Sonntagspredigt – Lebbe geht weider.

In der deutschen Bundesliga 1992 stand Eintracht Frankfurt zum Ende der Saison wochenlang auf Platz 1. Am letzten Spieltag verlor die Eintracht in Rostock und mußte so nach dieser herben Niederlage den Verlust der Meisterschaft hinnehmen. Nach dem Spiel wurde der damalige Trainer von Eintracht Frankfurt Dragoslav Stepanović um eine Stellungnahme gebeten. Der hessische Serbe darauf: „Lebbe geht weider.“ (=das Leben geht weiter)

Natürlich kann man diesen Satz auf unterschiedliche Art und Weise betonen: Das Leben geht schon irgendwie weiter: Wir schummeln und durch, merken, dass es nicht immer auf uns ankommt. Die andern richten´s schon. Es gibt Wichtigeres im Leben.

oder: Das Leben geht weiter. Was ist schon eine Niederlage? Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den ganzen Krieg.

oder: Das Leben geht weiter. Wir wissen zwar, dass wir mit Vollgas Richtung Abgrund fahren, aber was soll´s? Genießen wir unsern Reichtum. Schauen wir, dass es uns heute gut geht, was kümmern mich die nachfolgenden Generationen?!

oder aber: das Leben geht weiter. Ich habe eine tiefe Hoffnung in mir – ein göttlicher Funke. Eine Hoffnung, die nicht erlischt. ER will, dass ich lebe. ER ist selbst das Leben und schenkt sich mir.

ER schenkt uns Leben; ja, hier werden mütterliche Gefühle wach, denn eigentlich ist es ja sie, die uns das Leben schenkt. Gott als der, der uns Leben schenkt. Wie eine Mutter.

Es ist diese Seite an Jesus, die wir schätzen dürfen und die mir und wahrscheinlich auch ihnen das Christentum grundsymphatisch machen – gerade der heilige Evangelist Lukas betont das: Jesus für die Frauen. Die Töchter, die Mütter, die Omas und die Witwen. Jesus verkündet uns Gott als jemanden, der auf Erden Leben schenkt. Und diese Botschaft gilt erst einmal den Frauen. So darf unser Christentum also nicht verkopft sein, sondern es braucht immer den Bezug zum gesegneten leiblichen Leben.
Es gibt zwei Extreme, in die wir gläubige Menschen hineingeraten können: Da ist einmal ein Glaube, der sich wenig um das Leibliche schert. Da geht es um unser Seelenheil und darum, dass wir als Menschen gerechtfertigt vor Gott stehen. Wie finde ich einen gnädigen Gott? So fragt Dr. Martin Luther.

Und dann ist da dieses auf Wunder hoffende Volk. Vielleicht hat es schon seit Glück bei den Heilungsgöttern Serapis und Asklepis gersucht?! Vielleicht hat man schon irgendein Heilwasser oder die Fürsprache eines Heiligen ausprobiert und es hat geholfen.

Da kommt Jesus und predigt vom Reich Gottes, und sie rennen hinter ihm her, als ob er irgend so ein Wunderheiler wäre. Nein, er ist MEHR. Und wenn wir Weihwasser verwenden, wenn wir unsere Heiligen als Fürsprecher anrufen, dann ist das gut. Aber wir dürfen dabei nie vergessen, dass es bei all dem immer um unseren Glauben geht, um unsere Taufe auf Christus. Mit ihm sind wir in der Taufe gestorben und auferstanden.

Die Wundererzählungen, von denen uns heute der heilige Evangelist Matthäus berichtet, machen klar, auf was es ankommt: Da ist das totkranke Mädchen, der Vater, ein gestandener Mann, Synagogenvorsteher, Jairus war sein Name. Er ist so fix und ferdisch, dass er vor Jesus auf die Knie geht. Jesus will seine Tochter heilen, Hoffnung keimt. Der Mann hofft. Jetzt geht vielleicht was weiter. Dann die Todesnachricht, deine Tochter ist gestorben. Aus vorbei. Nichts mehr. Hoffnung im Keim erstickt?! Und in diesem Moment sagt Jesus: „Sei ohne Furcht; glaube nur!“ In dieser Situation so einen Satz zu sagen, wenn ich das bei einer Trauerfamilie machen würde, man würde mich hochkant aus dem Haus werfen.

Jesus heilt das Mädchen.

Merkt´s Ihr jetzt um was es geht? Es geht nicht um das Mädchen. Es geht um Jairus. Im Dunkeln der schwärzesten Nacht soll er glauben. Dies ist der Reifungsprozess der Liebe: Er verläuft wie ein “U”: Oben Sicherheit (Tochter und Familie gesund), unten das Wellental der Unsicherheit, Sicherheit nicht mehr da – KRISE, wenn ich auf gute Weise ins Wellental gefallen bin und ich heraus komme, bin ich später reifer kann tiefer “Ja” zum Leben sagen als vorher (Quelle: siehe Artikel Bindungsangst & Beziehungswunsch).

Im Evangelium ist noch von einem zweiten weiblichen Geschöpf die Rede. Da ist die zwölfjährige Tochter und das ist die blutflüssige Frau. Auch sie, vielleicht erstmal nur wundergläubig, wie ich es vorhin erwähnt habe. Nur den Saum deines Gewandes will ich spüren. Jesus berühre mich. Und sie wird geheilt. Im gleichen Augenblick entweicht aus Jesus eine Kraft. Doch jetzt kommt die Pointe: Nicht diese Kraft hat die Frau geheilt, sondern die Kraft Jesu hat es ermöglicht, dass die Frau glaubt. Das sie ein Ziel hat/ dass sie einen Herrn hat.  Sie hat die eigenen Kräfte in sich gesammelt. Ja, liebe Frau, dein Glaube hat dir geholfen!

Einleitung zum Glaubensbekenntnis:

Das Leben geht weiter, ja es geht weiter, weil wir einen lebendigen Glauben haben. Diesen wollen wir gemeinsam bekennen: Ich glaube…

Ein paar der Gedanken stammen von Klaus Berger: Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Meditationen zu den Sonntagsevangelien. Lesejahr B, Freiburg 2008.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s