Verzeihen, verbinden, verschnaufen

Pfarrhofkapelle St. GallenIn Altenmarkt durfte ich am Christi Himmelfahrtstag eine Bittprozession begrüßen. Diese Form des Gebetes ist in unserem Pfarrverband durchaus üblich: Ortschaften am Rande der Gemeinde ziehen in einer kleinen Prozession den Rosenkranz betend gemeinsam zum Gottesdienst. Am Kirchenportal werden sie dann vom Priester mit Weihwasser besprengt und eventuell in der Messe auch noch mal extra begrüsst, wenn – ja wenn – sie noch da sind… Da gibt es tatsächlich einige, die vorne in die Kirche einziehen und sofort die Kirche wieder hinten verlassen. Sie fliehen vor dem  Priester, der Kirche und dem Wort Gottes. Sie halten es keine 45 Minuten im Gotteshaus aus. Nix wie raus.
Ein ähnliches Bild gibt es bei den Begräbnissen. Man versammelt sich vor der Kirche. Da findet am Sarg oder bei der Urne ein kurzes Gebet statt. Dann ziehen alle in die Kirche zur Feier des Requiems <— könnte man meinen. Aber dann gibt es auch hier einige, die die Kirche gleich wieder verlassen. „Ich wurde gesehen und habe meine Schuldigkeit getan,“ so werden sich diese Leute vielleicht denken. Bleiben und Ausharren ist nicht ihr Ding.
Natürlich kann mir jetzt jemand sagen, „Herr, Kaplan, reg’ dich nicht auf, es gibt Schlimmeres.“
Was mich daran so stört und (fast) in Rage bringt, ist die Tatsache, dass man sich ein frommes Denkmäntelchen gibt, das Geschenk des Glaubens aber nicht annimmt.
Bleiben und Ausharren ist nicht unbedingt typisch in Zeiten wie diesen. Gerade vor und nach dem Fest Christi Himmelfahrt hören wir immer wieder von Jesus Christus, dass er bei uns bleibt. Dieses Bleiben ist charakteristisch für uns Christen. Wir sind kein kurzer Gesäusesturm, der schnell wieder vergeht, sondern wir sind gekommen um zu bleiben.
Doch wie stellt man das an? Wie kann man in der Gemeinschaft ausharren?

drei Wörter mit V sollen uns dabei helfen:

Verzeihen: Man kann nicht bleiben, wenn man immer im Groll gegen sich und andere ist. Man muss jeden Tag verzeihen. Eine Ehe daher keine drei Jahre, wenn man nicht im Verzeihen geübt ist. Wie wichtig Vergebung ist, wird auch beim Martyrium des heiligen Stefanus deutlich. Bevor er stirbt, betet er für seine Mörder: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Ein christliches Martyrium ist nichts wert, wenn der Getötete Hass in sich trägt. Gerade das Gebet für den anderen, der mir Böses tut, ist ein erster und wichtiger Schritt, damit ich Verzeihen kann. Der Geist Gottes schenkt uns Vergesslichkeit gegenüber den Schwächen und Fehlern der anderen.

Verbinden: In der Osterzeit hören wir immer wieder wie innig Jesus verbunden ist mit seinem Vater. Er ist nicht nur der gehorsame Gottesknecht, sondern auch der geliebte Sohn beim Vater. Vater und Sohn sind eins. Diese Einheit ist uns aufgetragen. Oft wird (in der Politik oder sonstwo) ein Spaltung herbeigeredet. Es wird so getan, als ob eh schon alles den Bach runter geht und niemand mehr in Harmonie zusammenfindet. Der Christ ist beauftragt auch anderen zu helfen, die Spaltungen zu überwinden. Der Geist Gottes schenkt uns die Kraft zu verbinden und zu heilen.

Verschnaufen: Egal ob beim Bergsteigen oder Radlfahrn durchs Gesäuse: Die Verschnaufpausen sind oft die schönsten und wichtigsten Momente. Man kann in der Beziehung zum andern nicht durchstarten ohne auch mal einen Abstand zu gewinnen. Dabei kann man von einer anderen Warte aus den (gemeinsam) zurückgelegten Weg anschauen und in sich die Dankbarkeit verspüren. Der Geist Gottes schenkt uns Atem für die Seele und den Leib.

verwandter Artikel:
Mönche, die bleiben (09. Juni 2015)
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Holy Spirit – Our Connecting Link

IMG_3754An einem Frühlingstag bestaunt man die Kraft und Vielfalt der Schöpfung und kann eigentlich nicht wirklich glauben, dass alles nur per Zufall entstanden sein soll. „Evolutionstheorie“ nennt sich das und beschreibt, dass sich die ganze Welt vom Urknall bis zur heutigen Natur entwickelt hat. Von einem zu anderen. Doch zur Gänze nachweisen kann man das immer noch nicht. Deshalb sprachen Wissenschafter oft vom „missing link“. Es fehlte und fehlt manch eine Verbindung zwischen irgendwelchen primitiven Arten und den heutigen Lebewesen. Irgendwann fingen dann die selbstbewussten Forscher an zu glauben, man würde alle Bindeglieder früher oder später eh finden. Somit begannen sie vom „connecting link“ zu sprechen.
Unser Glaube braucht auch solch einen „connecting link“. Eine Verbindung zwischen Gebet und Arbeit, zwischen Theorie und Praxis, zwischen Evangelium und Alltag.
An Christi Himmelfahrt (im Lesejahr des heiligen Lukas – C) hatten wir zwei Lesungen des Evangelisten Lukas auf dem Buffettisch. Da ist das Ende seines Evangeliums und der Beginn der Apostelgeschichte. Und Lukas erwähnt dieses Bindeglied zwischen beidem. Es ist der Heilige Geist. Er ist die Gabe, die wir vom Herrn Jesus empfangen und die uns lebendig macht.
Ich sehe das Evangelium als die Betrachtung des Lebens Jesus durch Matthäus, Markus, Lukas oder Johannes. Und die Apostelgeschichte erzählt von der Urkirche, wie die ersten Christen gelebt haben. Die Betrachtung des Lebens Jesu und die Umsetzung in meinem Leben gehören zusammen und werden zusammengeführt durch den Heiligen Geist.
Beten wir in diesen neun Tagen vor Pfingsten um die Gabe des Heiligen Geistes.

Sanfter Mut

Passion Stiftskirche Admont
Fenster in der Stiftskirche Admont

O wie mir diese alten Wörter auf den Keks gehen. O wie ich diese alten Wörter liebe.

Wir beten jeden Tag aus einer Psalmübersetzung aus den 70ern. Da kommen dann Wörter, die kein junger Mensch heute mehr versteht. Aber dann gibt es Wörter, die passen einfach. So auch das Wort Sanftmut aus der heutigen ersten Lesung. Letztlich wird hier im Buch der Weisheit Jesus Christus beschrieben als sanftes Lamm und zugleich als mutiger Löwe. Solch eine Sanftmut wünsche ich dir und mir.

Und tatsächlich kommt das Wort auch in der Regula Benedicti vor:

Mit der ganzen Sanftmut eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe gebe er unverzüglich Bescheid. (RB 66,4)

So soll der Pförtner auf eine Anfrage reagieren. Und, tja, das ist gar nicht so einfach. Heutzutage gibt es nicht nur eine Glocke, die den Pater ruft, sondern WhatsApp, Weiterlesen „Sanfter Mut“

Der Psalter in der Klosterwand

13 km nördlich von Bad Leonfelden befindet sich das Kloster Vyšší Brod. Auf deutsch: Stift Hohenfurth.

Hohenfurth - Sommerprälatur 1Im letzten Jahrhundert wurde dieses Zisterzienserkloster mehrmals enteignet und aufgelöst: Durch den neuen tschechoslowakischen Staat, durch das Naziregime und dann 1950 durch die Kommunisten. Bei der Wiederbesiedlung 1989/ 1990 fand man beim Einreißen einer Klostermauer die alten Gebetbücher. Dies sah man dann mit einer Selbstverständlichkeit als Wink von Oben an: Gott will, dass wir mit genau diesen Psalterien weiterbeten, mit denen die Mönche bis 1950 gebetet hatten. Und das machen sie bis heute.

Eine ähnliche Geschichte hat sich auch bei den Königen von Israel zugetragen. (siehe 2. Buch der Könige 22) Ein junger König kam an die Macht: Josia. Sein Großvater und sein Vater waren alles andere als gottesfürchtige Könige gewesen. Und jetzt kam er; das Volk hatte ihn mit 8 Jahre auf den Königsthron gesetzt. Und er tat, was dem Herrgott gefiel, obwohl die Generationen vor ihm so gottvergessen waren. Und dann geschah es, dass der Priester des Tempels den Handwerkern das Geld auszahlen sollte. Da griff er tief in die Tempelkasse hinein; die muss sich anscheinend im Mauerwerk befunden haben. Und da bemerkte er in diesem Loch eine Schriftrolle. Er holte sie hervor und man erkannte das Gesetz Gottes wieder.

So wie die Mönche von Hohenfurth oder der König Josia mit dem Volk Israel können auch wir die Heilige Schrift entdecken, sie ist als Maßstab unseres Lebens anlegen und unseren Alltag und Feiertag nach ihr ausrichten.

Preiset den HERRN, der zu uns spricht.

Lobpreisbenediktiner

Dr. Johannes Hartl gibt in diesem 24min Video wertvolle Tipps, wie man beim Gebet durchstartet. Bei den ersten vier Punkten bin ich als Benediktiner voll bei ihm und glaube sie auch in der Regel und im Leben unseres Ordensvaters zu finden. Mit dem fünften Punkt tue ich mir dann etwas schwerer.
Seine Punkte:
(1) da sein, (2) Glaube, (3) Lobpreis, (4) belebt durch das Wort, (5) Sprachengebet

1. da sein: Dr. Johannes beschreibt es so: „Ich bin so da, wie ich bin, einfach mal da sein. Einfach sich ein paar Augenblicke nehmen, um da zu sein.“
Wir Benediktiner nennen das „Habitare in secum

2. Glaube ist Fokus
: Hebr 11 schreibt über den Glauben; Gott ist hier ein Belohner für die, die auf ihn warten; man muss glauben, dass er auf uns wartet und uns belohnt; es zählt für ihn, was wir tun; er sieht mich jetzt; er belohnt es und schätzt es, dass wir jetzt da sind. Glaube ist Fokus. Weiterlesen „Lobpreisbenediktiner“

4 mal Engel des Herrn

Das Angelusgebet (1857-1859) von Jean-François Millet

3 mal am Tag laden die Glocken katholischer Kirchen zum Angelus (Engel des Herrn) ein. In Admont z.B. läuten die Glocken um 06:00 Uhr, um 12:00 Uhr und um 18:00 Uhr. Wir Mönche beten den Angelus aber nur einmal am Tag zusammen, nämlich um 12:15 Uhr vor unserem eigentlichen Mittagsgebet. Morgens hingegen sind wir um 06:00 Uhr noch in der Betrachtung (die frommen Mönche) oder unter der Dusche (die reinlichen Mönche) und am Abend singen wir während des Glockengeläutes meist gerade das Magnificat aus der der Vesper. Das Magnificat ist ja auch marianisch, von daher passt es eh.
Schon oft war ich in meinem Leben in dieser bescheidenen Situation, dass die Glocken geläutet haben, ich mit vielen Katholiken zusammen saß und wir eben keinen Angelus gebetet haben;  meistens war das in irgendeiner unheimlich wichtigen Sitzung.
Die letzten Tage habe ich gleich vier mal mit unterschiedlichsten Leuten den „Engel des Herrn“ gebetet:

  • Mit meinem Pfarrer, der mich gerade bekocht hatte.
  • Mit Christen aus ganz Österreich habe ich den Engel des Herrn in der Stiftskirche gesungen.
  • Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Altenmarkt weist mich am Ende des Bibelgesprächs auf die Kirchenglocken hin (in Altenmarkt um 20:00 Uhr) und wir beten.
  • Weihbischof Scharl von Wien steht in unserm Gästeflur auf weitere Gäste wartend und lädt uns um 12:00 Uhr ein zu beten.

Gelobt sei der Herr, der von Maria geboren wurde.