Maria – Pforte des Himmels

Heute Abend darf ich mit den Mönchen von Seckau die Monatswallfahrt begehen. Dabei werde ich über Maria – die Pforte des Himmels predigen:

Im Mai diesen Jahres wurde ich durch Bischof Egon zum Priester geweiht. In meiner hessischen Heimat erlebte ich eine bombastische Primiz – bisher dachte ich sowas wäre nur in Österreich und Baiern möglich. Pater Samuel aus Fohnsdorf war mein Primizprediger. In seiner Predigt redete er auch einiges uff hessisch und schoss sich in die Herzen der Wöllstädter. Einen bekannten hessischen Ausspruch hat er damals aber in seiner Predigt nicht erwähnt: Bei der Mainzer Fassnacht fragt der Sitzungspräsidenten bevor der nächste Redner antritt: „Wollem´n roilasse?“ Und das Volk antwortet „Enoibid´m.“ (übs: „Wollen wir ihn hinein lassen. Herein mit ihm!“)
Also ganz demokratisch darf das Volk entscheiden, ob man jemanden reingelassen wird oder nicht. Es ist Spiel zur Fastnacht. Und doch steckt da für mich auch ein Schrecken drinn: der Mob entscheidet, wer rein darf oder wer nicht. Wenn es darum geht jemanden hinein zu lassen und jemanden draußen zu lassen, muss doch Herzensgüte im Vordergrund stehen. Oder geht es nur um mein eigenes Wohl?! In Admont bin ich Gastpater und damit mit allerlei Anfragen konfrontiert, wer ins Stift hineinkommt und wer nicht. Das ist dann oft gar nicht so einfach. Denn Bittsteller kennen ihre Tricks. Sie schicken andere vor, die eine Erstanfrage an mich richten, so dass ich fast nicht „Nein“ sagen kann. Oder sie erzählen die unglaublichsten Geschichten, die mich erweichen sollen. Doch bei alledem ist mir bewusst: An der Haustür und Klosterpforte kann das Jesuswort konkret werden: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Wenn wir uns den Begriff der Pforte in der Bibel anschauen und da besonders bei den heutigen Texten der Lesungen, wird klar, dass nicht wir diejenigen sind, die über andere entscheiden, ob sie reingelassen werden, sondern wir sind die, die draußen stehen. Die Trennung zwischen Himmel und Erde hat es so nicht immer gegeben. So gab es im Paradies diese Trennung nicht. Es ist ja in der Bibel davon die Rede, das Gott im Garten Eden spazieren geht. Angefangen hat das mit dem Ungehorsam der Menschen – mit Adam und Eva, die wegen ihrer Sünde aus dem Paradies vertrieben wurden: „Und Gott trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens bewachen“ (Gen 3,24) Und hier ist dann auch dieser Gegensatz zwischen Eva und Maria zu erkennen: Die Pforte des Himmels, die durch den Ungehorsam Evas verschlossen war und dann durch die gehorsame Dienerin Maria geöffnet wird. (–> Präfation „Maria, Pforte des Himmels“). Und das das Phänomen einer Tür – der der drinn ist darf entscheiden, wer herein kommt. Und so ist es natürlich von Vorteil, wenn man selber drinn. Wer ist schon gerne Bittsteller und steht draußen. Im Alten Testament ist dann interessant, das gerade dort, wo Menschen verfolgt werden, sie einzigartige Gotteserfahrungen machen, der Himmel öffneten sich ihnen einen Spalt. So wird Elija von der Königin Isabel verfolgt und begegnet in seiner Todesangst auf dem Gottesberg Horeb Gott im einem leisen Wehen. Und ebenso bei Jakob, der von seinem Bruder Esau verfolgt wird. Jakob und Elija sind beides vom Herrn Gesegnete. Und doch erfahren sie Verfolgung. Und in dieser Verfolgung öffneten sich ihnen der Himmel einen Spalt. Mich erinnert die heutige Erzählung von der Jakobsleiter ungemein an Weihnachten, wo sich der Himmel allerdings nicht nur einen Spalt weit öffnet. Da ist nämlich auch von einer großen Zahl von Engeln die Rede. Und auch in der Folge der Erzählungen des Evangelisten Lukas sehe ich eine Verbindung zu Jakob. Auch die junge heilige Familie wird auf der Flucht sein. Die großen Ansagen, die an Jakob und die heilige Familie gemacht werden, sie scheinen unerfüllbar. Wie soll ein verfolgter Jakob eine so große Nachkommenschaft zeugen? Wie soll ein Kind in einem Stall, weit weg von den Machtzentren der Welt, ein Herrscher sein? Dieses große und prächtige Tor zum Himmel scheint auf einmal nur noch eine kleine Stalltür zu sein?! Diese Spannung zwischen Groß und Klein wird besonders deutlich in Maria – die ja Magd und Gottesmutter zugleich ist. Ihr Kleines Ja wird zum wichtigsten und größten Ja da je von einer Frau gesprochen wurde. Und hier befinden wir uns plötzlich doch wieder im Haus und wir sind es, die IHN reinlassen müssen. „Siehe, ich steh vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Türe öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ So hat auch Maria in Nazareth sich geöffnet für die Botschaft des Engels. So wurde sie für uns alle zur Pforte des Himmels. Amen.

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