ehrlich atheistisch auf dem Land

SubiacoEs begegnen uns in der ersten Schulwoche vor allem die Kinder bei den unzähligen Schulgottesdiensten in der Steiermark. Am Montag hatte ich in einer Dorfkirche eine besondere Begegnung. Man versucht halt die Kinder ein bisschen einzubinden. „Bei eurer Taufe“, so fing ich an, „wurde wahrscheinlich genau dieses Evangelium vorgelesen, das ihr gerade gehört habt.“ (Mk 10,13ff) Darauf ein Mädchen in der ersten Reihe: „Ich bin nicht getauft.“
Ich hatte meine Kinderbibel in der Hand und fragte, wer denn auch eine Kinderbibel hätte. Und einige Kinder meldeten sich auch. Eine meinte, ihre Mutter hätte eine… Und dann habe ich den Kindern erklärt, dass viele Menschen in der Bibel von Gott erzählen und das sie sich IHN jeweils anders vorstellen. Der eine sieht IHN als starken Kämpfer, der andere als kleines Kind in der Krippe… Wieder meldete sich das Mädchen: „Oder sie denken, es gibt keine Gott.“
Das hätte ich vielleicht in irgendeiner Wiener Volksschule erwartet. Aber doch nicht hier. Aber zum Trost: Die fröhlichen Glaubenslieder hat das nicht getaufte Mädchen dann umso kräftiger mitgesungen.

Herr, ich bitte Dich heute Abend besonders für alle Ungetauften, für alle, die niemanden haben, der ihnen von Dir erzählt. Schenke ihnen Deine Wärme und Dein Licht, dass  sie glauben, wo es keiner mehr wagt.

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Die Tapferkeit des Priesters

Opferlichter in der Stiftskirche AdmontWas ist ein Priester? Was ist ein Seelsorger? Jeder kennt vielleicht das Idealbild eines Pfarrers, das er seit seiner Kindheit oder Jugend hat. Der französische Schriftsteller Victor Hugo zeichnet 1862 einen Bischof, der heiligmäßiger nicht sein könnte. Und er ist nicht gerade in eine rosige Zeit hineingeboren. Laut Autor gabe es damals auch kaum Priesternachwuchs in den kleinen Diözesen. So schreibt Hugo: Die Alten um ihn herum „glichen ihm, außer, dass sie am Ende waren, er aber vollendet.“

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 4. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Er wusste, wann es zu schweigen galt und wann er sprechen musste. O wunderbarer Tröster. Er versuchte nicht den Schmerz durch Vergessen zu mildern, sondern durch die Hoffnung zu adlen. Ihm durch Hoffnung Würde zu verleihen. Seine Worte waren: Gebt acht, wie ihr euch der Toten zuwendet; schaut nicht auf das, was verwest. Schaut hin und ihr seht das lebendige Licht eures geliebten Toten in der Tiefe des Himmels. Er wusste, dass Glaube gesund ist.

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 6. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Das ist der Unterschied: Die Tür des Arztes darf nie verschlossen sein, die des Priesters muss immer geöffnet sein. Es gibt die Tapferkeit des Priesters und es gibt die Tapferkeit des Obersten der Dragoner. Nur muss die Tapferkeit des Priesters eine Tapferkeit im Stillen sein.

verwandte Links:
Pfarrer Hubert Thiel (mein einstiger Heimatpfarrer)

meine Sonntagspredigt (27. Aug. 2017)
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Vogelgezwitscher zur Wandlung

St. Gallen in der Steiermark, Ostern 2016Freitags in de Früh hab ich in St. Gallen weder Mesner noch Ministrant. Das ist eine der wenigen Messen in de Woch, wo keine Glocken zur Wandlung erklingt. Umsomehr freue ich mich in diesem herrlich grünen Frühsommer, wenn man die Vögel außen hört und sie zur Wandlung ihr Gezwitscher besonders kräftig in den Himmel rufen. Ois zur größeren Ehre Gottes.

Der micht atmen lässt, bist du lebendiger Gott.

Kapuzinerkloster IrdningAb und zu suchen wir Priester auch die besondere Einkehr. Die fanden wir am 09. März 2017 im Kapuzinerkloster Irdning. Bruder Rudolf begleitete uns durch den Tag, den wir vor allem in Stille verbrachten. Zu Beginn erzählte jeder Priester von seiner momentanen Situation, vom Schönen und Klitzernden, das in manch kantigem Stein verborgen ist.
In einer Stilleübung machte uns Bruder Rudolf auf unsern Atem aufmerksam; dann erinnerte er uns daran, wie der Herrgott den heiligen Franziskus beauftragte:

Als Franziskus einige Tage nachher an der Kirche S. Damiano vorbeiging, wurde ihm im Geiste gesagt, er solle zum Beten hineingehen. Er betrat die Kirche und begann innig vor einem Bild des Gekreuzigten zu beten, das ihn liebevoll und gütig ansprach, indem es sagte: „Franziskus, siehst du nicht, daß mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stelle es mir wieder her!“ Zitternd und staunend sprach Franziskus: „Gerne, Herr, will ich es tun“. Er meinte nämlich, dass sich das Wort auf jene Kirche S. Damiano beziehe, der ihres sehr hohen Alters wegen ein baldiger Einsturz drohte. Jene Anrede aber erfüllte ihn mit so großer Freude und erleuchtete ihn mit so hellem Licht, dass er Christus den Gekreuzigten, der zu ihm gesprochen, wahrhaft in seinem Herzen fühlte. (Dreigefährtenlegende V 13)

So ist Berufung. Sie ist ein Geschenk und es geht vor allem darum, dass die FREUDE am HERRN in unser Herz einzieht. Und da ist es wie beim Atmen; ich kann nichts dafür tun. es geschieht einfach. Der gekreuzigte Heiland begegnet uns in unserm Herzen. Eine echte Herzensbegegnung.

Kapuzinerkloster IrdningWir genossen die Stille und die edle Einfachheit des Kapuzinerklosters.

In der heiligen Messe bekamen wir vom Dechanten Pfarrer Andreas Lechner ein wenig Nachhilfe in Physik: Arbeit = Kraft * Weg (Goldene Regel der Mechanik). Diese beiden wichtigen Faktoren dürfen wir bei unserer Arbeit im Weinberg des HERRN nicht vergessen. Die Kraft ist der Heilige Geist, der Lebensatem… Der Weg ist Jesus Christus.

Nachher gab es Kürbissuppe und Gemüsestrudel bei Haydnmusik. Danke an Bruder Rudolf für den wirklich gelungenen Einkehrtag. Preiset den HERRN, der uns still sein lässt.

Kapuzinerkloster Irdning

Lied „der mich atmen lässt“ auf youtube (Melodie: Beate Bendel, Text: Anton Rotzetter OFMCap)
Goldene Regel der Mechanik
Texte der Messfeier am Donnerstag der 1. Woche in der Fastenzeit
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Zelebration am Meer

2016-08-01 10.20.34Schon immer habe ich davon geträumt Richtung Meer zu zelebrieren. In meinem heurigen Sommerurlaub ging dieser Wunsch in Erfüllung. Ich hatte Balkon mit Meerblick und was gibt es Schöneres, als den Herrn am Meer zu lobpreisen?

Gerade hat mich Pater Thomas gefragt, was ich alles gesehen hätte. Ich muss zugeben, ich habe die meiste Zeit einfach nur am Strand verbracht; in die Weite schauend, die Wellen hörend und Sonne und Wind im Gesicht.

Am Schönsten waren natürlich die Sonnenuntergänge. Der Ostseeurlauber zelebriert das. Man steht am Meer, der eine mit Tschik, der andere mit einem Glas Wein wieder ein anderer mit einer Staffelei in den Händen. Und irgendwo dazwischen: ich mit meinem Stundenbuch in der Hand.

Wie groß ist deine Güte, die du bereithältst denen, die dich fürchten, die du denen erweist, die sich bei dir bergen vor den Menschen. (Psalm 31,20)