Bruder Klaus – meine Predigt zum Sonntagsevangelium

Niklaus, Vater von zehn Kindern – das Jüngste gerade erst geboren (!) – verlässt am Gallustag (16. Oktober) im Jahre 1467 Familie und Hof und zieht als Büßer in die Fremde. Seinen beiden ältesten Söhnen vertraut er den Hof an. Als Pilger unterwegs, kehrt er schliesslich in seinen Heimatort Flüeli zurück und lässt sich im Ranft als Einsiedler nieder.

Nächste (diese) Woche feiern wir am Dienstag sein Fest. Niklaus von Flüe, der Schweizer Nationalheilige! Es ist der 25. September. Normalerweise feiert man den Heiligen ja an seinem Todestag (wenn der Heilige das Irdische verlässt und seine Seele in den Himmel geht). Nun war sein Todestag der 21. März – zum Zeitpunkt seines Todes noch Fest des heiligen Benedikt von Nursia. Also brauchte man einen Alternativtermin. Und was hat man genommen? Drei Tag nach dem letztmöglichen Almabtrieb. So kam man auf den 25. September. Das ist doch ziemlich praktikabel.

Heute hören wir von Jesus wie er in seine Heimat – nach Galiläa – zurückkehrt. Wobei die Bibel den Begriff „Heimat“ ja nicht einmal kennt. Sagen wir also er ist da, wo seine Leute sind: seine Familie, seine Schüler (die ja zum Großteil Fischer am Galiläischen Meer sind).

Es gibt immer wieder lustige Theorien, wo Jesus zu seinen Lebzeiten überall gewesen sein soll. Er soll demnach bis nach Indien gekommen sein. So nach dem Motto, irgendwo muss er das ja alles herhaben, was er predigt… Aber nein, er hat Galiläa (den autonomen Nordteil des alten römischen Reiches) und Judäa (den direkt von Rom abhängigen südlichen Teil) mit Jerusalem nie verlassen. Außer als er als Kind nach Ägypten geflohen ist – darauf legen die Kopten (die Christen in Ägypten) größten Wert. Letztlich hat er so den Boden Galiläas, Judäas und Ägyptens geheiligt.

Nun ist er also in diesem kleinen und recht begrenzten Land unterwegs. Und er lebt seine enge Beziehung zu seinem himmlischen Vater. Sucht die Einsamkeit. DA, wo er gerade ist. Dann aber auch speziell bei seiner Wallfahrt nach Jerusalem.

Der heilige Bruder Klaus hatte seine Einsiedelei nur 10 min von seinem Bauernhof entfernt. Und doch hat er seine Ranft nie mehr verlassen. So lehren uns Jesus Christus und Bruder Klaus: Man muss nicht in die Ferne schweifen um ganz nah bei Gott zu sein. Und das sage ich euch als Hesse in der Steiermark 😉 Man kann schon hier sich Zeiten und Orte suchen um Gott zu meditieren. Man muss nicht mal Priester sein, man muss nicht mal lesen und schreiben können (das konnte Bruder Klaus nämlich auch nicht) um sich in Gottes Liebe zu versenken.

Immer wieder gibt es Bauern, die sich ihre Kapelle bauen, wo sie nach getaner Arbeit beten, es gibt Häuser, wo mit einem schönen Herrgottswinkel und es gibt die Kirche, die man durch seinen Besuch ehrt und wo man Gott so nahe ist.

Zwei Aspekte unseres Glaubens hat er besonders an sich ran kommen lassen: Das Leiden unseres HERRN und die Gnaden, die Gott uns zukommen lässt. Das zeigt auch das Meditationsbild des heiligen Bruder Klaus. Wie gesagt, er konnte ja nicht lesen und schreiben. Und so bediente er sich dieses Bildes. Es gab ja im Mittelalter und der frühen Neuzeit oft solche „Armenbibeln“, durch die man dem Volk von Gott und seinem Sohn erzählen wollte…

„Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf;“ Naja, erstmal hat der heilige Bruder Klaus seine Kinder verlassen. Er wusst aber, dass sie gut versorgt waren. Und er wusste, dass Gott ihn für etwas Größeres brauchte. Seine Frau und seine zehn Kinder, also insgesamt elf Menschen, hat er vielleicht wirklich ein Stück weit im Stich gelassen.

Doch noch heute gehen Forscher davon aus, dass er als Berater und Friedensstiftern VIEL MEHR MENSCHEN das Leben gerettet hat, indem er schlimme Kriege verhindert hat, in denen wahrscheinlich viel mehr Menschen ums Leben gekommen wären.

Früher kam es hier in unserer Gegend oft vor, dass Familien das Kind der Schwester oder irgendeiner Verwandten oder Bekannten groß gezogen haben. Sie haben ein Kind aufgenommen. Vielleicht habe sie das auch um Jesu willen (wegen Jesus) getan.

Kinder – in der Zeit Jesu und vielleicht auch vor 100 Jahren in Österreich – waren oft weniger wert als ein Stück Vieh!. JETZT stellt Jesus das Kind in die Mitte.

Vielleicht ist das wirklich der Maß schlechthin. Wie gehst Du mit Deinen Kindern um. Die Frage, die sich jede Gesellschaft stellen muss.

Und noch eins: Wenn ich ein Kind aufnehme, dann ändert sich mein Tagesryhtmus. Dann muss ich vieles diesem Kind unterordnen, nachordnen.

Und so ist eben auch mit dem Gottesreich. Ich muss meine Zeiten und Orte so wählen, dass Gott und sein Reich darin Platz haben. Amen.

hier findet man jede Menge Impulse und Predigten zum heiligen Bruder Klaus:

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