von der breiten Masse der Briten.)

Wenn Sebastian Kurz von der Europäischen Union redet, dann ist das europäische Projekt für ihn eine Selbstverständlichkeit.

  • Heute im Evangelium geht es auch um Selbstverständlichkeiten. Im Guten wie im Bösen. Es ist doch selbstverständlich, dass die Samariter, die israelischen Wallfahrer hassen.
  • Es ist selbstverständlich, dass die Donnersöhne den Samaritern Hagel und Feuer wünschen.

Und dann sind da so moralische Gebote, gegen die doch eigentlich keiner was haben kann:

  • Es ist doch selbstverständlich, dass man seine nächsten Angehörigen bestattet.
  • Es ist doch selbsterverständlich, dass man sich, wenn man länger oder für immer weg ist, von seinen Lieben verabschiedet.

In diesem kurzen Evangelium wird die Radikalität des Evangeliums deutlich. Radikal im Sinne des lateinischen Wortes „radix“ – Wurzel.

HeiligenblutAlles wird ausgerichtet am Reich Gottes. Es geht nicht darum, dass ich jetzt mal eben Lust auf Nächsten- und Gottesliebe habe, sondern das ist mir so in Fleisch und Blut übergangen, dass ich gar nicht anders kann.

So wie die Samariter und Juden sich gegenseitig gehasst haben, kann ich gar nicht anders, ich muss meinen Mitmenschen lieben. Diesem selbstverständlichen Hass setzen wir die selbstverständliche Liebe gegenüber. Oder der selbstverständliche Gottvergessenheit setzen wir den selbstverständlichen Gottesdienst gegenüber.

 Nichts anderes ist es übrigens, wenn man aus den Sakramenten lebt. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes. Wir sind durch IHN geprägt und haben Christus Jesus angezogen. Ja dann verhalten wir uns halt auch so. Das heißt, wir sind frei in unserm Handeln, nicht gezwungen, aber geprägt. 

Nicht Jammern, sondern Klagen

Lamenting Peter - Sagrada Familia - Barcelona 2014In seinem jüngsten Podcast bricht Bayern 2 eine Lanze für das Klagen. Vielleicht ist es letztlich eine Spitzfindigkeit von irgendwelchen Philosophen, zwischen diesen beiden Wörtern einen Unterschied zu machen und ich weiß nicht, ob jeder Mensch die verschiedenen Nuancen beim Hörern und Sprechen wahrnimmt. Während der Jammernde um sich selbst kreist, spricht der Klagende tatsächliches Unrecht an. Während der Jammernde keine Lösung braucht, sondern einfach nur Mitleid erhaschen will, möchte der Klagende eine Veränderung und benennt sie auch entsprechend.

Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Dtn 26,7

Dieser Aufschrei des erwählten Volkes wird in der morgigen Lesung erwähnt. Der Gottesfürchtige jammert nicht, er klagt. Preiset den HERRN, der auf Unsre Klage hört.

verwandter Link:

Podcast Radio Wissen Bayern 2

Meine aktuellen Fastenlinks:

Fundamenta Duodecim schreibt, was Fastenzeit ist. 

Meine Aschermittwochspredigt habe ich hier geklaut.