Predigt noch mal aufgewärmt

Stift Admont am 13. Jänner 2017. Schnee fasst weg.

Ich geb es zu, man ist als Priester versucht, seine alte Predigt noch mal zu halten. So nach dem Motto, die Leute haben das eh noch nicht gehört oder es wieder vergessen. Und doch ist das Wort Gottes kraftvoll und es wirkt und gerade wir Priester müssen wieder und wieder damit schwanger gehen. So habe ich mich halt noch mal hingesetzt und doch eine neue Sonntagspredigt geschrieben. Zum Lobe Gottes.

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Denkt mir auch an die kleinen Feste

Hochfest des heiligen Thomas BecketDas Schöne am Mönchsein und Priestersein sind natürlich auch die vielen kleinen Feste, die wir auf das Jahr verteilt feiern. Da sind eben nicht nur Ostern, Weihnachten und Allerheiligen, sondern auch Hedwig (16.10.), Ulrich (04.07.) oder die Freunde Jesu (29.07). Und da erheben wir mal eben den heiligen Thomas Becket und feiern ein kleines Hochfest. Es ist so schön katholisch zu sein.

Allmächtiger Gott, du hast dem heiligen Thomas Becket Starkmut und Tapferkeit geschenkt,
so dass er sein Leben für Recht und Gerechtigkeit hingab.
Gib auch uns die Bereitschaft,
unser Leben in dieser Welt
um Christi willen zu verlieren,
damit wir es wieder finden im Himmel.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. (Quelle)

Längst vergangene Jahrhunderte scheinen so in der Liturgie und im Erzählen der Heiligenlegenden auf. Menschen, die in ihrer Zeit Gefahren und Nöte erlebten, bilden mit uns die eine Kirche Jesu Christi. Zum Lobe Gottes.

Gelobt sei die Zeit, in der die Kirche nicht gegendert hat

cropped-img_0855.jpgBeim gestrigen Hymnus zum Fest des heiligen Bischofs Nikolaus ist mir aufgefallen, wie einfach, klar und verständlich die Sprache der Kirche sein kann:

Sie geben Zeugnis, / reden unerschrocken,
 stärken die Schwachen, / sammeln die Zerstreuten, 
lehren in Vollmacht, / helfen ihren Brüdern,
 dich zu bekennen.

Im Gegensatz dazu mal ein Satz aus dem „Zukunftsbild der Katholischen Kirche Steiermark“:

Darüber hinaus üben die unterschiedlichen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger (Priester, Diakone, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten) spezifische Rollen aus, um Prozesse in Gang zu setzen und zu begleiten, z.B. als Seelsorgerinnen und Seelsorger, geistliche Begleiterinnen und Begleiter, theologische Fachberaterinnen und – berater, Projektentwicklerinnen und -entwickler, Pionierinnen und Pioniere, Konfliktmoderatorinnen und -moderatoren, Ehrenamtsbegleiterinnen und -begleiter, Gründerinnen und Gründer.

Gibt es wirklich Christen, die sich da wieder finden?

ehrlich atheistisch auf dem Land

SubiacoEs begegnen uns in der ersten Schulwoche vor allem die Kinder bei den unzähligen Schulgottesdiensten in der Steiermark. Am Montag hatte ich in einer Dorfkirche eine besondere Begegnung. Man versucht halt die Kinder ein bisschen einzubinden. „Bei eurer Taufe“, so fing ich an, „wurde wahrscheinlich genau dieses Evangelium vorgelesen, das ihr gerade gehört habt.“ (Mk 10,13ff) Darauf ein Mädchen in der ersten Reihe: „Ich bin nicht getauft.“
Ich hatte meine Kinderbibel in der Hand und fragte, wer denn auch eine Kinderbibel hätte. Und einige Kinder meldeten sich auch. Eine meinte, ihre Mutter hätte eine… Und dann habe ich den Kindern erklärt, dass viele Menschen in der Bibel von Gott erzählen und das sie sich IHN jeweils anders vorstellen. Der eine sieht IHN als starken Kämpfer, der andere als kleines Kind in der Krippe… Wieder meldete sich das Mädchen: „Oder sie denken, es gibt keine Gott.“
Das hätte ich vielleicht in irgendeiner Wiener Volksschule erwartet. Aber doch nicht hier. Aber zum Trost: Die fröhlichen Glaubenslieder hat das nicht getaufte Mädchen dann umso kräftiger mitgesungen.

Herr, ich bitte Dich heute Abend besonders für alle Ungetauften, für alle, die niemanden haben, der ihnen von Dir erzählt. Schenke ihnen Deine Wärme und Dein Licht, dass  sie glauben, wo es keiner mehr wagt.

update 14. November 2017: Das Mädchen will getauft werden und wird noch im November getauft. Zum Lobe Gottes.

Die Tapferkeit des Priesters

Opferlichter in der Stiftskirche AdmontWas ist ein Priester? Was ist ein Seelsorger? Jeder kennt vielleicht das Idealbild eines Pfarrers, das er seit seiner Kindheit oder Jugend hat. Der französische Schriftsteller Victor Hugo zeichnet 1862 einen Bischof, der heiligmäßiger nicht sein könnte. Und er ist nicht gerade in eine rosige Zeit hineingeboren. Laut Autor gabe es damals auch kaum Priesternachwuchs in den kleinen Diözesen. So schreibt Hugo: Die Alten um ihn herum „glichen ihm, außer, dass sie am Ende waren, er aber vollendet.“

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 4. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Er wusste, wann es zu schweigen galt und wann er sprechen musste. O wunderbarer Tröster. Er versuchte nicht den Schmerz durch Vergessen zu mildern, sondern durch die Hoffnung zu adlen. Ihm durch Hoffnung Würde zu verleihen. Seine Worte waren: Gebt acht, wie ihr euch der Toten zuwendet; schaut nicht auf das, was verwest. Schaut hin und ihr seht das lebendige Licht eures geliebten Toten in der Tiefe des Himmels. Er wusste, dass Glaube gesund ist.

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 6. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Das ist der Unterschied: Die Tür des Arztes darf nie verschlossen sein, die des Priesters muss immer geöffnet sein. Es gibt die Tapferkeit des Priesters und es gibt die Tapferkeit des Obersten der Dragoner. Nur muss die Tapferkeit des Priesters eine Tapferkeit im Stillen sein.

verwandte Links:
Pfarrer Hubert Thiel (mein einstiger Heimatpfarrer)

meine Sonntagspredigt (27. Aug. 2017)
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Vogelgezwitscher zur Wandlung

St. Gallen in der Steiermark, Ostern 2016Freitags in de Früh hab ich in St. Gallen weder Mesner noch Ministrant. Das ist eine der wenigen Messen in de Woch, wo keine Glocken zur Wandlung erklingt. Umsomehr freue ich mich in diesem herrlich grünen Frühsommer, wenn man die Vögel außen hört und sie zur Wandlung ihr Gezwitscher besonders kräftig in den Himmel rufen. Ois zur größeren Ehre Gottes.