Synagoga & Ecclesia

Meine Sonntagspredigt:
Vor dem Bamberger Dom befinden sich zwei Statuen – es sind Frauengestalten: Da ist die Synagoga und da ist die Ecclesia. Die Synagoga, benannt nach dem Gotteshaus der Juden, stellt das Judentum dar, die andere (ecclesia) die Kirche. Auf beschämende Weise hat man die Synagoga mit einer Augenbinde dargestellt (weil die Juden den Messias nicht erkannt haben). Die Thorarolle in der Hand entgleitet ihr (die Offenbarung Gottes ist nicht mehr an sie gerichtet).
Auf der linken Seite die Ecclesia. Sie stellt die Kirche dar, hat eine Krone auf und einen Kelch in der Hand.
Mein Mitnovize bei den Franziskanern fand die Synagoga immer viel hübscher. Vom Auftraggeber war das so sicher nicht gewollt.
Heute sind wir in der Kirche (so hoffe ich) viel weiter. Wir begegnen den Juden als dem Volk zu dem Gott zuerst gesprochen hat. Wir sehen Jesus wie selbstverständlich als einen Juden, der seine Pflichten, die daraus resultieren, erfüllt hat: Wallfahrt nach Jerusalem, Besuch der Synagoge, Gebet der Psalmen.
Unsere Liturgie, die wir hier feiern, ist dem Gebet der Juden entlehnt, das Hochgebet, das Lesen aus dem Alten Testament oder der Segen zum Schluss sind alles Teile unseres Sonntagsgottesdienstes, die sich nicht irgendein schlauer Papst oder Mönch mal ausgedacht haben, sondern sie haben ihren Ursprung in eben dem Synagogengottesdienst haben, von dem wir im Evangelium (Lk 4) gehört haben.

Heutzutage zensiert man alles… Ich wundere mich, dass die Synagoga am Bamberger Dom noch auf ihrem Sockel steht. Natürlich finde ich, sie soll hängen bleiben und uns erinnern. Vielleicht erinnert sie uns wirklich/ ist so eine Art Mahnmal das uns sagt, wie dumm wir als Kirche mal gewesen sind. Vielleicht ist es aber auch ein Bild dafür, dass wir auch heute noch blind sind und Jesus Christus nicht als unseren Messias erkennen.
Mahnmale sollen uns erinnern, dass etwas Schlimmes gewesen ist, aber auch uns darauf aufmerksam machen, dass so etwas nie wieder vor kommt. Ich hätte nie gedacht, dass 68 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Juden wieder Angst haben müssen. Wenn Araber damit drohen, sie ins Meer zu stürzen. Und selbst in Europa, wo sich Juden etwa in Malmö oder in Berlin nicht mehr öffentlich auf der Straße zeigen können, weil sie sonst bespuckt werden. Vielleicht ist die Synagoga ein Mahnmal, dass so etwas nicht geschehen darf.
Das wichtigste Wörtchen in den heutigen Lesungen ist das kleine Wörtchen „heute“. So sagt der Schriftgelehrte Esra zum Volk: „heute ist ein heiliger Tag“.
Das was unserm Volk geschehen ist, das es aus Ägypten befreit wurde, dass es von Gott auserwählt wurde, das ist HEUTE.
Und in eben die gleiche Kerbe haut Jesus, wenn er sagt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Nichts anderes ist Liturgie – Gottesdienst. Eine Verheutigung dessen, was sich vor knapp etwa 3300 Jahren in Ägypten ereignet hat (Auszug aus des Volkes Israel aus der Sklaverei), was sich vor 2000 Jahren ereignet hat (Leben, Sterben und Auferstehen Jesu). Wir hören hier in der Messe von Gottes großen Taten. Feiern Jesu Tod und Auferstehung und es liegt dann an UNS das in unser Leben zu übersetzen. In unserm Alltag Gottes Liebe und Güte weiterzugeben.
Auch Johannes Don Bosco, dessen Gedenktag wir am 31. Jänner feiern, hat das Evangelium ins Heute übersetzt. Er hat die Straßenkinder in Turin gesehen und ist dann zurück in die Kirche um für sie zu beten, und dann wieder zurück zu den armen Kindern, um sich um sie kümmern, mit ihnen Fußball zu spielen, mit ihnen zu beten und vor allem jedem von Ihnen zu sagen: Du bist wertvoll. Du ein von Gott geliebtes Kind.

Papst Johannes XXIII. hat vor gut 50 Jahren eine Verheutigung“ („aggiornamento“) für die ganze Kirche angekündigt.

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