Du sollst dich nicht Vater nennen lassen

Meine Predigt –
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand sich einmal folgende Karikatur:
Ein komfortabler Wohnraum in einem riesigen Haus, ein Ehepaar sitzt auf dem Sofa. Gegenüber der Besuch. Er fragt: Ihr habt ein riesiges Haus, das geheizt werden muss, habt alle modernen, elektrischen Geräte, fahrt ein dickes Auto. Tut ihr eigentlich irgendetwas für die Umwelt? Das Ehepaar schaut und antwortet: Ja, wir wählen Grün.

Bekenntnis zu einer Partei, einem Verein oder eben der Kirche ist das eine. Aber das auch zu leben, steht auf einem anderen Blatt. Nein, eigentlich steht es auf dem gleichen Blatt. Denn ein ausgesprochenes Bekenntnis, das auch durch einen entsprechenden Lebensstil untermauert wird, das ist fest und glaubwürdig. Man nennt das auch „authentisch“.

Dafür brauchst nicht in die Kirche gehen um das zu erfahren, dennoch Jesus hat auch diesen Umstand erkannt. Zuerst einmal sieht es so aus, als ob er sich die Pharisäer vornimmt. Aber letztlich geht es ihm um seinen eigenen Verein. Er schaut auf seine Jünger, er war schon eine Zeit mit ihnen zusammen, kennt seine Pappenheimer und sieht, dass es ihnen auch nicht immer nur um das Dienen geht. Ihnen ist ein hoher Posten oder eine angesehene Stelle wichtiger.  Dabei sagt Jesus doch von sich: „Ich bin gekommen wie einer, der dient!“

Dieses Geheimnis des Dienens erschließt sich für seine Jünger und uns erst am Gründonnerstag im Abendmahlssaal. Da geht der Meister vor seinen Jüngern auf die Knie und wäscht ihnen die Füße.

Das heutige Evangelium ist vor allem aber Kritik am Klerus. Und das ist auch das Interessante am Christentum: dass Kritik möglich und erwünscht ist, Erneuerung möglich und erwünscht. Dadurch dass wir einen Vater im Himmel haben, dadurch dass Gott in Christus Mensch geworden ist, erscheint uns Gott als Gegenüber. Damit ist ein hoher Anspruch für uns als Menschen/ als Getaufte verbunden. Wir können uns schließlich als Christen nicht einfach wegschleichen, er ist ja bei uns.
Dadurch dass da ein lebendiges Gegenüber ist, ist aber auch Korrektur immer und immer wieder möglich. Diese Gottesbegegnung, die Christusbegegnung wird gerade an den hohen kirchlichen Festen greifbar. Wenn Gott an Weihnachten hilflos als Kind in der Krippe liegt, wenn er in der Karwoche leidet, wenn er an Ostern glorreich aufersteht und schließlich zu seinem Vater in den Himmel einkehrt.

Wenn Gott ganz unten liegt, wenn er ganz oben ist, dann scheint uns die Begegnung mit ihm besonders leicht. Wenn er unten ist, scheint sie uns leicht, weil wir darin erkennen, dass er mit uns leidet. Wenn er ganz oben ist, erkennen wir ihn als den, der viel größer ist und erhaben ist und der uns einst aus diesem Jammertal rausholen wird.

Liebe Brüder und Schwestern. Aber auch diese Zwischenposition sollten wir nicht außer Acht lassen. So wie der Herr Jesus Christus durch Galiläa und Judäa zieht, wollen wir ihn am heutigen Sonntag, in dieser neuen Woche ein mal besonders betrachten.

Er ist nicht der, der Autorität ablehnt. Nein, ganz im Gegenteil: Er erwähnt ja zu Beginn des Evangeliums, dass die Pharisäer auf dem Stuhl des Mose sitzen und dass wir tun sollen, was sie uns sagen.

Du sollst Dich nicht Vater, Mutter, Lehrerin, Lehrer, Meisterin und Meister nennen lassen. Denn nur einer ist euer Vater, Meister, Lehrer usw.. DER IM HIMMEL.

Wir Katholiken haben einen Vater, sogar einen HEILIGEN Vater. Ja, ham wir den Jesus jetzt nicht verstanden oder hat er das eh nicht so gemeint?!

Ich glaube, dass sich ein Papst Benedikt und mit ihm jeder rechtschaffene Katholik darüber im Klaren ist, dass schwierig ist, sich so zu benennen. Ich selber unterschreibe meine Post inzwischen auch mit „Pater Ulrich“ also „Vater Ulrich“.

Auch der heilige Benedikt nennt den Klostervorsteher Abt – Vater. Das hat sich der heilige Franziskus nicht mehr getraut, eben wegen des heutigen Evangeliums.

Benedikt richtet sein Kloster ganz auf Christus aus. Und so ist es der Abt, der uns zu Christus führen soll, uns Mönchen Christus zeigen soll.

Und dies trifft nun für jeden Meister, Lehrer und Vater zu. Er ist das nie aus sich heraus, sondern hat Teil am Führungsamt. Das heißt, Gott hat uns Menschen dazu berufen füreinander da zu sein.

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