Sich der Gemeinschaft nicht entziehen

Public transportationO, wie habe ich das als Kind gehasst, wenn mein Vater gemeinsam mit uns Abendessen wollte. Und das nicht vor dem Fernseher, sondern am Essenstisch!! Und jetzt bin ich Mönch zwischen Pfarre und Kloster und finde hie und da auch Ausreden an den gemeinsamenen Mahlzeiten teilzunehmen. Man entzieht sich der Gemeinschaft und oft bildet man sich dann auch noch ein, dass es ohne die Brüder besser geht und dass ich sowieso, was besesseres bin.

So will ich mich gerade in den Vierzig Tagen vor Ostern der Gemeinschaft nicht entziehen. Die Korrektur durch Abt und Gemeinschaft ist sicher vom heiligen Benedikt gewollt. Auch und gerade im Kapitel über die Fastenzeit kommt das zum Ausdruck. Da darf es eben keinen persönlichen Heroismus geben; alles muss mit dem Abt abgesprochen sein – auch und gerade die guten Vorsätze. In dieselbe Kerbe schlagen die Mönche von Münsterschwarzach, wenn sie in der Fastenzeit keine Termine außer Haus annehmen dürfen und den Mittwochnachmittag als eine gemeinsam geschenkte Zeit verbringen. Zum Lobe Gottes, denn der Herr hat mir Brüder geschenkt.

Link: Schwester Hannahs Antwort  auf diesen Beitrag

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Der Psalter in der Klosterwand

13 km nördlich von Bad Leonfelden befindet sich das Kloster Vyšší Brod. Auf deutsch: Stift Hohenfurth.

Hohenfurth - Sommerprälatur 1Im letzten Jahrhundert wurde dieses Zisterzienserkloster mehrmals enteignet und aufgelöst: Durch den neuen tschechoslowakischen Staat, durch das Naziregime und dann 1950 durch die Kommunisten. Bei der Wiederbesiedlung 1989/ 1990 fand man beim Einreißen einer Klostermauer die alten Gebetbücher. Dies sah man dann mit einer Selbstverständlichkeit als Wink von Oben an: Gott will, dass wir mit genau diesen Psalterien weiterbeten, mit denen die Mönche bis 1950 gebetet hatten. Und das machen sie bis heute.

Eine ähnliche Geschichte hat sich auch bei den Königen von Israel zugetragen. (siehe 2. Buch der Könige 22) Ein junger König kam an die Macht: Josia. Sein Großvater und sein Vater waren alles andere als gottesfürchtige Könige gewesen. Und jetzt kam er; das Volk hatte ihn mit 8 Jahre auf den Königsthron gesetzt. Und er tat, was dem Herrgott gefiel, obwohl die Generationen vor ihm so gottvergessen waren. Und dann geschah es, dass der Priester des Tempels den Handwerkern das Geld auszahlen sollte. Da griff er tief in die Tempelkasse hinein; die muss sich anscheinend im Mauerwerk befunden haben. Und da bemerkte er in diesem Loch eine Schriftrolle. Er holte sie hervor und man erkannte das Gesetz Gottes wieder.

So wie die Mönche von Hohenfurth oder der König Josia mit dem Volk Israel können auch wir die Heilige Schrift entdecken, sie ist als Maßstab unseres Lebens anlegen und unseren Alltag und Feiertag nach ihr ausrichten.

Preiset den HERRN, der zu uns spricht.

Barmherzigkeit in der Regula Benedicti

Die Regel des heiligen Benedikt erwähnt die Barmherzigkeit an fünf Stellen in seiner Regel wortwörtlich; der Kontext ist immer ein anderer!

RB 4,74: Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.

Kölner Dom im Jahr der Barmherzigkeit-3883Hintergrund: Kapitel 4 zählt die „Werkzeuge der geistlichen Kunst“ auf. Ein Art Engelbert-Strauß-Katalog für die Seele. Es sind 74 Tools (Werkzeuge), die uns der Meister zur Hand gibt. Es handelt sich in dieser Aufzählung nicht um gute Werke, sondern um Instrumente! Dh. die Aszese (wie man es sich für Mönche vielleicht denken könnte) ist nicht das Ziel!! Und eben das letzte Tool ist „an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“.

RB 34,4: Wer mehr braucht, werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit.

Hintergrund: Weiterlesen „Barmherzigkeit in der Regula Benedicti“

Lobpreisbenediktiner

Dr. Johannes Hartl gibt in diesem 24min Video wertvolle Tipps, wie man beim Gebet durchstartet. Bei den ersten vier Punkten bin ich als Benediktiner voll bei ihm und glaube sie auch in der Regel und im Leben unseres Ordensvaters zu finden. Mit dem fünften Punkt tue ich mir dann etwas schwerer.
Seine Punkte:
(1) da sein, (2) Glaube, (3) Lobpreis, (4) belebt durch das Wort, (5) Sprachengebet

1. da sein: Dr. Johannes beschreibt es so: „Ich bin so da, wie ich bin, einfach mal da sein. Einfach sich ein paar Augenblicke nehmen, um da zu sein.“
Wir Benediktiner nennen das „Habitare in secum

2. Glaube ist Fokus
: Hebr 11 schreibt über den Glauben; Gott ist hier ein Belohner für die, die auf ihn warten; man muss glauben, dass er auf uns wartet und uns belohnt; es zählt für ihn, was wir tun; er sieht mich jetzt; er belohnt es und schätzt es, dass wir jetzt da sind. Glaube ist Fokus. Weiterlesen „Lobpreisbenediktiner“

Vox Populi

Old woman in Lahij, Azerbaijan

… Vox Dei. Die Stimme des alten Mütterchen darf nie hinten angestellt werden; was sie und das Volk uns (Priestern) zu sagen haben, ist so was von wichtig. Das habe ich diese Woche wieder auf vielfältige Weise erfahren. Einmal natürlich beim Bibelgespräch in Altenmarkt, wo ich mir mit einer älteren Dame immer kleine Wortgefechte leiste. Aber keine Angst: Zum Schluss umarmen wir uns wieder, denn wir wissen, was wir aneinander haben. Als ich am Mittwoch nach Altenmarkt gefahren bin, dachte ich erst, es ist eh nur ein so kurze Evangelium, was haben wir uns da schon zu sagen; aber meine siebenköpfige Truppe aus Altenmarkt sprudelte nur so von Ideen und Anfragen. Ich merkte einmal mehr, wie machtvoll Gottes Wort im Menschen ist und dass ich als Priester nur ein kleines Werkzeug in der Hand Gottes bin.

Beim Bischofsempfang am Dienstag bereitete ich mich zur vorgerückten Stunde schon innerlich darauf vor, dass ich am Mittwoch in der Früh die Konventmesse halten sollte. Ich wollte das Formular des seligen Kaisers Karl (pdf) verwenden, der bei vielen jüngeren Brüdern besonders verehrt wird. Kaum einen Gedanken verschwendete ich bei der heiligen Ursula. Ich dachte mir, „eh alles nur Legende,… vom seligen Kaiser Karl wissen wir wenigstens etwas…!“ Doch dann stand ich plötzlich beim Empfang mit einer Frau zusammen und sie fing an von der heiligen Ursula zu schwärmen; bei einer Pilgerfahrt durch Deutschland habe sie viel über sie und die Stadt Köln erfahren und es war zu spüren, wie sehr sie die Heilige verehrte.

Am Freitagvormittag (das ist heute!) stand ich unten mit einer Angestellte im Flur und meldete mich bei ihr zum Essen an; ich meinte etwas abwertend: „Zuerst habe ich gedacht ich hätte was besseres zu tun, komme jetzt aber doch zum Essen.“ Darauf sie: „Was gibt´s denn besseres als die brüderliche Gemeinschaft?“ Tja, wenn ich schon nicht auf den heiligen Benedikt und unseren Herrn Abt höre, sollte ich wenigstens auf unsere liebe Angestellte hören!

Da, wo mein kritischer Glaube oft aufhört, fangen viele meiner „Schäfchen“ erst an zu glauben und es ist in ihren Aussagen ein richtiges Feuer zu spüren. Egal, ob ein kurzes, trockenes Markusevangelium, eine Heilige aus dem frühen Mittelalter oder die gemeinsamen Zeiten bei Tisch: Den richtigen Wert der Dinge bringen mir viele Leute bei, die mir von Gott geschickt werden. Gelobt sei der HERR, der durch meine Schwestern zu mir spricht!

gescheitert + gesegnet

Es lebte ein Mann, der führte ein verehrungswürdiges Leben; es war Benediktus, der Gesegnete sowohl der Gnade als auch dem Namen nach …

San Benedetto di Norcia e un fedele milanese. Affresco anonimo del sec. XV, nel transetto sinistro di San Nazaro Maggiore a Milano. Foto di Giovanni Dall’Orto, 5-5-2007.

So beginnt Gregor der Große die Lebensbeschreibung unseres Ordensvaters Benedikt. Wenn man sich das Leben Benedikts & die Geschichte der benediktinischen Orden in den letzten 1.500 Jahren anschaut, muss man wirklich sagen, der Heilige und das, was er mit der Gnade Gottes angestoßen hat, sind gesegnet.

Und doch sind er und seine bedeutenste Gründung Monte Cassino oft genug gescheitert; siehe hier, hier und hier.

Das ist letztlich ein Gesetz unseres Lebens: Man geht kontinuierlich seinen Weg und kann ihn doch oft nicht bis zum Ende gehen. Man legt den Samen und die Ernte fahren dann andere ein. So geht es auch Mose in der heutigen Lesung. Er darf das gelobte Land nicht betreten. Und doch käme keiner auf die Idee Mose oder Benedikt als gescheiterte Menschen zu sehen. Einmal mehr begreife ich, dass der Herrgott immer das Ganze im Blick hat. Gelobt sei der HERR, der unserm Leben durch Mose und Benedikt eine Richtung vorgegeben hat.