Hallo Paulus

meine Sonntagspredigt über den heiligen Paulus und den Zölibat – bei dieser Predigt funktionierte in St. Gallen die Mikrophonanlage nicht gescheit. Viele Ältere hörten mich nicht, aber gesagt haben sie es mir erst nach der Messe. Einen jüngeren Gottesdienstbesucher habe ich darauf gefragt, ob er mich auch nicht gehört habe. Doch, er hätte mich gehört, über Sex hätt ich gesprochen. So werden dann die Predigtaussagen e bissi reduziert.

Hallo, Paulus!

Also dass der heilige Paulus uns von Jesus erzählt. OK. Das er uns Vorschriften macht, wie wir Gottesdienst zu feiern haben. OK.

Aber dass er, der nicht mal verheiratet ist, uns vorschreiben will, wie wir zu leben haben?! (1 Kor 7)Dass Paulus und die Kirche sich in unsre Privatangelegenheiten einmischen wollen. Nein, danke. Was bilden die sich eigentlich ein, wer sie sind?!

Da blättern wir im ersten Korintherbrief doch lieber ein sechs Kapitel nach hinten und hören das „Hohelied der Liebe“ (1 Kor 13).

Liebe Schwestern und Brüder.

Die Briefe des Apostels Paulus sind so ziemlich konkret. Im 7. Kapitel seines ersten Briefs an die Korinther beschreibt er so genau, was er übers Heiraten denkt und über den zölibatären Lebensentwurf.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es bei Paulus immer um Berufung geht. Er sieht jeden einzelnen Menschen als berufen an, in einem ihm eigenen Stand GOTT zu dienen: Als Witwe, als Jungfrau, als Ehemann, als Ehefrau und eben als Eheloser.

Es sind aber auch ganz praktische Erwägungen, die Paulus von sich gibt. So ist die Ehe auch als Schutz vor einem ungezügelten sexuellen Leben zu sehen:  „Ja, aber damit niemand zu einem sexuell zügellosen Leben  (fast alle anderen Übersetzungen verwenden hier das Wort „Unzucht“) verleitet wird, ist es besser, wenn jeder Mann seine Frau und jede Frau ihren Mann hat.“ (1 Kor 7,2 – Übersetzung „Hoffnung für alle“).

Gerade die anderen Weltreligionen, die auch wie wir einen Gott verehren, haben riesige Probleme damit, wenn jemand nicht verheiratet ist. Seit Adam und Eva gehört Heiraten dazu. Und schließlich hat unser Herrgott doch auch, nachdem er die beiden ersten Menschen erschaffen hat, gesehen, „dass es gut war“.

Die Schöpfung, die Körperlichkeit des Mensche und damit auch seine Sexualität als rundum gute Sache.

Und dann stellt uns Paulus einen anderen Weg vor Augen. Und er ist sich im Klaren, dass er damals – zu seiner Zeit – und heute anecken muss. Sonst würde er sich am Ende ja nicht nochmals mit dem Satz rechtfertigen: „Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen…“

Was soll diese Form der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen? Ist das eine Askese. Ist man Gott dann automatisch näher?

Nein, sicher nicht. Aber drei Dinge sollen Ordensfrauen und Ordensmänner, Priester und Jungfrauen der heutigen Welt schon mitteilen:

  1. auch Jesus war ehelos und er nennt diese Lebensform auch beim Namen: „Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.“ (Mt 19,12). Jesus hat sich ganz dem Willen des Vaters untergeordnet. Und darum geht es letztlich, dass man den Willen Gottes tun soll.
  2. Diese „Ich gehöre ganz dir“ ist ein Liebesbekennntnis, das sich zwei Liebende sagen können. Und genau darauf will Paulus eingehen. Er, als eheloser Mann, spricht dieses „Ich gehöre ganz dir!“ zu Gott. Es geht also weniger um Askese. Es geht vielmehr um LIEBE.
    Dieses Verliebtsein soll den Menschen Tag und Nacht antreiben. Soll ihm Kraft geben für das Gute.

UND das ist nicht natürlich nicht an das Zölibat gebunden. Jeder Christ lässt sich von der Liebe leiten. Sie ist seine Kraft und macht ihn fähig zum guten Handeln.

  1. Es geht Paulus immer um die Freiheit. Und der Zölibat soll frei machen. Wir Priester sollen uns UNGETEILT unserer Gemeinde zuwenden.

Der heiligmäßige Gründer von Taize Frere Roger sagt dazu:

„Wenn der Zölibat eine größere Verfügbarkeit dafür schafft, für Gottes Sache zu sorgen, kann man ihn nur annehmen, um sich noch mehr dem Nächsten hinzugeben mit der Liebe Christi selbst.“

Es geht also nichtsosehr um Askese, sondern um LIEBE.

Bei einer „normalen“ Berufung zB Lehrer, Arzt, Bauer, Sozialarbeiter muss auch Liebe im Spiel sein. In der deutschen Sprache reden wir dann auch von „Herzblut“. Man gibt sich voll für die Sache hin. Und das ist gut so.

Beim katholischen Priester ist Gott das erste und einzige Gegenüber und da ist die Sache mit dem „Herzblut“ noch mal intensiver. Der freie Mensch hat somit unglaubliche Möglichkeiten und ist schlicht und einfach GLÜCKLICH. Der Zisterzienserabt Wilhelm von Saint-Thierry schreibt dazu, dass es in jedem Kloster mindestens solch einen glücklichen Mönchen gibt.

Amen. – einige Gedanken aus dem Pauluskommentar von Klaus Berger oder war es Jörg Berger?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s