Barmherzigkeit in der Regula Benedicti

Die Regel des heiligen Benedikt erwähnt die Barmherzigkeit an fünf Stellen in seiner Regel wortwörtlich; der Kontext ist immer ein anderer!

RB 4,74: Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.

Kölner Dom im Jahr der Barmherzigkeit-3883Hintergrund: Kapitel 4 zählt die „Werkzeuge der geistlichen Kunst“ auf. Ein Art Engelbert-Strauß-Katalog für die Seele. Es sind 74 Tools (Werkzeuge), die uns der Meister zur Hand gibt. Es handelt sich in dieser Aufzählung nicht um gute Werke, sondern um Instrumente! Dh. die Aszese (wie man es sich für Mönche vielleicht denken könnte) ist nicht das Ziel!! Und eben das letzte Tool ist „an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“.

RB 34,4: Wer mehr braucht, werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit.

Hintergrund: Im 34. Kapitel geht es um die „Zuteilung des Notwendigen“. Hier geht es letztlich darum, dass man feinfühlig wird und das, was einem gutes getan wird, auch sieht und als solches annimmt.

 

RB 37,1: Zwar neigt der Mensch schon von Natur aus zu barmherziger Rücksicht auf die Lage der Alten und der Kinder; doch soll auch durch die Autorität der Regel für sie gesorgt sein.

Hintergrund: Es gibt Dinge, die gehören sich einfach so für uns Menschen; und trotzdem muss man hin- und wieder drauf hinweisen.

RB 53,14: Nach der Fußwaschung beten sie den Psalmvers: „Wir haben, o Gott, deine Barmherzigkeit aufgenommen inmitten deines Tempels.“

Hintergrund: Das 53. Kapitel befasst sich mit der Aufnahme von Gästen. An dieser Stelle werden die gastgebenden Brüder angehalten einen Psalm zu beten. Hier wird deutlich, dass der Gottesdienst in der gelebten Diakonie weitergeht.

RB 64,9-13: (Der Abt) muss daher das göttliche Gesetz genau kennen, damit er Bescheid weiß und (einen Schatz) hat, aus dem er Neues und Altes hervorholen kann. Er sei selbstlos, nüchtern, barmherzig.
Immer gehe ihm Barmherzigkeit über strenges Gericht, damit er selbst Gleiches erfahre.
Er hasse die Fehler, er liebe die Brüder.
Muss er aber zurechtweisen, handle er klug und gehe nicht zu weit; sonst könnte das Gefäß zerbrechen, wenn er den Rost allzu heftig auskratzen will.
Stets rechne er mit seiner eigenen Gebrechlichkeit. Er denke daran, dass man das geknickte Rohr nicht zerbrechen darf.

Hintergrund: Alte Weisheit (im Kloster und in der Pfarre?) bzw. Rat an den Abt: Am Ende Deiner Amtzeit/ Deines Lebens lass Dir lieber vorwerfen, dass Du zu milde warst, als dass Du zu streng warst.

an vielen Stellen steht die Barmherzigkeit nicht wortwörtlich, zB:
RB 7,44-48: Die fünfte Stufe der Demut: Der Mönch bekennt demütig seinem Abt alle bösen Gedanken, die sich in sein Herz schleichen, und das Böse, das er im Geheimen begangen hat und er verbirgt nichts.
Dazu ermahnt uns die Schrift mit den Worten: „Eröffne dem Herrn deinen Weg und vertrau auf ihn!“
Sie sagt auch: „Legt vor dem Herrn ein Bekenntnis ab; denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig.“
Ebenso sagt der Prophet: „Mein Vergehen tat ich dir kund, und meine Ungerechtigkeit habe ich dir nicht verborgen.
Ich sagte: Vor dem Herrn will ich gegen mich meine Schuld bekennen, und du hast mir die Bosheit meines Herzens vergeben.“

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