Ihr Heuchler

Jesus ist umzingelt. Vielleicht habt Ihr schon einmal eine ähnliche Situation erlebt: Familienangehörige, Arbeitgeber und Mitarbeiter oder gar sogenannte „Freunde“, die sich gegen Sie verschworen haben. Hinter dem heutigen Evangelium steht auch ein Faszinosum des Bösen. Gruppen oder Interessenvertretungen, die nie – wirklich nie – zusammengefunden hätten, haben einen gemeinsamen Feind und verschmieden sich so. Und das Opfer steht da, hilflos, nach Luft schnappend. Nicht so Jesus, den er hat Autorität. Hier wird seine ganze Autorität sichtbar. Er steht dabei nicht geistesabwesend über den Dingen, sondern: was er sagt, hat Hand und Fuß.

Die beiden Gruppen von denen hier die Rede ist, sind die Schriftgelehrten, die Pharisäer, die haargenau darauf achten, dass jeder Israelit das Gesetz des Mose einhält und auf der anderen Seite die Kollaborateure der römischen Besatzer; sie werden im Text „Anhänger des Herodes“ genannt. Sie unterstützen die Mächtigen und hoffen vielleicht so auch ein wenig von der Macht abzubekommen. Sie merken, es geht bei beiden Gruppen um Menschen, die Macht über den anderen ausüben wollen.

Aber will die Gottesherrschaft und mit ihr die Kirche nicht auch Macht über den Menschen ausüben?! Der tiefste Sinn des Gottesreiches ist ein anderer: Es geht darum, dass das Abbild Gottes, das in uns grundgelegt ist, wieder zum Vorschein kommt. Das Gottesreich kennt keinen Machterhalt, der nur dazu da ist, eben diese Macht zu verteidigen, sondern das Gottesreich sagt erst einmal JA zu jedem Menschen und will diesen Menschen – Dich und mich – in der Liebe vervollkommnen.

Wenn man in Liebe zu seinen Mitmenschen spricht, braucht das aber Deutlichkeit. Dinge beim Namen nennen <– das ist die Sache Jesu. Seine Gegner nennen ihn Meister und machen ihm sogar noch ein liebes Kompliment, haben dabei aber das Messer schon gezuckt. Jesus hingegen spricht seine Gegner mit „Heuchler“ an. Nicht gerade scharmant. Aber bei Jesus handelt es sich nicht um einen weichgespülten Messias, der nur dazu da ist um uns Nettigkeiten zu sagen. „Ihr Heuchler“. Nein, es tut ihm nicht leid, dass er das gesagt hat und er nimmt es auch nicht nach einem Aufschrei der Jerusalemer Morgenpost und einiger betroffenen Pharisäer zurück. Er sagt und handelt aus Liebe. Es geht ihm auch nicht darum, dass er Angst hat, dass seine Autorität untergraben wird. Wenn es ihm darum gehen würde, wäre er nicht für uns am Kreuz gestorben. Ein bisschen ist es aber schon Taktik, die Jesus hier walten lässt. Die Wege Gottes sind anders als die der Menschen. Er ist der HERR und lässt sich sein Gottesreich gerade dort gedeihen, wo man es nicht vermutet. Ein Beispiel dafür liefert uns auch die erste Lesung. Da ist vom König Kyrus unter dessen Herrschaft die Israeliten einst standen. Und jetzt spielt der Prophet Jesaja ein provokantes Gedankenspiel: Gott nimmt sich Kyrus als Werkzeug. Er ist der Mächtige und warum soll er diese Macht nicht einem Fremdherrscher gegeben haben. Ähnlich dann 500 Jahre später. Inzwischen heißt der Fremdherrscher im eigenen Land Kaiser Augustus.

Und in der Tat zeigt sich später (oft in unserm Leben viel später), dass das Römische Weltreich die idealen Bedingungen zur Ausbreitungen des Christentums geschaffen hatte (Verkehrswege, Sprache, Städte usw..).

Wir beschränkte Menschen sehen in allem sofort das Böse. Jesus hat als Gottessohn einen gewissen Überblick. Die Pharisäer sehen das Böse, wenn sie jmd. erwischen, wie er gegen das Gesetz verstoßt. Die Anhänger des Herodes vermuten ihn jedem Volksauflauf (und den hat es beim Messias Jesus immer gegeben) sofort einen Volksaufstand gegen Rom.

Letztlich schwingt in diesem Evangelium auch das „Habt keine Angst, fürchtet euch nicht!“ mit, dass Gott konsequent zu uns sagt.

Auch unsre Zeit bietet so viele Möglichkeiten der Verschwörungstheorien, die runter ziehen könnten: Der erstarkende Islam, die Weltwirtschaftskrise, die Klimakatastrophe. Alles Bewegungen, die man ernst nehmen kann, die uns aber doch nicht in unserm Grundfesten erschüttern sollten.

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott was Gott gehört. Wir sollen also brav unsre Steuern zahlen. <– also der erste Teil ist mal klar. Aber was gehört Gott?

Unser Alttestamentler in Salzburg hat uns mal darauf aufmerksam gemacht. Was ist das Wichtigste in der Bibel? Was ist der Höchste Wert den Gott in der Bibel setzt? 70 Theologiestudenten im Hörsaal versuchten Antworten zu geben: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Gottes Reich usw..

Die einfache Antwort ist: das Leben.

Gott will das Leben. Es gehört IHM. Er ist der Gott des Lebens. Er will uns ganz an sich ziehn und so in der Liebe vervollkommnen. Amen.

 

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Lesungen des Sonntags
Predigtvideo P. Hans Buob SAC auf gloria.tv

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