Das ist die Hoffnung des armen Mannes

James Tissot – Le pauvre Lazare à la porte du riche – Brooklyn Museum

Der reiche Mann… Ja mei, der Kerl hat doch was getan für seinen Reichtum. Warum soll er jetzt hinten anstehen? Ich gehe mal davon aus, dass er sich das alles mühevoll erarbeitet hat. Der hat es sich verdient.
Und dem Armen helfen?! Was bringt es denn? Der Sandler versäuft sein Geld, der Zigeuner bringt es seinem Clanführer und in Afrika versinkt es in irgendwelchen dunklen Kanälen oder es werden dort Sachen gebaut, die eh keiner gebrauchen kann.

Natürlich sind das alles böse Vermutungen meinerseits. Natürlich verhält es sich auch in diesem Gleichnis ein bisschen anders. Natürlich kommt es darauf an mit dem Herzen zu geben.

Aber ist es eine Sünde, wenn es uns gut geht?! Darf man das Leben nicht mehr genießen? Darf man nicht mehr feiern? Fröhlich sein? Muss man immer ein schlechtes Gewissen haben?

Und da muss man natürlich nachbohren: Ist der Reiche glücklich. Oder ist er nicht einfach eine arme Sau?

Hat er Freunde oder stehen die Leute nur an seiner Seite, weil er Geld hat?
Sein Essen und seine Kleider machen ihn nicht glücklich.
Glücksforscher bestätigen uns, dass nur die Menschen glücklich sind, die ihren Mitmenschen zur Seite stehen.

Und der arme Lazarus, der am Rande der Gesellschaft sitzt. Gerade auf solche Leute achtet Jesus. ALLE MENSCHEN, die damals im Römischen Weltreich nichts galten, (ja, was sag ich, die in der Antike nichts galten) all die wertet Jesus auf: Die Kranken, die Nicht-Arbeitsfähigen, die Kinder, die Frauen…
Wir neigen dazu, vor der antiken Gelehrten auf die Knie zu gehen. Aber wussten sie, dass ein Plato dafür war, einen Arbeitsunfähigen sterben zu lassen?
Dass man sich um andere kümmert, die nicht zu meiner Sippe gehören, das hat uns das Christentum gebracht.
Weil Jesus Christus klar gemacht hat (Mt 25,35):
ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. ich war nackt und obdachlos und ihr hat mich bekleidet und aufgenommen.

Ich denke an die Spitäler des Mittelalters, die heilige Elisabeth von Thüringen, an die Caritas eines Vinzenz von Paul in der frühen Neuzeit oder an die Hospize einer Mutter Theresa.
Mir fällt immer wieder auf, dass es einige Psalmen gibt, die aus der Perspektive des armen Lazarus zu Gott beten.

Etwa Psalm 17 (gestern Abend in der Komplet): Höre doch, HERR, ich bitte um Gerechtigkeit! Gib acht auf mein Klagen! (…) Rette mich vor solchen Leuten! Ihr Anteil im Leben soll nicht auf Dauer sein. Darum gib ihnen, was sie verdient haben:
Füll ihnen nur den Bauch, mach ihre Kinder satt!
Denn alles, was sie im Überfluss haben,
müssen sie ihren Nachkommen hinterlassen.
Ich aber darf dein Angesicht schauen,
weil mir Gerechtigkeit zuteilgeworden ist.
Wenn ich aus dem Schlaf aufwache,
will ich mich satt sehen an deinem Anblick.

Hendrick ter Brugghen – The Rich Man and the Poor Lazarus – Utrecht

Das ist die Hoffnung des armen Mannes/ der armen Frau.
Die Sünde des reichen Mannes ist nicht, dass er reich ist, sondern, dass er nichts mehr erhofft von Gott. Er ist bei sich und seinem Reichtum stehen geblieben.
Nach seinem Tod jammert er dann. Er bittet um ein klein wenig Barmherzigkeit. Aber er kann sie nicht empfangen, weil er selbst kein bisschen barmherzig war.

Also geben wir viel, damit auch wir einmal viel erhalten.

verwandter Artikel:

meine Lazaruspredigt vor drei Jahren in Trieben

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