Jesus ist kein Wiener Busfahrer

der einen ohne Fahrschein einfach mal durchwinkt und sagt „Passt Schon!“

Meine Sonntagspredigt zu Christkönig

Liebe Schwestern und Brüder. Eine Ordensfrau ist Feuer und Flamme. Sie betet fromm, verpasst keine Gebetszeit und kümmert in der Stadt um benachteiligte Jugendliche. Das macht sie nicht einfach als Job, sondern sie opfert auch einen Teil ihrer Freizeit. In der letzten Zeit hat sie sich öfters um einen jungen Mann gekümmert. Er fühlt sich das erste Mal in seinem Leben richtig angenommen. Er teilt das der Schwester überschwänglich mit und bedankt sich bei ihr. Sie darauf: Ja, ich glaube an Christus und sehe in jedem Menschen ihn, dem ich dienen will. Daraufhin der junge Mann: „Schade!“ Der junge Mann hat gehofft, dass er geliebt wird, dass sich die Schwester um ihn kümmert, weil er so einzigartig ist. Und jetzt plötzlich stellt er fest, dass alles nur Projektion ist?! Dass diese Schwester „nur“ ihre religiösen Pflichten erfüllt hat. Aber hat sie denn den Menschen nicht gesehen, dem sie da geholfen hat? Ich glaube sicher, dass diese Schwester den Menschen gesehen hat und dass sie nichts Unedles getan hat. Wir Menschen sind versucht alles auf der rein menschlischen Ebene zu sehen. So ja vor einer guten Woche am Martinitag. Man läßt die Kinder das herrliche Spiel von der Mantelteilung spielen. Die Kinder lernen, dass es wichtig ist zu teilen. Doch dabei fehlt der letzte, wichtigste und alles entscheidende Satz der Martinslegende – er lautet: „Martin ritt nach Hause und in der Nach erschien ihm Christus im Traum, um ihm für den Mantel zu danken.“ Die Pointe der Geschichte ist weder das Teilen, noch die Hochherzigkeit. Sie ist nicht der Mantel, nicht das Pferd und nicht … Die Pointe besteht in der Lehre, dass Martin nicht einfach nur einen Bettler, sondern in ihm den Herrn beschenkt hat. (vgl. Johannes´ Blog) In der darauf folgenden Nacht erscheint dem heiligen Martin Christus, bekleidet mit der Hälfte des roten Mantels. Und dem heiligen Martin ist erst jetzt klar, er hat letztlich Christus bekleidet. 
Ja, muss der Bettler jetzt traurig sein, dass nicht ihm, sondern Jesus die Barmherzigkeit galt?! Es verhält sich hier ähnlich wie bei dem jungen Mann, den ich eben erwähnt habe. Nein, ich möchte die guten Taten der Christen nicht abwerten und dumm hinterfragen; ich möchte vielmehr daraufhinweisen, dass auch im Evangelium ein Schritt nach dem andern getan wird. Da ist von den „Gerechten“ die Rede, die wissen gar nicht, was sie Gutes tun. Sie sind gerecht, weil sie gerecht, gut und barmherzig handeln und sie wissen nicht, dass sie letztlich an Christus gut und gerecht handeln. So antworten sie dem Herrn ja ziemlich ahnungslos: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?“
 Das Evangelium bezeichnet eine Wende: Wenn Christus als König wiederkommt, dann wird offenbar, was wir Gutes und Schlechtes getan haben/ was wir Gutes und Schlechtes an IHM getan haben. Dh. die Zuwendung der eingangs erwähnten Ordensfrau, die Zuwendung des heiligen Martin gegenüber dem Bettler sind echt. Sie wenden sich erstmal ganz dem Notleidenden zu. Und dann im zweiten Schritt, der spätestens am Ende aller Tage vollzogen wird, darf ihnen bewusst werden, dass sie dem Herrn Jesus Gutes getan haben. Es geht beim heutigen Evangelium um die Konsequenzen unseres Handelns. Dass einst ein Scheinwerfer angeschaltet wird (Spot On). Und dann sehen wir, was wir in dieser Welt getan haben und was wir unterlassen haben. Es geht Jesus aber auch letztlich auch darum, dass ein Herausreden nicht mehr möglich ist. Der Hungrige, der Fremde, der Kranke <– sie alle sind so konkret, kommen in irgendeiner Weise in unserm Leben vor: In Ihrem Leben, in Ihrem Leben und in meinem Leben. In den Himmel kann ich mich nicht reinschleichen, ich kann auch nicht einfach das Lied anstimmen „Es kommen alle alle in den Himmel!“ „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.“ Dann wird er nicht brav mit dem Kopf nicken: „Passt schon!“ und uns durchwinken. Er wird uns an unseren konkreten Taten messen. Bei vielen Christen darf man nicht mehr von der Hölle reden. Da heißt es dann Frohbotschaft statt Drohbotschaft. Aber Jesus spricht sehr deutlich heute vom ewigen Feuer. Bei allem Wegdiskutieren der Hölle wird deutlich, dass wir Menschen sehr wohl dazu fähig sind uns die Hölle zu schaffen: Atombombe. Holocaust. Daran wird deutlich, dass wir Menschen uns letztlich die Hölle selber schaffen. Man kann aus diesem Dilemma aussteigen und das Angebot Gottes in der Beichte annehmen; man kann es aber auch ablehnen und somit an sich selbst zugrunde gehen. Nutzen wir die Gelegenheit, die uns in dieser Messfeier geschenkt ist und lassen wir unser Herz von der Sonne Gottes schmelzen. Amen.

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