Obskurantismus

Edite Estrela nach der Abstimmung zum Estrela-Bericht im EU-Parlament am 10.12.2013:

Ich bedaure es, dass nur mit wenigen Stimmen dieser Obskurantismus und die Heuchelei die Oberhand gewonnen haben. Sie können mich nicht einschüchtern. Und, ich habe Recht. Ich bedaure es sehr, dass in diesem Parlament die fundamentalistischen Strömungen vorherrschen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Wähler bei der Wahl 2014 daran erinnern werden, dass diese schändliche Abstimmung stattgefunden hat.

Diese Entgleisung der Abgeordneten Estrela ist eine ungerechte Unterstellung gegenüber ihren politischen Gegnern. (Demokratieverständnis?) Die portugiesische Politikerin gibt damit zu verstehen, dass man im Bereich Familienpolitik und Abtreibung keine andere Meinung haben darf. Nach ihr ist nämlich die Schule für die Moral der Menschen zuständig und muss bestimmte Dinge lehren (nicht die Eltern den Kindern!) und genauso muss in allen EU-Ländern das Recht auf Abtreibung bestehen. Und wer eine andere Meinung hat ist ein Heuchler und/ oder Fundamentalist.
Für mich ist das ein Höhepunkt totalitärer Strukturen, wenn das EU-Parlament einen solch wichtigen Bericht nicht mal diskutieren darf. Einfach abnicken sollten das unsere Abgeordnete. Es gibt tatsächlich auch einen Artikel auf orf.at über diese Abstimmung. Das steht dann unter der Rubrik Religion.

Aber was mich an dieser Sache besonders nachdenklich gemacht hat, ist weniger die Tatsache, dass die meisten Medien nur wenig über so etwas berichten, als vielmehr, das Fremdwort „Obskurantismus“.
Ich muss zugeben, das hatte ich noch nie gehört. Es ist besonders in der Aufklärung gebräuchlich geworden – als Gegenbegriff; es meint die Kräfte in uns und in der Gesellschaft, die Wissen und Wissenschaft verdunkeln. Es geht letztlich um Kritik an Aberglauben und Glaube.

So gilt gerade die Kirche bestimmten Menschen als Organisation, die unser Denken verfinstern will, Glaube will uns demnach vom Denken abhalten.
Und in der Tat ist Religionskritik wichtig. Man muss immer schauen, inwieweit die jeweilige Religion den Menschen am Denken hindert. Immer dann, wenn wir am eigenständigen Denken gehindert werden, ist Religion auf dem falschen Weg.

Und dennoch – ob man nun erleuchtet ist oder nicht: die Dunkelheit gibt es! Das kann man gerade in diesen sehr kurzen Tagen des Jahres nicht verleugnen.

Wie will man den Sternenhimmel sehen, wenn es nicht dunkel ist? Wie will man sich in einem taghellen Raum am Schein einer Kerze erfreuen? Wie will man ohne Dunkelheit einen Film entwickeln? Wie kann ein Same im hellen Licht sich orientieren/ er braucht die schützende Dunkelheit? Lagerung, Kinovorführung oder Rorateämter brauchen die Dunkelheit.
Wie können die hellen Momente unseres Lebens glanzvoll sein, wenn es nicht auch die Dunkelheit gibt?
Ja, die Dunkelheit, sie gehört zu unserem Leben und wir erkennen wie das Samenkorn in der Erde das Wesentliche/ erhalten ein Richtung (Licht am Ende des Tunnéls). Das Licht der Sonne können wir „Ennstaler“ so richtig genießen, weil wir das Dunkle auch kennen.

Jede Religion, die uns den Weg zum Licht versperrt, muss vom Teufel sein. Es geht dem Herrn Jesus immer um Klarheit und Fortschritt: „Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (aus dem Sonntagsevangelium )
Das ist kein Vertrösten auf Später, kein Opium das uns die Sinne nimmt, sondern das Reich Gottes mitten unter uns.

Traurigerweise gibt es solche Verdunkelungsvorwürfe auch in unserm täglichen Miteinander. Wenn wir dem andern unterstellen, er redet wirr. Wenn ich ihn nicht verstehe und erst einmal davon ausgehe, der Kerl denkt nicht klar. Ja da unterstelle ich ihm ja auch, dass er sich irgendwo im Dunkeln bewegt.
Nun liegt es an beiden Seiten. Verstehen und um Verständnis werben. Das erfordert Geduld und die Gabe und das Bemühen, den anderen verstehen zu wollen. Wir sprechen ja dann auch davon, dass „wir Licht in die Sache bringen“.
Johannes vom Kreuz:

Was du suchst und am meisten ersehnst, wirst du nicht durch deine eigenen Wege … finden, sondern mit grosser Demut und Hingabe des Herzens.

zum weiteren Nachdenken:

ein Artikel vom Schweizer Jugendbischof zum Thema „Beten – eine Übung, die Dunkelheit und Tiefe enthält“

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