Franziskus ohne Plastikhandschuhe

Das ist das Kernstück meiner Sonntagspredigt:

Allein aus hygienischen Gründen sollte man bei manchen Tätigkeiten Handschuhe tragen. Beim Putzen. In der Pflege. Der Arzt beim Patienten. Das ist einfach hygienischer. (Denkt man!) Und sein wir uns doch mal ehrlich. Manches ekelt uns wirklich an. Da ist so eine undurchlässige Plastikschicht zwischen mir und dem Schmutz ganz angenehm.

Hygienischer wird´s deswegen auch nicht. (hr-Reportage entlarvt Handschuhe als Bakterienumschlagplatz). Schon nach 30min wird die Außenfläche des Handschuhs zu einem Bakterienherd. Wunderbar geeignet Bakterien weiter zu tragen. Und die Innenfläche verhindert, dass meine Haut atmen kann. Raue Hände sind die Folge. Warum also Handschuhe?

Bestimmte Dinge will ich mir halt so vom Leib halten. Es gibt so vieles, was mich anekelt. Was ich nicht anfassen will! Und da können eben auch Menschen dazu gehören.

Angeekelt war auch der heilige Franziskus. Er wollte Aussätzige weder sehen, noch ihnen irgendwie zu nahe kommen. Wenn er in ihre Nähe kam, drehte er sein Gesicht zur anderen Seite und hielt sich die Nase zu. Nachher sorgte er aber dafür, wie es sich für einen angesehenen Bürger der Stadt Assisi gehörte, dass er über eine Mittelsperson dem Kranken e bissi e Geld zukommen ließ.

Eines Tages betete Franziskus zu Gott. Er war so innig im Gebet, dass er eine Antwort von Gott hörte: „Franziskus, alles was du fleischlich geliebt und gewünscht hast, musst du verachten und hassen, wenn du meinen Willen erkennen willst. Wenn du dann wieder damit anfängst mit dem, was dir bisher angenehm und süß erschien, wird es dir unerträglich und bitter sein.“ Durch dieses Wort war Franziskus so was von gestärkt. Einen Tag drauf ritt er auf seinem Pferd aus der Stadt und kam in die Nähe der Aussätzigen. Er tat sich Gewalt an: (er) stieg vom Pferd, gab dem Aussätzigen a Geld und küsste dessen Hand. Dann empfing er den Friedenskuss. Er stieg wieder auf sein Pferd und reitete glücklich davon. Seitdem verachtete er seinen Eigenwillen und es kam ihm immer mehr darauf an, was Gott von ihm wollte.

(vgl. Dreigefährtenlegende IV, 11)

Franziskus ist also dem Kranken ganz ohne Handschuhe begegnet.

Später vor seinem Tod erinnert sich der Heilige an dieses Erlebnis und schreibt in seinem Testament:

„So hat der HERR mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: denn als ich in Sünden war, kam es mir bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der HERR selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. Und danach hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt.“            Testament des heiligen Franziskus 1-3.

Nein, soviel ich weiß, gibt es in St. Gallen keine Aussätzigen, kein Leprosarium oder dergleichen. Aber es gibt auch hier Menschen, die wir eher meiden. Denen wir aus dem Weg gehen. So haben wir auch so Art Plastikhandschuhe an, die uns davor schützen sollen, anderen zu nahe zu kommen, uns berühren zu lassen.

Bedenken wir, dass solche Handschuhe eine Außen- und Innenwirkung haben: Außen sammeln sich die Bakterien. Das heißt, wir geben unsere Abneigung oder gar unseren Hass an andere weiter: an die Kinder, die Freunde usw..

Und: Die Innenwirkung: Unsere Haut wird rauer. Sie ist gar nicht mehr fähig, zärtlich zu sein.

verwandter Link:

Predigt von Pater Rupert Johannes OP zum Thema „Franziskus, ein Geküsster“

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