Gott zu uns holen

In einer vierten Klasse Hauptschule habe ich die Jugendlichen vor zwei Wochen gefragt, was die Aufgabe der Kirche sei. Die Antworten waren für mich überzeugend: Gottesdienst, Religion lehren, Zuhören, Beichthören, Kranke heilen. Die Toppantwort, mit der ich nicht gerechnet hatte war: „Gott zu uns holen.“

Natürlich kann man sich heutzutage auch rausreden und sagen, ja, wie soll es den möglich sein Gott zu den Menschen zu bringen, wenn man die Menschen nicht mehr erreicht und sie nicht mehr in die Kirche gehen.

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts hätte man ähnlich wie heute Grund genug gehabt, zu resignieren. Und gerade in dieser Zeit gab es Heilige, die mutig und entschlossen, trotz (oder gerade wegen?) ihrer Schwachheit Gott zu den Menschen holten. So wirkte damals ein ehemaliger Bäckergeselle als Apostel Wiens: der heilige Klemens Maria Hofbauer. Am Stefanitag 1751 in Tasovice (Südmähren) geboren war es ihm aus finanziellen Gründen vorerst nicht möglich Theologie zu studieren. Er wurde Bäcker. Nach vielen Umwegen trat er in den Redemporistenorden ein und wurd 1785 zum Priester geweiht. Er gründete eine Armenschule in Warschau und predigte den Menschen ohne Unterlass das Evangelium. In Folge der napoleonischen Kriege wurden viele seiner Anstrengungen zunichte gemacht und er musste Warschau schließlich verlassen. In Wien fand er eine neue Wirkungsstätte. Das achso aufgeklärt-rationalistische Bürgertum fand in diesem natürlichen, bäuerlichen Pater, der fast schon ein bisschen derb war, einen Widerpart. Er zog mit seinen Predigten Massen an, gründete Leihbüchereien, veranstaltete Lesezirkel und besuchte die Menschen in ihren Häusern. In Wien starb er am 15. März 1820.

Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut wie wir – mit seinen je eigenen Grenzen. So wird er auch als jähzornig und impulsiv beschrieben. Er passt damit in kein süßliches Heiligkeitsschema. Doch er wusste um seine Schwächen und verschönerte nichts.

Mit einem Schuss Selbstironie gestand er: „Ja, das ist leider mein Fehler. Aber ich danke Gott dafür. Dies erhält mich in der Demut und bewahrt mich vor dem Stolz. Hätte ich diesen Fehler nicht, wäre ich versucht, mir selbst die Hand zu küssen aus Respekt vor mir.“

Als mal wieder gar nichts gelingen wollte, schrieb er den Satz: „Nur Mut – Gott lenkt alles“.   Die Tatkraft und Treue zu Gott und seiner Kirche, die den heiligen Klemens Maria Hofbauer auszeichneten, wünsche ich uns Priestern und allen Christgläubigen in der Obersteiermark und in Deutschlandsberg und überall…

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