Nebenschauplatz Steinigung

Nebenschauplätze, ich sehe so viel Nebenschauplätze. Ein Streit zwischen Mutter und Tochter hier, ein Mann der kurz vor der Arbeitslosigkeit steht, ein Ehepaar, das seid vierzig Jahre verheiratet ist und nicht weiß: „Mögen wir uns noch?“
Sind das alles Nebenschauplätze, weil in zwei Wochen feiern wir doch Ostern, wir feiern LEIDEN, TOD und AUFERSTEHUNG UNSERES HERRN. Das ist für uns Christen der Höhepunkt des Jahres. Das ist der Hauptschauplatz: Der Abendmahlsaal, der Hügel, wo er gekreuzigt wurde, das Grab, das LEERE GRAB… Hier hat sich unsere Erlösung abgespielt.
Das Kreuz ist ein Hauptschauplatz geworden.
In den Evangelien werden uns immer wieder Große und Kleine Dinge berichtet. Da ist zB von der Brotvermehrung die Rede. Ein starkes, großes Wunder. Die 5.000 werden gespeist. Und stellt sich Jesus Christus da selber in die Mitte? Nein. Einen kleiner Bub wird vom Apostel Andreas in die Mitte gestellt. Er hat ein paar Semmeln, ein paar Fische. Viel zu wenig für diese Masse. Aber Jesus und der Apostel Andreas stellen das Kind in die Mitte. Macht aus diesem Kleinen einen Großen und sagt auf Dich zählen wir. Und das wenige, was du hast machen wir groß. So wird aus einem Nebendarsteller plötzlich die Hauptperson.
Und dann heute im heutigen Evangelium: Ein Nebenschauplatz: Irgendwo in Palästina wird eine Ehebrecherin vorgeführt. Es ist geltendes Recht, dass eine Ehebrecherin gesteinigt werden darf. Sie soll vielleicht nicht mal getötet werden. Nur ein bisschen vorführen. Nur klar machen, die da, die gehört nicht mehr zu uns.
Und da kommt dieser Jesus der Menge gerade recht. Jetzt kann er beweisen, ob er einer von uns ist oder ob er sich über Recht und Ordnung setzt. Schaun mer mal, was er sagt. Locken wir ihn mal aus der Reserve.
Man kann Menschen in die Mitte rücken, um sie anzuklagen, um sich deutlich und klar von ihnen zu distanzieren. Man kann sie aber auch als Mensch akzeptieren, ihnen Schutz gewähren, ohne dass man damit einverstanden sein muss, was sie getan haben.
Das Einzelschicksal dieser Frau ist eben kein Nebenschauplatz mehr. Denn Jesus und die Menge vergeben ihr. Durch die Vergebung beginnt Neues.

Jan Brueghel der Ältere, Christus und die Ehebrecherin, 17. Jh.

Genauso ist auch unser Problem, dass wir mit dem oder dem haben, kein Nebenschauplatz mehr. Es spielt für Gott sehr wohl eine Rolle.
Und das Kreuz ist UNSER HAUPTSCHAUPLATZ. Hier ist nicht nur das Leiden und das Kreuz Christi, das zur Auferstehung führt, sondern es ist unser Leiden, unser Kreuz, das wir am Karfreitag anschauen werden. Denn Christus Jesus hat unsere Nebenschauplätze längst angeschaut, er kennt sie. Er kennt unser Leid, unsere Schwachheit und will uns wandeln. Er will uns durch sein Kreuz und durch die Sakramente, die aus seiner offenen Seitenwunde fließen wieder ganz gesund machen.

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