Nimm das Kind und seine Mutter

GottesmutterPassend zum Evangelium feiert die Kirche den 01. Jänner als Hochfest der Gottesmutter Maria. Und da wir in diesen Tagen öfters aus der Kindheitsgeschichte Jesu hören, hallt auch der Auftrag des Engels in unseren Ohren nach:

Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter… (Mt 2,13)

Ein recht einfacher Auftrag, der mich zum Jahreswechsel immer wieder fasziniert und begleitet und sich hoffentlich einprägt.

verwandter Link:

Lesungen zum Fest der Heiligen Familie (Lesejahr A)
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Schwerter zu Pflugscharen

Letzte Woche gab es in Israel zahlreiche Waldbrände. Inzwischen sind die Feuer gelöscht. Das Schlimme daran war, dass viele Menschen im Internet ihre Freude über diese Katastrophe zum Ausdruck brachten. Und da hat tatsächlich auch einer meiner Facebook-Freunde gepostet: Gott möge die Juden verbrennen – jetzt und im Jenseits (in der Hölle). Ich war schockiert. Habe etwas dagegen drunter geschrieben. Man kann doch Menschen nicht den Tod wünschen und was wäre das für ein Gott? Der Kerl hat meinen Kommentar erst mal gelikt und mir dann ne Privatnachricht geschrieben. Inzwischen hat er tatsächlich alle seine Hasspostings gelöscht und will sich mit mir treffen.

Bundesarchiv Bild 183-1990-1029-014, Erfurt, vor Kaserne, "Schwerter zu Pflugscharen"Ich will den Mann nicht bekehren. Ich weiß auch gar nicht, ob es möglich ist, so einen abgrundtiefen Hass, der in die Seelen junger Kinder eingepflanzt wurde, wieder raus zu bekommen. Die heutige Lesung aus Jesaja vertraut darauf, dass man dieses System des Hasses, der Gewalt, wo nur der Stärkere siegt, dass man dieses System überwinden kann.

Heute kämpft man nicht mehr mit Schwertern; und Pflugscharen gibt es zwar noch, aber die sehen heute auch anders aus als vor 2.500 Jahren.

Über 1,7 Billionen US-Dollar werden jährlich weltweit in die Rüstung gesteckt. Mit Hass kann man also richtig viel Geld verdienen.

Und dann gibt es aber noch ein Schwert, dass jeder von uns hat. Es ist das Schwert des Wortes. Ich kann den andern damit verletzen. Genauso kann ich das Schwert aber auch gegen mich selbst wenden, wenn ich mich nicht mag und sich mein Hass gegen mich selbst wendet.

Der Prophet redet von Pflugscharen. Das ist etwas Produktives. Da kann was wachsen, wenn die Erde vom Pflug gelockert wurde. Nutzen wir diese Adventzeit für etwas Gutes. Rüsten wir ab, wenn es um unsere eigenen Waffen geht – die Waffen gegen den, den ich nicht mag und die Waffen gegen mich. Machen wir was Produktives.

(Auf Frieden sinnen, bei sich beginnen)

selbstverständlich

Wenn ein Brite sein fünf Wodka an der Bar des all-inklusive-Hotels bestellt, ist es für ihn selbstverständlich, dass er das kleine Wörtchen „please“ hinterherschiebt. (Ich rede jetzt nicht von der Masse der breiten Briten, sondern von der breiten Masse der Briten.)

Wenn Sebastian Kurz von der Europäischen Union redet, dann ist das europäische Projekt für ihn eine Selbstverständlichkeit.

  • Heute im Evangelium geht es auch um Selbstverständlichkeiten. Im Guten wie im Bösen. Es ist doch selbstverständlich, dass die Samariter, die israelischen Wallfahrer hassen.
  • Es ist selbstverständlich, dass die Donnersöhne den Samaritern Hagel und Feuer wünschen.

Und dann sind da so moralische Gebote, gegen die doch eigentlich keiner was haben kann:

  • Es ist doch selbstverständlich, dass man seine nächsten Angehörigen bestattet.
  • Es ist doch selbsterverständlich, dass man sich, wenn man länger oder für immer weg ist, von seinen Lieben verabschiedet.

In diesem kurzen Evangelium wird die Radikalität des Evangeliums deutlich. Radikal im Sinne des lateinischen Wortes „radix“ – Wurzel.

HeiligenblutAlles wird ausgerichtet am Reich Gottes. Es geht nicht darum, dass ich jetzt mal eben Lust auf Nächsten- und Gottesliebe habe, sondern das ist mir so in Fleisch und Blut übergangen, dass ich gar nicht anders kann.

So wie die Samariter und Juden sich gegenseitig gehasst haben, kann ich gar nicht anders, ich muss meinen Mitmenschen lieben. Diesem selbstverständlichen Hass setzen wir die selbstverständliche Liebe gegenüber. Oder der selbstverständliche Gottvergessenheit setzen wir den selbstverständlichen Gottesdienst gegenüber.

 Nichts anderes ist es übrigens, wenn man aus den Sakramenten lebt. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes. Wir sind durch IHN geprägt und haben Christus Jesus angezogen. Ja dann verhalten wir uns halt auch so. Das heißt, wir sind frei in unserm Handeln, nicht gezwungen, aber geprägt. 

Nicht Jammern, sondern Klagen

Lamenting Peter - Sagrada Familia - Barcelona 2014In seinem jüngsten Podcast bricht Bayern 2 eine Lanze für das Klagen. Vielleicht ist es letztlich eine Spitzfindigkeit von irgendwelchen Philosophen, zwischen diesen beiden Wörtern einen Unterschied zu machen und ich weiß nicht, ob jeder Mensch die verschiedenen Nuancen beim Hörern und Sprechen wahrnimmt. Während der Jammernde um sich selbst kreist, spricht der Klagende tatsächliches Unrecht an. Während der Jammernde keine Lösung braucht, sondern einfach nur Mitleid erhaschen will, möchte der Klagende eine Veränderung und benennt sie auch entsprechend.

Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Dtn 26,7

Dieser Aufschrei des erwählten Volkes wird in der morgigen Lesung erwähnt. Der Gottesfürchtige jammert nicht, er klagt. Preiset den HERRN, der auf Unsre Klage hört.

verwandter Link:

Podcast Radio Wissen Bayern 2

Meine aktuellen Fastenlinks:

Fundamenta Duodecim schreibt, was Fastenzeit ist. 

Meine Aschermittwochspredigt habe ich hier geklaut.

Predigt in Reimform – Faschingspredigt 2016

Ancient apostles (1918) (14804681243)Am Faschingssonntag kommt der Kaplan nicht aus,
denn es ist üblich im Gotteshaus:

Die Predigt sei in Reimform vorzutragen!
Ihr könnt euch jetzt derweil schon fragen:

Was wird er heute wieder reimen?
Wird das Gesäte dann auch keimen?

Bringt er uns heute auch zum Lachen
oder hör´n wir diesmal nur ernste Sachen?

Das Problem von Jesus, das hätt´ ich gern!
Zu viele Leute wollten ihn hör´n.

Kein Platz mehr war am Uferstrand;
doch gleich er dort zwei Boote fand.

Jetzt konnten ihn auch alle hör´n.
Auch wir ham diesen Abstand gern;

deshalb sitzt ihr in den letzten Bänken
und lasst euch dort von Gott beschenken.

So geh ich gern mit Weihwasser und Weihrauch nach hinten
und wunder´ mich, wer sich dort lässt finden.

A) Seid gesegnet in St. Gallen
auch im hinteren Teil der heiligen Hallen.
A) Besonders denke ich heute an unser Diamantnes Paar
soviel Treue ist in diesen Zeiten rar.
A) Ihr seid gesellig und hilfsbereit, drum können wir euch besonders leiden.
Gesundheit und Segen wünschen wir euch beiden.

A) So wär´ das Angenehme auch erledigt –
jetzt zurück zu meiner Predigt.

B) Denn in Altenmarkt sitzt man gern unter der Empore
 –
nicht weit entfernt vom Eingangstore.

Auch heute macht uns Jesus Mut, es neu zu wagen
und nicht über den schlechten Fischfang der letzten Zeit zu klagen.

Petrus denkt, „Der HERR braucht bess´re Loit.
Mit mir hat er doch net wirklich e Freud´.“

Doch in dem Moment, wo er so spricht,
da spürt er schon Christus das Licht.

Einen Neuanfang, den darf er wagen,
man braucht nicht mehr über die Scherben klagen.

Gott hat Dich schon ziemlich gut gemacht,
doch dann hat er so bei sich gedacht:

Ich schicke ihnen meinen Sohn, mein bestes Stück
und gebe ihnen so ihre Unschuld zurück.

„Fürchte dich nicht“, so spricht sein Mund.
Er baut auf dich, du bist sein Grund!

Die Depressiven, die Launischen oder die Lahmen,
der Herr erlöst sie. In Ewigkeit. Amen.

Links:

Faschingspredigt 2015

Faschingspredigt 2017

Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis C

Der Psalter in der Klosterwand

13 km nördlich von Bad Leonfelden befindet sich das Kloster Vyšší Brod. Auf deutsch: Stift Hohenfurth.

Hohenfurth - Sommerprälatur 1Im letzten Jahrhundert wurde dieses Zisterzienserkloster mehrmals enteignet und aufgelöst: Durch den neuen tschechoslowakischen Staat, durch das Naziregime und dann 1950 durch die Kommunisten. Bei der Wiederbesiedlung 1989/ 1990 fand man beim Einreißen einer Klostermauer die alten Gebetbücher. Dies sah man dann mit einer Selbstverständlichkeit als Wink von Oben an: Gott will, dass wir mit genau diesen Psalterien weiterbeten, mit denen die Mönche bis 1950 gebetet hatten. Und das machen sie bis heute.

Eine ähnliche Geschichte hat sich auch bei den Königen von Israel zugetragen. (siehe 2. Buch der Könige 22) Ein junger König kam an die Macht: Josia. Sein Großvater und sein Vater waren alles andere als gottesfürchtige Könige gewesen. Und jetzt kam er; das Volk hatte ihn mit 8 Jahre auf den Königsthron gesetzt. Und er tat, was dem Herrgott gefiel, obwohl die Generationen vor ihm so gottvergessen waren. Und dann geschah es, dass der Priester des Tempels den Handwerkern das Geld auszahlen sollte. Da griff er tief in die Tempelkasse hinein; die muss sich anscheinend im Mauerwerk befunden haben. Und da bemerkte er in diesem Loch eine Schriftrolle. Er holte sie hervor und man erkannte das Gesetz Gottes wieder.

So wie die Mönche von Hohenfurth oder der König Josia mit dem Volk Israel können auch wir die Heilige Schrift entdecken, sie ist als Maßstab unseres Lebens anlegen und unseren Alltag und Feiertag nach ihr ausrichten.

Preiset den HERRN, der zu uns spricht.

Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

Der Nachmittag war von dieser schrecklichen Meldung aus Graz geprägt. Das Schlimme an solch einem Unglück ist, dass sich die Welt einfach lustig weiter dreht: Formel 1 in Spielberg, Regenbogenparade in Wien und das übliche Abendprogramm im Fernsehen. Und dazwischen Mal eine ZIB spezial mit dem neuesten Stand der Dinge.
Nein, mögen tue ich das nicht. Da der Tod und da eine sinnentleerte Party.
Um 17:45 Uhr bin ich brav in die Vesper. Hymnusmelodie habe ich hinbekommen (manchmal versinge ich mich), dann die Psalmen, dann die Lesung und dann das Responsorium: Gott danken; für was? dafür dass junge Leute unschuldig sterben und hunderte Mal eben dem Tod ins Gesicht geblickt haben? Und dann das Magnificat. Ein Lobpreis auf unsern Herrgott. So tief und missmutig habe ich dieses Lied noch nie angestimmt. So was von unpassend. Aktuelle Fürbitten sind bei uns auch nicht üblich. Wir beten dann lieber für die Hirten der Kirche und so was…
Dann kam die Komplet. Schon besser habe ich gedacht. Als letzte Gebetszeit des Tages ein bisschen ruhiger und man denkt auch an die Todestunde. Und dann das Schlussgebet der Komplet, in dem wieder dieses unpassende Wort vorkommt: „Freude“.
Nein, ich will mich heute nicht freuen. Ich komme mir natürlich vor, wie die Jünger auf dem Boot, die der Sturmwind fast aus dem Boot schmeißt. Und was macht der HERR? Er schläft! Wir fragen IHN: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Wahrscheinlich steht im Markusevangelium sogar, dass sie Jesus nicht einfach nur „gefragt“ haben, sondern, dass sie IHN angeschrien haben.
Ja, das ist heute Abend eher mein Gebet.

Fürbitten Bitten: – Unsere Gedanken sind bei jenen, die ihre Liebsten gestern in Graz von einer Sekunde auf die nächste verloren haben und bei denen, die noch zittern um viele Leben und bei denen, die um diese Leben kämpfen! – Für alle Menschen, die Stimmung machen gegen Fremde in unserm Land. Für alle, die begründet oder unbegründet Angst haben. – Wir bitten für alle, die körperlich und seelisch krank sind. Besonders für jene Kranken, die keine Hoffnung mehr haben, gesund zu werden.

Texte zum Sonntag (Jahreskreis B, 11. Sonntag im Jahreskreis)