Fatimawallfahrt mit P. Johannes

Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten
Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligsten – eine katholische Disziplin, die jeder Protestant und jeder Liturgieprofessor (außer Pater Bernhard OCist) verabscheut und die mich zum Herrn führt.

Heute hielt Dr. Pater Johannes Aichinger OSB bei der Fatimawallfahrt (2018-03-13) in Admont eine intelligente und fromme Predigt. Das Schöne an solchen regelmäßigen Wallahrten ist, dass man jedes Monat einen anderen Prediger hört, der sich ganz anders an das Thema herantastet. Und am schönsten ist es natürlich, wenn der Prediger sich auf die Gottesmutter Maria, liturgische Texte des Tages und aktuelle Zeitgeschehnisse gleichermaßen einlässt. Das ist Pater Johannes heute voll gelungen.

Ungefähre Wiedergabe der Predigt:

Heute vor fünf Jahren wurde der Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt. Einen Tag nach seiner Wahl ging Papst Franziskus zur Basilika Santa Maria Maggiore zum Gnadenbild der Muttergottes „Salus populi Romani“. Dieses Gnadenbild soll schon unter Papst Gregor dem Großen in Prozession durch die Stadt Rom getragen worden sein. Maria als „Salus populi“ – als Heil des Volkes.
In diesen Tagen traf ich einen Mann, der mir gesagt hat dass ihn die Wirklichkeit immer wieder aufdeckt. Ich sehe im Alltag, wer ich bin. Ähnlich ging es Maria im verborgenen Leben von Nazareth. „Inmitten der Kochtöpfe und Pfannen wird man heilig.“ (Teresa von Avila) Maria hat als Hausfrau Gott erfahren. Die Küche steht für die Bedürfnisse des Leibes. Die Wirklichkeit schmeckt nach Brot. Maria hat sich selbst erfahren. Im Alltag zeigt sich für sie, wer sie ist. Im Alltag zeigt sich, wer ich bin. 30 Jahre verbrachte Jesus in der Verborgenheit von Nazareth. Dabei hat auch er sich selbst und Gottes Wirklichkeit erfahren. Das ist die Schule von Nazareth. Auch als Tekton (Übersetzung aus dem Griechischen: „Erbauer“ oder auch „Handwerker“) hat er im Beruf seines Vaters Erfahrungen gesammelt. Alles waren Erfahrungen für sein späteres öffentliches Wirken. Jesus hat den Gott des Lebens erfahren und eben diesen schenkt er an den Lahmen weiter. (vgl. Evangelium vom Dienstag der 4. Woche in der Quadragesmia).
Am Sabbat hat er den Gott des Lebens gefeiert und so war’s für ihn selbstverständlich dass er am Sabbat jemanden heilt und damit zum Leben bringt.

Blumenschmuck Stift Admont, Danke Josef
die Admonter Madonna

Heiligkeit sehen wir als ein Tun, aber auch als ein Zulassen = die Bereitschaft sich zu öffnen. Die Liebe Gottes macht uns zu Heiligen. Im Evangelium wird der Gelähmte geheilt, weil er die Heilung zulässt. Jesus fragt ihn ja vorher: „Willst du gesund werden?“
Der Fluss im Propheten Ezechiel ist ein Symbol der Fülle beziehungsweise des Lebens. Wohin er kommt, bleibt alles beim Leben. Lassen wir die Fülle der Liebe Gottes in unserem Leben zu – so wie Maria es getan hat.

Meine Predigt vor einem Monat war natürlich um einiges länger. (Predigt 13. Feber 2018 in Admont). Ich predigt in der letzten Zeit sowieso immer länger.

verwandte Links bzw. Quellen:

Texte des Tages
Ein oder zwei Gedanken hat der Prediger aus dem Buch „Ermes Ronchi: Die nackten Fragen des Evangeliums“

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Predigt noch mal aufgewärmt

Stift Admont am 13. Jänner 2017. Schnee fasst weg.

Ich geb es zu, man ist als Priester versucht, seine alte Predigt noch mal zu halten. So nach dem Motto, die Leute haben das eh noch nicht gehört oder es wieder vergessen. Und doch ist das Wort Gottes kraftvoll und es wirkt und gerade wir Priester müssen wieder und wieder damit schwanger gehen. So habe ich mich halt noch mal hingesetzt und doch eine neue Sonntagspredigt geschrieben. Zum Lobe Gottes.

Denkt mir auch an die kleinen Feste

Hochfest des heiligen Thomas BecketDas Schöne am Mönchsein und Priestersein sind natürlich auch die vielen kleinen Feste, die wir auf das Jahr verteilt feiern. Da sind eben nicht nur Ostern, Weihnachten und Allerheiligen, sondern auch Hedwig (16.10.), Ulrich (04.07.) oder die Freunde Jesu (29.07). Und da erheben wir mal eben den heiligen Thomas Becket und feiern ein kleines Hochfest. Es ist so schön katholisch zu sein.

Allmächtiger Gott, du hast dem heiligen Thomas Becket Starkmut und Tapferkeit geschenkt,
so dass er sein Leben für Recht und Gerechtigkeit hingab.
Gib auch uns die Bereitschaft,
unser Leben in dieser Welt
um Christi willen zu verlieren,
damit wir es wieder finden im Himmel.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. (Quelle)

Längst vergangene Jahrhunderte scheinen so in der Liturgie und im Erzählen der Heiligenlegenden auf. Menschen, die in ihrer Zeit Gefahren und Nöte erlebten, bilden mit uns die eine Kirche Jesu Christi. Zum Lobe Gottes.

Gelobt sei die Zeit, in der die Kirche nicht gegendert hat

cropped-img_0855.jpgBeim gestrigen Hymnus zum Fest des heiligen Bischofs Nikolaus ist mir aufgefallen, wie einfach, klar und verständlich die Sprache der Kirche sein kann:

Sie geben Zeugnis, / reden unerschrocken,
 stärken die Schwachen, / sammeln die Zerstreuten, 
lehren in Vollmacht, / helfen ihren Brüdern,
 dich zu bekennen.

Im Gegensatz dazu mal ein Satz aus dem „Zukunftsbild der Katholischen Kirche Steiermark“:

Darüber hinaus üben die unterschiedlichen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger (Priester, Diakone, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten) spezifische Rollen aus, um Prozesse in Gang zu setzen und zu begleiten, z.B. als Seelsorgerinnen und Seelsorger, geistliche Begleiterinnen und Begleiter, theologische Fachberaterinnen und – berater, Projektentwicklerinnen und -entwickler, Pionierinnen und Pioniere, Konfliktmoderatorinnen und -moderatoren, Ehrenamtsbegleiterinnen und -begleiter, Gründerinnen und Gründer.

Gibt es wirklich Christen, die sich da wieder finden?

ehrlich atheistisch auf dem Land

SubiacoEs begegnen uns in der ersten Schulwoche vor allem die Kinder bei den unzähligen Schulgottesdiensten in der Steiermark. Am Montag hatte ich in einer Dorfkirche eine besondere Begegnung. Man versucht halt die Kinder ein bisschen einzubinden. „Bei eurer Taufe“, so fing ich an, „wurde wahrscheinlich genau dieses Evangelium vorgelesen, das ihr gerade gehört habt.“ (Mk 10,13ff) Darauf ein Mädchen in der ersten Reihe: „Ich bin nicht getauft.“
Ich hatte meine Kinderbibel in der Hand und fragte, wer denn auch eine Kinderbibel hätte. Und einige Kinder meldeten sich auch. Eine meinte, ihre Mutter hätte eine… Und dann habe ich den Kindern erklärt, dass viele Menschen in der Bibel von Gott erzählen und das sie sich IHN jeweils anders vorstellen. Der eine sieht IHN als starken Kämpfer, der andere als kleines Kind in der Krippe… Wieder meldete sich das Mädchen: „Oder sie denken, es gibt keine Gott.“
Das hätte ich vielleicht in irgendeiner Wiener Volksschule erwartet. Aber doch nicht hier. Aber zum Trost: Die fröhlichen Glaubenslieder hat das nicht getaufte Mädchen dann umso kräftiger mitgesungen.

Herr, ich bitte Dich heute Abend besonders für alle Ungetauften, für alle, die niemanden haben, der ihnen von Dir erzählt. Schenke ihnen Deine Wärme und Dein Licht, dass  sie glauben, wo es keiner mehr wagt.

update 14. November 2017: Das Mädchen will getauft werden und wird noch im November getauft. Zum Lobe Gottes.

Die Tapferkeit des Priesters

Opferlichter in der Stiftskirche AdmontWas ist ein Priester? Was ist ein Seelsorger? Jeder kennt vielleicht das Idealbild eines Pfarrers, das er seit seiner Kindheit oder Jugend hat. Der französische Schriftsteller Victor Hugo zeichnet 1862 einen Bischof, der heiligmäßiger nicht sein könnte. Und er ist nicht gerade in eine rosige Zeit hineingeboren. Laut Autor gabe es damals auch kaum Priesternachwuchs in den kleinen Diözesen. So schreibt Hugo: Die Alten um ihn herum „glichen ihm, außer, dass sie am Ende waren, er aber vollendet.“

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 4. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Er wusste, wann es zu schweigen galt und wann er sprechen musste. O wunderbarer Tröster. Er versuchte nicht den Schmerz durch Vergessen zu mildern, sondern durch die Hoffnung zu adlen. Ihm durch Hoffnung Würde zu verleihen. Seine Worte waren: Gebt acht, wie ihr euch der Toten zuwendet; schaut nicht auf das, was verwest. Schaut hin und ihr seht das lebendige Licht eures geliebten Toten in der Tiefe des Himmels. Er wusste, dass Glaube gesund ist.

Über den Bischof von Digne, M. Myriel, schreibt Victor Hugo im 6. Kapitel seines Romans „Die Elenden“ (französisch: Les Misérables):

Das ist der Unterschied: Die Tür des Arztes darf nie verschlossen sein, die des Priesters muss immer geöffnet sein. Es gibt die Tapferkeit des Priesters und es gibt die Tapferkeit des Obersten der Dragoner. Nur muss die Tapferkeit des Priesters eine Tapferkeit im Stillen sein.

verwandte Links:
Pfarrer Hubert Thiel (mein einstiger Heimatpfarrer)

meine Sonntagspredigt (27. Aug. 2017)
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