Alkohol und Heiliger Geist

Meine Predigt zum 20. Sonntag im Jahreskreis B

Im Juni/ Juli diesen Jahres wurden irgendwo im Bundesland Salzburg Burschen und Mädchen an einer Schule verabschiedet und der Direktor hielt vor der Überreichung des Maturazeugnisses in etwa folgende Ansprache:
 Ihr habt viel gelernt die letzten Jahre. Doch euer ganzes Wissen ist nicht wichtig. Vielmehr kommt es auf das richtige Wort zur richtigen Zeit an. Einmal ist es geschehen, dass ein Mann total besoffen nachts nach Hause kam. In seinem Suff fing er an zu demolieren. Schlug einen Tisch und eine Tür klein. Er musste sich auf dem Teppich im Wohnzimmer übergeben. Mit Hilfe seiner Frau hatte er es dann doch irgendwie ins Bett gepackt. Am nächsten Morgen wachte er auf. Auf seinem Nachttischkasterl stand ein Glas Wasser neben einer Aspirintablette. Dabei ein Zettel seiner Frau: „Guten Morgen, Schatz. Ich musste kurz weg und bin um 12 Uhr wieder da. Frühstück wartet in der Küche auf dich. Bussi. Deine dich liebende …. Der Ehemann sah sich die Wohnung an, die zwar wieder geputzt, aber noch Stellen der Verwüstung aufwies. Er traf seinen Sohn und fragte ihn was passiert ist. „Ja, Papa, nachdem du einiges kaputt geschlagen hast, hat Mama versucht dich ins Bett zu bringen. Als sie dir die Hose ausziehen wollte, hast du gesagt: „Fräulein, Stopp, nicht weiter, ich bin glücklich verheiratet.“ (die Geschichte hat mir P. Samuel erzählt)

Dieser Mann hat es fertig gebracht, das richtige Wort zur richtigen Zeit zu sprechen. Hat dieser Mann weise gehandelt? Nein, weil zu viel Alkohol getrunken hat. Und Ja, weil er seine Frau liebt und diese Liebe sein ganzes Leben bestimmt. Selbst wenn er ganz unten liegt und es ihm nicht so gut geht. Wein und andere alkoholische Getränke öffnen die Zunge, man redet Dinge, die man vielleicht besser für sich behalten hätte. Und das kann sehr sehr peinlich sein. So ermahnt uns heute der Apostel auch „Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos“. Und dann empfiehlt er uns ein anderes Mittel das auch zügellos macht: Der Heilige Geist. Ziemlich zeitgleich zu Jesus lebt Anfang des ersten Jahrhunderts Philo von Alexandrien, ein jüdischer Gelehrter. Noch vor Paulus oder dem Autor der Apostelgeschichte (ich nehme mal an das das der Evangelist Lukas gewesen ist), versucht Philo von Alexandrien seinen jüdischen Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit der damals herrschenden griechischen Philosophie zusammenzubringen. Und er hinterlässt uns eine Schrift über die (jetzt halten sie sich fest) Trunkenheit! Darin schreibt er: „Den von Gott Begeisterten nämlich pflegt nicht nur die Seele in Erregung und gleichsam in Raserei zu geraten, sondern auch der Körper sich zu röten und zu glühen, da die innerliche Freude ihn von der Starrheit löst und erwärmt und das Ungestüm des Gefühls nach außen weitergibt … Jede Seele, die von dem Gnadengeschenk erfüllt ist, ist sofort frohgemut und lacht und hüpft vor Freude auf.“ (zitiert aus Klaus Berger. Die Briefe des heiligen Apostels Paulus) Das ist die Wirkung von Wein und Bier auf der einen Seite und da ist die Wirkung des Heiligen Geistes auf der anderen Seite. Beides wird auch in der Apostelgeschichte verwechselt: Als die Jünger an Pfingsten vom Heiligen Geist erfüllt sind, spotten einige: „Was ist denn jetzt los. Die haben wohl zu viel Wein erwischt und sind besoffen?!“ Petrus antworten ihnen: „Nein, wir sind nicht betrunken, wie ihr denkt. Hier geschieht nämlich genau das, was der Prophet gesagt hat: „Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen…!“ Wenn wir vom Heiligen Geist erfüllt sind, dann löst sich unsere Zunge. Wir sagen, was uns bewegt. Was uns auf dem Herzen liegt. Ja, wir geben unser Innerstes preis. OFFEN UND BESCHWINGT. Kein unverständliches Lallen. So schreibt Paulus heute ja auch von Hymnen und Lieder, die wir singen sollen. Die haben ja einen Text, eine Struktur. Ja, das ist der Hauptunterschied zwischen Heiligen Geist und dem Geist aus der Flasche. Der Heilige Geist gibt uns Struktur und unser Leben wird dem der Engel gleich, während der Geist aus der Flasche unserm Leben Struktur nimmt und wir höchstens noch die Engel sehen, wie sie über unserm Kopf kreisen. Wenn wir heute vor dem Hochgebet das Heilig Heilig Heilig singen, dann dürfen wir uns bewusst sein, es ist der Geist, der uns diesen Gesang eingibt. Der es macht, dass wir zur größeren Ehre Gottes singen. Das wir gemeinsam mit den Engeln und Heiligen dieses Lied anstimmen. Amen.

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Ein Gedanke zu “Alkohol und Heiliger Geist

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