Sorry, heiliger Benedikt

Der heutige Tagesheilige Martin steht wie kein anderer zwischen den Welten: zwischen dem heidnischen Rom und dem fränkischen Reich. Zwischen dem demütigen Mönch und dem mutigen Bischof. Zwischen dem Wunsch des Vaters und der eigenen Berufung. Um 317 in Ungarn geboren als Sohn eines römischen Soldaten. Dieser nannte seinen ihn nach dem Kriegsgott Mars MARTIN. Vielleicht, nein ziemlich sicher, hatten die Christen damals den Ruf Weicheier zu sein. „Mein Sohn, soll ein Kämpfer werden!“, so wird sein Papa gedacht haben. So wurde er also erst mal mit 15 gegen seinen Willen Soldat. Mit 17 Jahren war er dann schon Katechumene (Taufbewerber). D. h. er hatte schon von Christus gehört und wollte sich taufen lassen. In dieser Zeit fand die berühmte Szene der Mantelteilung statt. Wahrscheinlich hat der Mantel ihm nicht mal gehört?! Hat er überhaupt nachgedacht, was er da gemacht hat? Ich glaube, helfende Menschen, denken nicht zu viel. Wie die Witwe heute im Evangelium. Wenn man anderen Menschen Hoffnung schenken will, dann kann man nicht anfangen zu rechnen. (Was gibt der mir, wenn ich ihm helfe? Habe ich auch nicht zu viel Nachteile?)

Der heilige Martin hatte praktisch nichts dabei, womit er dem Bettler hätte helfen können. Sein Schwert, seinen Mantel. Und genau das wenige hat er genutzt. Ähnlich auch die Witwe heute im Evangelium. Die zwei kleinen Münzen wollte sie spenden. Wollte Gutes tun. DAS WAS WIR HABEN, das sollen wir für GOTTES REICH EINSETZEN. Unsere Talente, unsern Besitz.

ZZ bekommt man ja bei Banken nur wenig Zinsen. Jesus Christus verspricht uns, wenn wir das, was wir haben einsetzen, um damit Gutes zu tun, dass das viele Zinsen bringt.

Der Bischof von Potiers taufte Martin. Er blieb noch eine zeitlang Soldat. Dann schied er aus dem Militärdienst aus. Und hier geschah auch das nächste Wunder. Er hatte natürlich damals seine Pflicht als Soldat gegenüber dem Kaiser. Er ging zu seinem Vorgesetzten und sagte:

„Bis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr länger kämpfen und töten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zurück. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.“ (Sulpicius Severus)

Er musste nicht gegen die Feinde ziehen, diese legten ihre Waffen nieder und baten um Verhandlungen.

Christsein und Dienst an der Waffe waren damals nicht vereinbar. Man merkt wie sich das Christentum geändert hat…

Martin wurde Mönch. Er ist der Begründer des abendländischen Mönchtums. Sorry, heiliger Benedikt. Des warst net du.

Seine Heimat Ungarn hat er nicht vergessen, er taufte seine Mutter, zog dann aber weiter über Italien zurück nach Frankreich. Er lebte zuerst als Einsiedler, dann mit anderen Mönchen zusammen. Ähnlich wie der heilige Benedikt. Nur halt 150 Jahre früher.

370 wählte ihn das Volk zum Bischof von Tours. Die anderen Bischöfe haben ihn nie akzeptiert. Wie kann man als Bischof so daherkommen. Die anderen Bischöfe gingen nämlich „gern in langen Gewändern umher, liebten es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßte, und sie wollten überall (…) die Ehrenplätze haben.“

Martin hingegen war immer arm gekleidet. Und er spielte seit seiner Jugend ein Spiel, das er auch als Bischof nie aufgab. Er wechselte die Kleider mit einem Diener oder Bettler und begann den anderen zu bedienen, ihm die Wünsche von den Augen abzulesen. Ein heiliger Rollentausch.

Die Kirche im Römischen Reich beziehungsweise in der Antike war vor allem in den Städten organisiert. Da war der Bischof, da war die Gemeinde. Kirche auf dem Land war nicht vorgesehen, die Christen dort: einsame Kämpfer.

In seiner Diözese gründete Martin deshalb Pfarren, wo er seine Mönche hinschickte. So haben wir letztlich auch ihm das Pfarrwesen zu verdanken. Und hier darf ich wiederholen, was ich schon 2010 geschrieben habe:

Manchmal denken wir Österreichische Benediktiner, wir wären die Ersten, die die Spannung zwischen Aktion und Kontemplation aushalten müssen. Und dann denke ich einmal mehr an den heiligen Martin. Für Volk und Kloster. Und darauf vertrauend, dass uns in dieser Welt nicht Glanz und Gloria erwarten, sondern, dass wir dem leidenden Heiland vertrauen und folgen müssen.

Heiliger Martin, bitte für uns!

verwandte Links:

jobo: „Martin und wir“
jobo übers Evangelium

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