atmosphärische Mönche

Eine Legende erzählt von einem Kloster, wo es trunter und drüber ging. Die Mönche hatten einen rohen Umgang miteinander. Einen wirklichen Gehorsam gegenüber dem Abt lebte keiner. Jeder tat, was ihm gefiel. Dieses Kloster hatte schon seit Jahren keinen Novizen mehr. Niemand wollte sich dieser Gemeinschaft anschließen. Anziehungskraft auf dem Nullpunkt. 

Einige Brüder hielten es nicht mehr aus; sie rafften sich auf und gingen in den rohen Norden des Landes, wo ein bekannter Einsiedler lebte. Den besuchten ihn. Sie wollten ihn fragen, was zu tun sei.

Als sie ihm die Frage gestellt hatte, antwortete der Mann, es gäbe nichts weiter zu tun, als die ohnehin bekannte Regel zu beachten. Die Ratsuchenden waren enttäuscht. Ihre Regel, ja die kannten sie, sie wussten eigentlich, was zu tun wäre. Als sie wieder zurück in ihr Kloster wollten, flüsterte der Einsiedler ihnen zu: „Übrigens, wisst ihr, dass unter euch der Messias wohnt, der am Ende der Tage wieder kommen soll?!“ Die Mönche waren erstaunt. Beim Nachhause-Gehen überlegte sich schon jeder, wer es wohl sein könnte. Im Kloster erzählten sie zuerst nichts von ihrer neuen Erfahrung. Aber die Nachricht verbreitete sich trotzdem in Windeseile. Einer von uns ist der Messias.

Von jetzt an behandelten die Mönche sich gegenseitig anders. Sie waren achtsamer. Sie gehorchten sich gegenseitig; ja sie lasen dem anderen Mönch schon die Wünsche von den Augen ab. Und bald sprach sich auch schon herum, wie atmosphärisch diese Mönche ihr Miteinander pflegten. Es gab viele Novizen. Und man merkte bald, was für einen Schatz der Einsiedler ausgehoben hatte durch ein gutes Gerücht.

Liebe Schwestern und Brüder. Diese kleine Geschichte, ja vielleicht hat sie sich wirklich so zugetragen. Ich kann es mir vorstellen.

Warum nicht?

Sie erzählt in beeindruckender Weise wie die täglichen Gemeinheiten des Lebens eine Familie, eine Gemeinde oder eben ein Kloster herunterwirtschaften können. Zur emotionalen Tiefkühltrühe. Die Familie, die Gemeinde, das Kloster werden zu einem Platz, wo ich nicht leben kann.

Und selbst der wirkliche Messias Jesus Christus scheint nicht davor sicher zu sein. Er ist der Menschensohn. So wurde in der ersten Lesung auch der Prophet Ezechiel betitelt. Ein Ehrentitel, der deshalb so beeindruckt, weil er schlicht ist und unsere Grenzen aufzeigt.

Jesus hatte Grenzen? Ja, denn er und damit GOTT akzeptieren die Freiheit des Menschen. Wenn andere nicht an mich glauben, dann kann ich sie nicht dazu zwingen. Wenn du nicht an mich glaubst, dann kann ich keine großen Taten vollbringen.
UND TROTZDEM ist dieser Glaube des einzelnen das Entscheidende an der christlichen Botschaft. Wenngleich wir als Kirche wissen, dass wir in einer großen Gemeinschaft von Glaubenden leben, bringt das alles nichts, wenn man sich nicht mit Leib und Seele in Gottes Hand gibt.

Menschen, die in meiner unmittelbaren Umgebung leben, die kenne ich, die kann ich einschätzen und ich weiß eben auch, dass sie begrenzt sind.

So ist es auch Jesus ergangen. Ihn kennen die Leute, von denen heute im Evangelium die Rede ist. Nein, sie denken, dass sie ihn kennen würden, aber sie irren sich.

Die heutigen Leute im Evangelium bilden eine Gemeinde ab, wo man denkt sich zu kennen. Wo man sich aber nicht vertraut. Wo man den anderen abschätzt, aber ihn nicht schätzt.

Lernen wir wieder einander zu schätzen. Lernen wir die Gaben unserer Mitmenschen schätzen und denken wir daran, vielleicht ist er oder sie der Messias, der wieder kommen soll.

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