Jesus der Jungunternehmer

Nehmen wir an Jesus wäre ein Jungunternehmer. Ich weiß nicht, wo sie ihre Experten für die neue Firma gesucht hätten, aber sicherlich nicht am See von Galiläa. Er hätte nach Jerusalem gehen können/ nach Alexandrien. Es gab sicher auch irgendwelche gelehrten Griechen. Aber Nein, die hat er sich nicht ausgesucht. Statt dessen sollten es zwölf Fischer sein.

Die Berufungsgeschichte der Jünger steht zu ziemlich am Beginn aller vier Evangelien. Jesus zieht also nicht wie Jona allein durch Städte und Länder, sondern er hat von Anfang an seine Schüler bei sich.

Vielleicht haben sie auch schon einmal Stimmen gehört, die da sagen: „Ja gläubig bin ich, und Jesus finde ich auch gut. Aber seine Kirche. Nein, die brauche ich nicht. Was die aus Jesus gemacht haben…“

Jesus hatte von Anfang an seine Jünger bei sich. Es ging ihm also nicht um einen Heilsindividualismus, so nach dem Motto, glaub an mich, folge mir nach, aber andere Menschen brauchst weder du noch ich. Diese Keimzelle der Kirche ist für mich etwas bewundernswertes. Da sind zwölf Männer, die wissen was Arbeit mit den Händen ist, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber so leicht Jesus nachfolgen. Jesus ruft, sie folgen, ohne Umschweife. „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“

Nein, Großkopferte hat er sich nicht ausgesucht. Er wusste schon im vorhinein, dass er einiges von ihnen abverlangen würde. Und vielleicht waren da die Fischer von Galiläa genau die Richtigen. Ein schlechtes Wetter konnte ihnen nichts anhaben. Sie haben auch schon mal die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Durchhalten war angesagt bei der jungen Kirche.

Jesus seine Botschaft vom Reich Gottes sollte unter die Leute kommen. Ich muss da immer an die Zeile aus dem Lied „Jesus Christ Superstar“ denken: Why’d you choose such a backward time in such a strange land?

If you’d come today you could have reached a whole nation. Israel in 4 BC had no mass communication. Gott wird Mensch in einem Land, in dem es noch keine Radiowerbung, kein Internet und dergleichen

gegeben hat.

Diesen Plan Gottes kann und will ich nicht infrage stellen. Es war die richtige Zeit und es war der richtige Ort und es war richtig auf die Fischer von Galiläa zu bauen. Einer von ihnen liegt 2305 km Luftlinie von Jerusalem in Rom begraben. Jakobus hat es auf 4014 km gebracht. Die Fischer von Galiläa haben wahrhaft großes vollbracht. Haben im ganzen Römischen Reich das Evangelium (die Frohbotschaft) verkündet.

Sie haben nicht auf eine neue Zeit gewartet. Sich gesagt in soundsovielte Tagen wird alles anders. Nein, „Die Zeit ist erfüllt“, das soll heißen: Die Zeit ist JETZT. Das Reich Gottes nicht als eine theoretische Größe in irgendeinem Kloster gefunden oder einer Universität erforscht werden kann.

Das Reich Gottes mitten unter euch. Egal ob Fischer in Galiläa oder Sie oder Du. Die Zeit zu beginnen ist JETZT.

Wir brauchen also mit unseren guten Vorsätzen bis auf die Fastenzeit warten.

Wie ernst Jesus sein Gegenüber nimmt, wird auch heute im Evangelium deutlich. Beim ersten Hinhören könnte man denken, wie unhöflich, unreflektiert und schroff. Jesus befiehlt und sie folgen ihm. In der Tat steckt da eine Dramatik drinn, die mich an manch einen Katastrophenfilm erinnert. Eine Situation, die keinen Aufschub duldet. Und doch nimmt Jesus uns ernst. Sie dürfen ja weiter arbeiten als Fischer, aber eben als Menschenfischer.

Und spätestens seit dieser Predigtvorbereitung weiß ich, dass mein Heimatort 516 km von Admont entfernt ist. Liebe Grüße nach Wöllstadt.

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