hl. Elisabeth – eine Heilige Europas und der Ökumene

Im römischen Kalender steht die heilige Elisabeth schon heute drin. Die Katholiken Österreichs und Deutschlands feiern sie am Samstag. Mich als Hesse freut es natürlich ungemein, dass die Stammmutter des hessischen Herrscherhauses auch in Österreich gefeiert wird (ihr Enkel war der erste hessische Landgraf). In meinem Pfarrverband haben wir sie schon am vergangenen Sonntag hoch leben lassen. Verbunden mit dem Elisabethsonntag ist immer die Möglichkeit, während der heiligen Messe das Sakrament der Krankensalbung zu empfangen.

Meine Predigt vom vergangenen Sonntag. Lob auf die Frau – so lautet eine Lesung aus dem Buch der Sprichwörter, die nicht ganz politisch korrekt ist, da sie die Frau als so ne Art Eigentum ansieht: „Eine tüchtige Frau, wer findet sie, sie übertrifft jede Perle an Wert…“ Das Lob auf die Frau, man kann und darf es gerade am Fest der heiligen Elisabeth anstimmen. Eine Frau, die in ihrem kurzen Leben so viel Gutes getan hat und die uns fast 800 Jahre nach ihrem Tod Fürsprecherin und Beispiele für ein gelungenes Leben gibt. 
Die heilige Elisabeth ist sowohl eine Heilige Europas als auch eine Heilige der Ökumene.
eine Heilige Europas: Geboren im Nordosten Ungarns als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. kam sie schon als Kind nach Eisenach/ Thüringen. Dort wurde sie mit dem thüringischen Landgraf Ludwig IV. vermählt. Mit zwanzig Jahren starb ihr Mann. Sie zog ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes nach Marburg, wo sie nach allerhand Streitigkeiten mit den Verwandten ihres Mannes endlich leben durfte. Dort starb sie vierundzwanzigjährig. Die Heiratspolitik Adliger über Ländergrenzen hinweg ist nichts besonderes, das Schöne daran aber ist, wie Elisabeth heute in all diesen Ländern und eben auch besonders in Österreich, wo sich in Wien seit 1548 Reliquien der Heiligen befinden, verehrt wird. Ihr Grab in Marburg an der Lahn entwickelte sich zu einem der größten Wallfahrtsorte des späten Mittelalters. Einer ihrer direkten Nachfahren Philipp I. von Hessen lies ihre Reliquien verschwinden. Wollte als Anhänger Luthers keine Verehrung seiner Urururur…großmutter. Seit dieser Zeit ist Marburg mit der ersten protestantischen Universität eine Hochburg der Reformation. Es scheint auf dem ersten Blick nichts mehr übrig von der heiligen Elisabeth. Und ich kann das bestätigen. Marburg in Hessen ist eine wunderschöne Stadt und doch: wenn man aus dem Auto oder dem Zug steigt, riecht dort nichts Katholisches. Da ist die Elisabethkirche und darin befinden sich zwei wertvolle Schreine bzw. Grabmäler dieser großen Heilige. Doch beide leer. Als Katholik tut mir das Weh und ich frage mich, warum diese Spaltung? Warum wurden ausgerechnet die Orte, wo die heilige Elisabeth gewirkt hatte (Eisenach und Marburg), zu Zentren der großen abendländischen Kirchenspaltung? Und doch ist sie auch eine Heilige der Ökumene, denn kaum eine andere Frau wird bei den Protestanten so verehrt: So gibt heute viele Einrichtungend der Diakonie (Altenheime, Spitäler) die den Namen Elisabeths tragen. Wie geht das, wo die Reformatoren doch einst die Verehrung der Heiligen abschalten wollten? Ich kann es mir nur so erklären, dass Elisabeths Liebe unendlich groß war: zu den Armen und Kranken. Aber auch ihre Feinde hat sie geliebt, so wie es auch im Evangelium steht: „Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.“ Diese Liebe sprengt alle Grenzen der Konfessionen und Länder. Selbst der eiserne Vorhang war für ihre Liebe kein Hinderniss: in der „DDR“ wurde Elisabeth von den Christen gefeiert; dort entstand auch das Lied „Wenn das Brot das wir teilen als Rose blüht!“ Ihre Liebe war sehr konkret und wurde in ihrem Leben gefordert. Da war zB die Verwandtschaft ihres verstorbenen Mannes. Es ist ging wie so oft ums liebe Geld und man sah sie mehr als Gefahr, als dass man sie als eine liebe Schwägerin annahm. Ich erinnre mich daran, wie oft wir uns in unserem familiären Kleinkrieg die Luft zum Atmen nehmen. Und wie Elisabeth aus dieser Situation etwas gemacht. Sie wurde von ihren Verwandten nicht anerkannt. Ging sodann nach Marburg und sorgte sich um die Armen. Dieses Nicht-Resignieren. Das taugt mir; als Witwe hatte sie ihre ganze Liebe verloren. Sie hätte auch verbittert sein können, doch statt dessen hat sie eine neue Möglichkeit gefunden Liebe weiterzugeben:
Sie kümmerte sich von nun an um die Ärmsten in der Stadt. Das Leben eine adligen Frau im 13. Jahrhundert war sicher nicht so entbehrungsreich wie das Leben auf einem Bauernhof. Und doch gab es Zwänge und Mauern. Adlige Frauen lebten so meist abgesperrt, beschützt vor bösen Welt da draußen. Und der junge Landgraf und später Verwandtschaft wollten Elisabeth vielleicht wirklich einfach nur schützen/ hatten edle Motive. Elisabeth hat diese Mauern durchbrochen. Hat diese Grenzen zwischen Burg und Slums der Stadt überbrückt. Beten wir zu Gott, dass auch wir immer wieder Neuland betreten; dass wir als Kirche, als Pfarre als Familie, aber auch jeder einzelne von uns, die Not der anderen sehen und uns ihrer annehmen.

Meine Lieblingslegende zur heiligen Elisabeth

Es wird berichtet, dass die heilige Elisabeth einmal auf dem Weg zur Kirche einer dicken, häßlichen Frau begegnete, der sie oft Almosen gegeben hatte. An einer engen Stelle, wo man Feldsteine in den Straßenschlamm gelegt hatte, damit man den Weg überqueren konnte, stieß die Frau Elisabeth absichtlich in den Schmutz. Diese empfand weder Zorn noch Bitterkeit, sondern stand lachend auf und wusch ihre Kleider am Brunnen. Aus Liebe zu ihrem Herrn Jesus Christus, der Hohn und Spott, Schläge und die Kreuzigung erduldet hatte, konnte Elisabeth Erniedrigung, Demütigung und Anfeindung heiter und gelassen aushalten.
Ich liebe die Menschen, weil sie liebenswert sind oder
ich liebe die Menschen, damit sie liebenswert werden.

verwandte Links:
Jobo über Elisabeth und Europa
Benedikt XVI. und die heilige Elisabeth von Ungarn 

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2 Gedanken zu “hl. Elisabeth – eine Heilige Europas und der Ökumene

  1. Pingback: Elisabeth, du Fürstin mild « Preiset den Herrn!

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