Maria – hineingenommen in die Liebe Gottes

Meine Sonntagspredigt:

Dieser Tage läuft ein Film in den österreichischen Kinos an. Wenn auch nicht in Liezen, so doch in manchen ausgewählten Kinos. Habemus Papam. Er handelt von der Papstwahl. Zitat auf der entsprechenden Website: „Gott und die Welt haben ihn erkoren. Aber seine innere Stimme sagt ihm, dass sie sich irren. Die Geschichte vom Papst, der nicht Papst sein will.“ [Zitatende]

Da ist auf die einen Seite, die Erwählung. Wir Christen gehen davon aus, dass Gott sich Menschen erwählt und dass er das kundtut durch Wahlen… Da ist die Erwartungshaltung der anderen Menschen. Das wird in diesem Film besonders deutlich: Die Kardinäle sind heilfroh, dass sie endlich einen gefunden haben. Für sie ist die Sache damit erledigt; der Mann soll es machen, wir fahren heim. Und: man erwartet von ihm etwas.

Und dann ist da eben das eigene Unvermögen. Was kann ich kleiner Mensch schon tun? Da der große Gott und was bin ich?! Man sieht auf seine eigenen Schwächen. Und resigniert hin und wieder. Der Papst im Film resigniert völlig, da er überzeugt ist, keine Führungskraft zu sein. Schon gar nicht für eine Milliarde Katholiken.

Nächstes Jahr im März sind Pfarrgemeinderatswahlen; auch da können einzelnen von Euch Verantwortung übernehmen. Ich will das Papstamt nicht mit einem PGR von St. Gallen/ Unterlaussa oder dem Amt eines Kaplans in Eurem Pfarrverband vergleichen. Aber klar ist doch, dass es um Berufung geht. Wir sind berufen von Gott in unserer Pfarre mitzutun, damit sein Reich unter den Menschen bekannt wird und sich ausbreitet. Da sind Erwartungshaltungen anderer Christen und da ist eben unser eigenes Unvermögen.

Man kann vor dem Ruf weglaufen, wie es schon große Propheten getan haben. Jeremia etwa: Ich bin noch zu jung zum Reden. (Jer 1,6). Jona oder Elias. Auch sie versuchen dem Ruf des Herrn auszuweichen.

Heute erleben wir im Evangelium wie der Ruf des Herrn  an Maria ergeht. Es ist für uns eine Gebrauchsanweisung, wie wir mit unserer eigenen Berufung umgehen können.

Da ist die Anrede des Engels: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ <– In diesen einfachen Worten steckt so viel Großes. Der Mensch ist von Gott begnadet. Gott hat uns so viel geschenkt und da können auch wir Großes tun. Und das ist in erster Linie nicht Last, sondern Chance. Die deutsche Übersetzung des griechischen „Xaipe“ heißt in unserer Übersetzung „Sei gegrüßt!“ Auf steirischen dann wahrscheinlich „Grias di!“ Aber man kann es auch mit „Freue Dich!“ übersetzen. Das kann man im Hinterkopf behalten, wenn man den freudenreichen oder glorreichen Rosenkranz betet. „Freue dich Maria, du bist voll der Gnade…“

Naja, also Maria hat sich erstmal nicht gefreut. Nein,  „sie erschrak“ vielmehr. Oft bleiben wir bei diesem Erschrecken stehen. Regen uns auf, steigern uns rein, beschimpfen andere. Nicht so Maria. Sie [Zitat]„überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.“ [Zitatende]

Dieses SICH-ZEIT-LASSEN fehlt uns Menschen oft. Das man den anderen ausreden lässt, sich überlegt, was er meint und von mir will. Das ich in meinem Herzen überlege, was will Gott eigentlich von mir?!

Und hier sind wir in der Schule Mariens. SEIN Wort im Herzen bewahren. Darüber mit dem Kopf nachdenken, aber mehr noch mit dem Herz. Was dann letztlich mit dieser Botschaft des Engels in Maria geschieht, das lesen wir einen Abschnitt später im Lukasevangelium. Sie stimmt einen Lobgesang an Gott an: „Meine Seele preist die Größe des Herrn!“ (Lk 46b-55)

[Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.]

„Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“

In drei einfachen Satzteilen wird das Wunder Mensch beschrieben: Von seiner Empfängnis, zur Geburt bis zur Namensgebung. Drei Schritte, die den Menschen ausmachen. Der Mensch ist Mensch von Anfang an – von der Empfängnis an. Dann die Geburt, wo der Mensch das Licht der Welt erblickt und dann die Namensgebung, die es erst möglich macht, dass wir als Menschen miteinander in Kontakt treten. Und dieser Name ist Programm: Jesus auf hebräisch Joshua. Joshua ist der Bruder des Mose. Der Name heißt überesetzt „Gott rettet.“ Soll heißen: So wie Gott sein Volk nicht im Stich gelassen hat, als es aus Ägypten auszog, so lässt uns auch heute nicht im Stich.

„Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“

Und Fragen ist erlaubt. Es ist wichtig, dass wir kritisch bleiben und dass wir unseren Glauben immer wieder hinterfragen: „Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

Maria kann dieses Geheimnis letztlich nicht begreifen. Zumindest nicht mit ihrem Kopf/ Ihrem Verstand. Sie nimmt diese Botschaft mit ihrem Herzen auf. Sie öffnet ihr Herz für diese echte Gottesbegegnung. Interessanterweise sind hier alle drei göttlichen Personen beteiligt: Gott Vater, der den Engel sendet und Maria erwählt, der Heilige Geist – die Dynamik Gottes, die es MÖGLICH macht und der Sohn, den Maria in ihrem Leib empfängt.

Damit wären wir beim Kernstück, was Berufung ausmacht: Wir sind hineingenommen in diese dynamische Beziehung Gottes. Die drei göttlichen Personen des EINEN Gottes, pflegen untereinander eine Innigkeit, Harmonie und sind Grundmodell der Liebe. Und Christsein heißt letztlich, dass wir in diese Beziehung hineingenommen werden.

Das Evangelium, es endet wieder sehr schlicht:

„Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.“

Maria als Gottesmutter verehren wir am 01. Jänner, genau eine Woche nach Weihnachten, am Oktavtag von Weihnachten. Doch hier und jetzt im Evangelium erklärt sie über sich: ICH BIN DIE MAGD DES HERRN. Diese Demutshaltung ist vorbildlich. Dieses Vetrauen in Gott ist großartig. Und doch ist es eine äußerliche Geste, hinter der wir mit Recht mehr vermuten.

Dieses Bild der Frau Maria, die die Botschaft des Engels empfängt ist das katholische Menschenbild, das uns als Christen ausmacht: Die demütige Magd (Hände vor der Brust verschränkt), die in ihrem Herzen das Bild des dreifaltigen Gottes trägt (beide Hände ans Herz gedrückt), die hineingenommen ist in die Liebe des dreifaltigen Gottes (beide Hände bilden vor mir ein Herz) , die dann den Hymnus des Magnifikat singt (Hände in Orantenhaltung).

verwandter Link: Video – Interview mit Abt Martin über den neuen Papstfilm

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