Kaplan erwischt

Erstprofess Frater Thiëmo, Stift AdmontHeute nach dem Hochamt sprach mich eine evangelische Christin aus der Krippau an, ob ich denn das Gebetshaus Augsburg kennen würde. Ich war erwischt, hatte ich doch 80 % meiner Predigt von Missionar und Gebetshausleiter Johannes Hartl abgekupfert.

Um dieses Video geht es – es ist so was von empfehlenswert:

Sanfter Mut

Passion Stiftskirche Admont
Fenster in der Stiftskirche Admont

O wie mir diese alten Wörter auf den Keks gehen. O wie ich diese alten Wörter liebe.

Wir beten jeden Tag aus einer Psalmübersetzung aus den 70ern. Da kommen dann Wörter, die kein junger Mensch heute mehr versteht. Aber dann gibt es Wörter, die passen einfach. So auch das Wort Sanftmut aus der heutigen ersten Lesung. Letztlich wird hier im Buch der Weisheit Jesus Christus beschrieben als sanftes Lamm und zugleich als mutiger Löwe. Solch eine Sanftmut wünsche ich dir und mir.

Und tatsächlich kommt das Wort auch in der Regula Benedicti vor:

Mit der ganzen Sanftmut eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe gebe er unverzüglich Bescheid. (RB 66,4)

So soll der Pförtner auf eine Anfrage reagieren. Und, tja, das ist gar nicht so einfach. Heutzutage gibt es nicht nur eine Glocke, die den Pater ruft, sondern WhatsApp, Weiterlesen „Sanfter Mut“

Der Psalter in der Klosterwand

13 km nördlich von Bad Leonfelden befindet sich das Kloster Vyšší Brod. Auf deutsch: Stift Hohenfurth.

Hohenfurth - Sommerprälatur 1Im letzten Jahrhundert wurde dieses Zisterzienserkloster mehrmals enteignet und aufgelöst: Durch den neuen tschechoslowakischen Staat, durch das Naziregime und dann 1950 durch die Kommunisten. Bei der Wiederbesiedlung 1989/ 1990 fand man beim Einreißen einer Klostermauer die alten Gebetbücher. Dies sah man dann mit einer Selbstverständlichkeit als Wink von Oben an: Gott will, dass wir mit genau diesen Psalterien weiterbeten, mit denen die Mönche bis 1950 gebetet hatten. Und das machen sie bis heute.

Eine ähnliche Geschichte hat sich auch bei den Königen von Israel zugetragen. (siehe 2. Buch der Könige 22) Ein junger König kam an die Macht: Josia. Sein Großvater und sein Vater waren alles andere als gottesfürchtige Könige gewesen. Und jetzt kam er; das Volk hatte ihn mit 8 Jahre auf den Königsthron gesetzt. Und er tat, was dem Herrgott gefiel, obwohl die Generationen vor ihm so gottvergessen waren. Und dann geschah es, dass der Priester des Tempels den Handwerkern das Geld auszahlen sollte. Da griff er tief in die Tempelkasse hinein; die muss sich anscheinend im Mauerwerk befunden haben. Und da bemerkte er in diesem Loch eine Schriftrolle. Er holte sie hervor und man erkannte das Gesetz Gottes wieder.

So wie die Mönche von Hohenfurth oder der König Josia mit dem Volk Israel können auch wir die Heilige Schrift entdecken, sie ist als Maßstab unseres Lebens anlegen und unseren Alltag und Feiertag nach ihr ausrichten.

Preiset den HERRN, der zu uns spricht.

Lobpreisbenediktiner

Dr. Johannes Hartl gibt in diesem 24min Video wertvolle Tipps, wie man beim Gebet durchstartet. Bei den ersten vier Punkten bin ich als Benediktiner voll bei ihm und glaube sie auch in der Regel und im Leben unseres Ordensvaters zu finden. Mit dem fünften Punkt tue ich mir dann etwas schwerer.
Seine Punkte:
(1) da sein, (2) Glaube, (3) Lobpreis, (4) belebt durch das Wort, (5) Sprachengebet

1. da sein: Dr. Johannes beschreibt es so: „Ich bin so da, wie ich bin, einfach mal da sein. Einfach sich ein paar Augenblicke nehmen, um da zu sein.“
Wir Benediktiner nennen das „Habitare in secum

2. Glaube ist Fokus
: Hebr 11 schreibt über den Glauben; Gott ist hier ein Belohner für die, die auf ihn warten; man muss glauben, dass er auf uns wartet und uns belohnt; es zählt für ihn, was wir tun; er sieht mich jetzt; er belohnt es und schätzt es, dass wir jetzt da sind. Glaube ist Fokus. Weiterlesen „Lobpreisbenediktiner“

4 mal Engel des Herrn

Das Angelusgebet (1857-1859) von Jean-François Millet

3 mal am Tag laden die Glocken katholischer Kirchen zum Angelus (Engel des Herrn) ein. In Admont z.B. läuten die Glocken um 06:00 Uhr, um 12:00 Uhr und um 18:00 Uhr. Wir Mönche beten den Angelus aber nur einmal am Tag zusammen, nämlich um 12:15 Uhr vor unserem eigentlichen Mittagsgebet. Morgens hingegen sind wir um 06:00 Uhr noch in der Betrachtung (die frommen Mönche) oder unter der Dusche (die reinlichen Mönche) und am Abend singen wir während des Glockengeläutes meist gerade das Magnificat aus der der Vesper. Das Magnificat ist ja auch marianisch, von daher passt es eh.
Schon oft war ich in meinem Leben in dieser bescheidenen Situation, dass die Glocken geläutet haben, ich mit vielen Katholiken zusammen saß und wir eben keinen Angelus gebetet haben;  meistens war das in irgendeiner unheimlich wichtigen Sitzung.
Die letzten Tage habe ich gleich vier mal mit unterschiedlichsten Leuten den „Engel des Herrn“ gebetet:

  • Mit meinem Pfarrer, der mich gerade bekocht hatte.
  • Mit Christen aus ganz Österreich habe ich den Engel des Herrn in der Stiftskirche gesungen.
  • Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Altenmarkt weist mich am Ende des Bibelgesprächs auf die Kirchenglocken hin (in Altenmarkt um 20:00 Uhr) und wir beten.
  • Weihbischof Scharl von Wien steht in unserm Gästeflur auf weitere Gäste wartend und lädt uns um 12:00 Uhr ein zu beten.

Gelobt sei der Herr, der von Maria geboren wurde.