Prophetenmord im Kloster

Heuer im Herbst erscheinen die neuen Lektionare. – Das sind die großen Bücher aus denen wir immer in der Heiligen Messe die Lesungen aus der Bibel vortragen. Dann in der Einheitsübersetzung 2016. Ich muss sagen, dass ich mich drauf freue. Das Schriftbild ist modern und leserlich. Die Übersetzung näher am ursprünglichen Text (Hebräisch und Griechisch).

Wir lesen ja Sonntag für Sonntag aus dem Lektionar (im Dreijahresrythmus) und auch werktags gibt es entsprechende Texte (im Zweijahresrythmus). Mit dem 1. Adventsonntag beginnt dann nach dem jetzigen Markusjahr das Jahr des Evangelisten Lukas (Lesejahr C).

Abgesehen von verschiedenen Festen, wechselt die Lesung also Jahr für Jahr. Der Grund dafür liegt im 2. Vatikanischen Konzil. Zitat aus dem Text über den Gottesdienst:

„Auf dass den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet wird, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so dass innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden.“ (SC 51)

Und die dann geschaffene Leseordnung hat dann eben den Vorteil, dass man die Schrift besser kennenlernt. Das man vielleicht auch animiert wird, zu Hause mal weiter zu lesen.

Heiliger Benedikt von Nursia - gesegnet

In den letzten zwei Wochen haben wir in Admont mehrere kleine und große Propheten getötet. Natürlich ist kein Blut geflossen. Aber da waren so kleine und große Gedenktage, die man gefeiert hat und jedes Mal hat man dann die Texte des Tagesheiligen genommen. Prophet Amos – tot. Prophet Jesaja – tot.

Die Priester und Laien halten oft nicht viel von dieser fortlaufenden Lesung und durchbrechen sie.

Das hat was damit zu tun, dass man sich vom Schriftwort nicht anstecken lassen will. Dass man lieber einen blumigen Jesaja hört, statt einem kantigen Text, der mich doch viel eher zum Nachdenken bringt.

Ich möchte heute eine Lanze brechen für die kleinen Propheten. Für die vielen Kapitel in den Paulusbriefen und den großen Propheten, die wir noch nicht gehört haben.

Der Leser sagt ja immer nach dem Vortrag „Wort des lebendigen Gottes.“ Das Wort ist wirkmächtig. Da tut sich was. Da geht was weiter in meiner Beziehung zu Gott.

Ich muss zugeben, vielleicht ist das mein Steckenpferd.

Oder besser: Vielleicht will der Herrgott, dass ich darauf besonders hinweise und diesen Aspekt unseres Glaubens so vertiefe. Vielleicht ist das mein Weg zu Gott, dass ich tagtäglich die Lesungen des Tages betrachte und dieses Wort Gottes an mir wirkt.

Sind wir nicht Christen? Hat nicht jeder von uns seine eigene Berufung, sich in der Kirche und der Welt einzusetzen.

Und sagen Sie jetzt nicht, was soll ich schon tun. Ich bin alt. Mich mag keiner.

Zitat Philippus heute im Evangelium: „ein Bub hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!“

Das wenige ist eine ganze Menge und verändert das Gesicht unserer Erde. Amen.

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Bergmessen im Juli 2018

Gleich zwei Mal durfte ich in die Berge, um dort eine Heilige Messe zu Feiern. Am 13. Juli war ich beim ÖAV-Lager im Triebental und am 21. Juli auf der Kroisnalm (unterhalb der Ennstaler Hütte). Da kommen dann Leute in die Messe, die sonst nie kommen, aber auch auf viele bekannte Gesichter trifft man.

der Pater und seine Buttermilch
nie ohne meine Buttermilch

Almmesse Kroisnalm

Heiliger Arjen und heiliger Liam

Bei den Namen, die Eltern ihren Kindern geben, schaue ich vor der Taufe immer, ob es denn auch irgendeinen Heiligen gibt, der so oder ähnlich heißt. Natürlich werde ich immer fündig. Am Heiligenkalender orientieren sich die Eltern natürlich meistens wenig. Da geht es dann eher um berühmte Sängerinnen, Schauspieler oder Sportler. So durfte ich etwa vor drei Jahren einen Arjen taufen oder am Samstag einen Liam. Ich habe dann mal die heutigen Stars mit den Heiligen verglichen. Gegenüber den Heiligen sind sie dann doch vergleichsweise Leichtgewichte.

 Arjen Adrianus von Nikomedien Liam william Taufe

Fatimawallfahrt mit P. Johannes

Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten
Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten – eine katholische Disziplin, die jeder Protestant und jeder Liturgieprofessor (außer Pater Bernhard OCist) verabscheut und die mich zum Herrn führt.

Heute hielt Dr. Pater Johannes Aichinger OSB bei der Fatimawallfahrt (2018-03-13) in Admont eine intelligente und fromme Predigt. Das Schöne an solchen regelmäßigen Wallahrten ist, dass man jedes Monat einen anderen Prediger hört, der sich ganz anders an das Thema herantastet. Und am schönsten ist es natürlich, wenn der Prediger sich auf die Gottesmutter Maria, liturgische Texte des Tages und aktuelle Zeitgeschehnisse gleichermaßen einlässt. Das ist Pater Johannes heute voll gelungen.

Ungefähre Wiedergabe der Predigt:

Heute vor fünf Jahren wurde der Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt. Einen Tag nach seiner Wahl ging Papst Franziskus zur Basilika Santa Maria Maggiore zum Gnadenbild der Muttergottes „Salus populi Romani“. Dieses Gnadenbild soll schon unter Papst Gregor dem Großen in Prozession durch die Stadt Rom getragen worden sein. Maria als „Salus populi“ – als Heil des Volkes.
In diesen Tagen traf ich einen Mann, der mir gesagt hat dass ihn die Wirklichkeit immer wieder aufdeckt. Ich sehe im Alltag, wer ich bin. Ähnlich ging es Maria im verborgenen Leben von Nazareth. „Inmitten der Kochtöpfe und Pfannen wird man heilig.“ (Teresa von Avila) Maria hat als Hausfrau Gott erfahren. Die Küche steht für die Bedürfnisse des Leibes. Die Wirklichkeit schmeckt nach Brot. Maria hat sich selbst erfahren. Im Alltag zeigt sich für sie, wer sie ist. Im Alltag zeigt sich, wer ich bin. 30 Jahre verbrachte Jesus in der Verborgenheit von Nazareth. Dabei hat auch er sich selbst und Gottes Wirklichkeit erfahren. Das ist die Schule von Nazareth. Auch als Tekton (Übersetzung aus dem Griechischen: „Erbauer“ oder auch „Handwerker“) hat er im Beruf seines Vaters Erfahrungen gesammelt. Alles waren Erfahrungen für sein späteres öffentliches Wirken. Jesus hat den Gott des Lebens erfahren und eben diesen schenkt er an den Lahmen weiter. (vgl. Evangelium vom Dienstag der 4. Woche in der Quadragesmia).
Am Sabbat hat er den Gott des Lebens gefeiert und so war’s für ihn selbstverständlich dass er am Sabbat jemanden heilt und damit zum Leben bringt.

Blumenschmuck Stift Admont, Danke Josef
die Admonter Madonna

Heiligkeit sehen wir als ein Tun, aber auch als ein Zulassen = die Bereitschaft sich zu öffnen. Die Liebe Gottes macht uns zu Heiligen. Im Evangelium wird der Gelähmte geheilt, weil er die Heilung zulässt. Jesus fragt ihn ja vorher: „Willst du gesund werden?“
Der Fluss im Propheten Ezechiel ist ein Symbol der Fülle beziehungsweise des Lebens. Wohin er kommt, bleibt alles beim Leben. Lassen wir die Fülle der Liebe Gottes in unserem Leben zu – so wie Maria es getan hat.

Meine Predigt vor einem Monat war natürlich um einiges länger. (Predigt 13. Feber 2018 in Admont). Ich predigt in der letzten Zeit sowieso immer länger.

verwandte Links bzw. Quellen:

Texte des Tages
Ein oder zwei Gedanken hat der Prediger aus dem Buch „Ermes Ronchi: Die nackten Fragen des Evangeliums“

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Predigt noch mal aufgewärmt

Stift Admont am 13. Jänner 2017. Schnee fasst weg.

Ich geb es zu, man ist als Priester versucht, seine alte Predigt noch mal zu halten. So nach dem Motto, die Leute haben das eh noch nicht gehört oder es wieder vergessen. Und doch ist das Wort Gottes kraftvoll und es wirkt und gerade wir Priester müssen wieder und wieder damit schwanger gehen. So habe ich mich halt noch mal hingesetzt und doch eine neue Sonntagspredigt geschrieben. Zum Lobe Gottes.

Denkt mir auch an die kleinen Feste

Hochfest des heiligen Thomas BecketDas Schöne am Mönchsein und Priestersein sind natürlich auch die vielen kleinen Feste, die wir auf das Jahr verteilt feiern. Da sind eben nicht nur Ostern, Weihnachten und Allerheiligen, sondern auch Hedwig (16.10.), Ulrich (04.07.) oder die Freunde Jesu (29.07). Und da erheben wir mal eben den heiligen Thomas Becket und feiern ein kleines Hochfest. Es ist so schön katholisch zu sein.

Allmächtiger Gott, du hast dem heiligen Thomas Becket Starkmut und Tapferkeit geschenkt,
so dass er sein Leben für Recht und Gerechtigkeit hingab.
Gib auch uns die Bereitschaft,
unser Leben in dieser Welt
um Christi willen zu verlieren,
damit wir es wieder finden im Himmel.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. (Quelle)

Längst vergangene Jahrhunderte scheinen so in der Liturgie und im Erzählen der Heiligenlegenden auf. Menschen, die in ihrer Zeit Gefahren und Nöte erlebten, bilden mit uns die eine Kirche Jesu Christi. Zum Lobe Gottes.

Gelobt sei die Zeit, in der die Kirche nicht gegendert hat

cropped-img_0855.jpgBeim gestrigen Hymnus zum Fest des heiligen Bischofs Nikolaus ist mir aufgefallen, wie einfach, klar und verständlich die Sprache der Kirche sein kann:

Sie geben Zeugnis, / reden unerschrocken,
 stärken die Schwachen, / sammeln die Zerstreuten, 
lehren in Vollmacht, / helfen ihren Brüdern,
 dich zu bekennen.

Im Gegensatz dazu mal ein Satz aus dem „Zukunftsbild der Katholischen Kirche Steiermark“:

Darüber hinaus üben die unterschiedlichen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger (Priester, Diakone, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten) spezifische Rollen aus, um Prozesse in Gang zu setzen und zu begleiten, z.B. als Seelsorgerinnen und Seelsorger, geistliche Begleiterinnen und Begleiter, theologische Fachberaterinnen und – berater, Projektentwicklerinnen und -entwickler, Pionierinnen und Pioniere, Konfliktmoderatorinnen und -moderatoren, Ehrenamtsbegleiterinnen und -begleiter, Gründerinnen und Gründer.

Gibt es wirklich Christen, die sich da wieder finden?