Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

Der Nachmittag war von dieser schrecklichen Meldung aus Graz geprägt. Das Schlimme an solch einem Unglück ist, dass sich die Welt einfach lustig weiter dreht: Formel 1 in Spielberg, Regenbogenparade in Wien und das übliche Abendprogramm im Fernsehen. Und dazwischen Mal eine ZIB spezial mit dem neuesten Stand der Dinge.
Nein, mögen tue ich das nicht. Da der Tod und da eine sinnentleerte Party.
Um 17:45 Uhr bin ich brav in die Vesper. Hymnusmelodie habe ich hinbekommen (manchmal versinge ich mich), dann die Psalmen, dann die Lesung und dann das Responsorium: Gott danken; für was? dafür dass junge Leute unschuldig sterben und hunderte Mal eben dem Tod ins Gesicht geblickt haben? Und dann das Magnificat. Ein Lobpreis auf unsern Herrgott. So tief und missmutig habe ich dieses Lied noch nie angestimmt. So was von unpassend. Aktuelle Fürbitten sind bei uns auch nicht üblich. Wir beten dann lieber für die Hirten der Kirche und so was…
Dann kam die Komplet. Schon besser habe ich gedacht. Als letzte Gebetszeit des Tages ein bisschen ruhiger und man denkt auch an die Todestunde. Und dann das Schlussgebet der Komplet, in dem wieder dieses unpassende Wort vorkommt: „Freude“.
Nein, ich will mich heute nicht freuen. Ich komme mir natürlich vor, wie die Jünger auf dem Boot, die der Sturmwind fast aus dem Boot schmeißt. Und was macht der HERR? Er schläft! Wir fragen IHN: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Wahrscheinlich steht im Markusevangelium sogar, dass sie Jesus nicht einfach nur „gefragt“ haben, sondern, dass sie IHN angeschrien haben.
Ja, das ist heute Abend eher mein Gebet.

Fürbitten Bitten: – Unsere Gedanken sind bei jenen, die ihre Liebsten gestern in Graz von einer Sekunde auf die nächste verloren haben und bei denen, die noch zittern um viele Leben und bei denen, die um diese Leben kämpfen! – Für alle Menschen, die Stimmung machen gegen Fremde in unserm Land. Für alle, die begründet oder unbegründet Angst haben. – Wir bitten für alle, die körperlich und seelisch krank sind. Besonders für jene Kranken, die keine Hoffnung mehr haben, gesund zu werden.

Texte zum Sonntag (Jahreskreis B, 11. Sonntag im Jahreskreis)

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