Die klugen Jungfrauen und die Maus Frederick

Am Freitagabend bin ich mit meinem Polo im Eiltempo von Altenmarkt nach Stainach gefahren. Ich wollte pünktlich sein. Nein, Unpünktlichkeit ist nicht meine Art und ich geniere mich sogar zu spät ins Chorgebet zu kommen, da ich die Unruhe oft nicht aushalten kann. Da gibt es Menschen, die lassen einen warten, kommen dann endlich und liefern dann irgendeine Begründung, ohne sich zu entschuldigen. Ich nenne sie gerne Zeiträuber, denn sie rauben uns die Zeit und halten sich selbst für furchtbar wichtig.

So verstehe ich denn auch nicht, dass der Bräutigam, der heute im Evangelium erwähnt wird, später kommt. Ja, kann er denn nicht pünktlich kommen, dass alle rechtzeitig mit der Feier beginnen können. Und dann seine Reaktion. Unverhältnismäßig reagiert er. Mitten in der Nacht entlässt er die dummen Mädchen, ohne Taxi, ohne Nachtbus in der Dunkelheit.

Es handelt sich um ein Skandalgleichnis. Denn was der Herr da tut, gehört sich nicht in unseren Augen: Zu spät kommen und dann die jungen Damen vor die Tür setzen.

Die mitleidlose Strenge macht deutlich, dass das Gericht am Ende aller Tage streng und radikal ist. Nichts wird einem da geschenkt. Das erinnert mich an ein anderes Wort Jesu: Wer hat, dem wird gegeben; wer wenig hat, dem wird auch das wenige genommen, was er hat.

Die letzten Sonntage des Jahreskreises erinnern uns, dass der Herr einst wiederkommen wird. Nahtlos geht diese Zeit in die Adventszeit über, wo wir ja auch auf das Kommen des Herrn warten.

Fünf der jungen Frauen sind gut präpariert. Sie haben genug Öl dabei.

Was ist mit dem Öl gemeint. Es gab so viele Deutungsversuche: die Liebe, die Geduld, der Glaube, die Freude?!

Was letztlich gemeint ist, wissen wir nicht. Jesus lässt es vielleicht bewusst offen.

Er gibt uns in diesem Gleichnis keinen konkreten Auftrag, was zu tun ist. Man muss selbst drauf kommen, quasi unserm Herrgott den Wunsch von seinen Augen ablesen.

Es muss uns also darum gehen möglichst viel Öl zu sammeln. Kann es nicht darum gehen, dass wir Christen Reichtum an guten Gedanken und Einsichten anhäufen sollen. Weisheiten, die wir in uns bewahren. Von solchen Einsichten kann man dann, wenn es kalt wird und Winter wird leben.

Ein Schatz in uns. Ähnlich die Geschichte der Maus Frederick, die wir vielleicht als Kinder mal gelesen haben oder unsern Enkeln und Kindern vorgelesen haben: Zuerst wird der Sommer geschildert. Die übrigen Mäuse sammeln Vorräte, Körner, Nüsse usw. Frederick scheint gar nichts zu sammeln; er steht nur da und reizt die anderen Mäuse zum Zorn. Auf Anfrage hin sagt er, ich sammle Farben. Als dann zum Ende des Winters (in der Obersteiermark dürfte das dann Ende April sein) die Vorräte zuneige gehen (goa wurden), beginnt Frederik ihnen von den Farben zu erzählen, die er gesammelt hat. Vom Moos, dem Licht, das durch die Blätter der Bäume scheint, den Blumen… Die Mäuse sind begeistert und wärmen sich an diesen Gedanken: „Du bist ja ein Dichter, Frederick.“

Frederick hat aus seinem Schatz gelebt und daraus sich und andere ernährt.

Genauso gibt es Geschichten der Bibel, die wir in unserm Innern bewahren, Erlebnisse, wo wir Gott ganz nahe waren, Begegnungen mit Menschen.

Das ist alles ist ein Schatz den wir in unserm Herzen tragen, von dem wir zehren.

Es ist das Öl in unsern Lampen, das uns hilft durchzuhalten. Bis wir dann bei dieser genialen Hochzeitsfeier dabei sein dürfen. Heute beim Evangelium war die Tür zum Hochzeitsaal ein bisschen geöffnet. Beten wir, dass diese Tür einst hinter uns und nicht vor uns verschlossen wird.

…und seit KTVUZG muss ich auch die Quelle nennen: einige gute Gedanken aus dieser Predigt stammen aus dem Buch Klaus Berger: Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Meditationen zu den Sonntagsevangelien. Lesejahr A, Freiburg 2007.

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