Vox Populi

Old woman in Lahij, Azerbaijan

… Vox Dei. Die Stimme des alten Mütterchen darf nie hinten angestellt werden; was sie und das Volk uns (Priestern) zu sagen haben, ist so was von wichtig. Das habe ich diese Woche wieder auf vielfältige Weise erfahren. Einmal natürlich beim Bibelgespräch in Altenmarkt, wo ich mir mit einer älteren Dame immer kleine Wortgefechte leiste. Aber keine Angst: Zum Schluss umarmen wir uns wieder, denn wir wissen, was wir aneinander haben. Als ich am Mittwoch nach Altenmarkt gefahren bin, dachte ich erst, es ist eh nur ein so kurze Evangelium, was haben wir uns da schon zu sagen; aber meine siebenköpfige Truppe aus Altenmarkt sprudelte nur so von Ideen und Anfragen. Ich merkte einmal mehr, wie machtvoll Gottes Wort im Menschen ist und dass ich als Priester nur ein kleines Werkzeug in der Hand Gottes bin.

Beim Bischofsempfang am Dienstag bereitete ich mich zur vorgerückten Stunde schon innerlich darauf vor, dass ich am Mittwoch in der Früh die Konventmesse halten sollte. Ich wollte das Formular des seligen Kaisers Karl (pdf) verwenden, der bei vielen jüngeren Brüdern besonders verehrt wird. Kaum einen Gedanken verschwendete ich bei der heiligen Ursula. Ich dachte mir, „eh alles nur Legende,… vom seligen Kaiser Karl wissen wir wenigstens etwas…!“ Doch dann stand ich plötzlich beim Empfang mit einer Frau zusammen und sie fing an von der heiligen Ursula zu schwärmen; bei einer Pilgerfahrt durch Deutschland habe sie viel über sie und die Stadt Köln erfahren und es war zu spüren, wie sehr sie die Heilige verehrte.

Am Freitagvormittag (das ist heute!) stand ich unten mit einer Angestellte im Flur und meldete mich bei ihr zum Essen an; ich meinte etwas abwertend: „Zuerst habe ich gedacht ich hätte was besseres zu tun, komme jetzt aber doch zum Essen.“ Darauf sie: „Was gibt´s denn besseres als die brüderliche Gemeinschaft?“ Tja, wenn ich schon nicht auf den heiligen Benedikt und unseren Herrn Abt höre, sollte ich wenigstens auf unsere liebe Angestellte hören!

Da, wo mein kritischer Glaube oft aufhört, fangen viele meiner „Schäfchen“ erst an zu glauben und es ist in ihren Aussagen ein richtiges Feuer zu spüren. Egal, ob ein kurzes, trockenes Markusevangelium, eine Heilige aus dem frühen Mittelalter oder die gemeinsamen Zeiten bei Tisch: Den richtigen Wert der Dinge bringen mir viele Leute bei, die mir von Gott geschickt werden. Gelobt sei der HERR, der durch meine Schwestern zu mir spricht!

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