Sonntagste Rock

Letzte Woche war ich mit 30 anderen Kaplänen Unserer Diözese Graz-Seckau in Seggauberg bei Leibnitz zur Kaplanswoche. Wir trafen uns mit Bischof und Generalvikar, tauschten uns aus und hörten Vorträge zum Thema „Priester und Laien“. Praktisch alle Kapläne waren priesterlich gekleidet – mit weißem Kragerl und so… Einer der Kapläne wies daraufhin, dass es doch sehr leicht sei, sich unter seinesgleichen so zu kleiden. Aber würden wir auch außerhalb kirchlicher Räume Zeugnis von unserer Berufung geben?!
Die Zeiten, in denen man mit Priesterkleidung in der Gesellschaft etwas besseres darstellt sind gottlob vorbei. Das heutige Evangelium weist uns eindringlich darauf hin, was die Kleidung eines Mönchs, einer Ordensschwester, eines Priesters uns wirklich sagen sollen; unsere Kleidung weist darauf hin, dass wir zu einem himmlischen Hochzeitsmahl geladen sind. Etwas ungewohnt erscheint es uns Menschen des 21. Jahrhundert schon, dass Gott – und er ist ja ohne Zweifel mit dem König gemeint – an solchen Äußerlichkeiten Anstoß nimmt: „Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen?“
Er, der auf das Herz jedes Menschen sieht, er, der die Reinigungsvorschriften der Juden eher in Frage stellt, mit Sündern und Zöllnern isst. Warum spielt bei Ihm das G’wand eine so wichtige Rolle? Ich bin der Überzeugung, dass das Äußere aufs Innere schließen lässt.
In meiner hessischen Heimat gibt es für die feinste Kleidung, die man im Haus hat, einen Ausdruck, der da heißt: das sonntagste Gewand – die sonntagsten Schuh, der sonntagste Rock usw. Durch unsere Kleidung am Sonntag machen wir deutlich, dass der Sonntagsgottesdienst eine Vorwegnahme dieses himmlischen Hochzeitsmahles ist.
Eine Hochzeit ist sicher absoluter Höhepunkt im Leben einer Familie – in unserm Fall stellt der dreieine Gott in sich so ne Art Familie dar. Der Sohn freut sich mit dem Vater und dem Geist. Der Geist freut sich mit Vater und Sohn. Der Vater freut sich mit Sohn und Geist. Diese Freude kommt in einem Fest zum Ausdruck. Der Vater erscheint mir als einer, der uns als geladene Gäste
In den Evangelien der vergangenen Sonntage kam immer wieder zum Ausdruck, dass wir uns entscheiden dürfen oder auch müssen. Als Arbeiter im Weinberg, als Pächter des Weinbergs usw. Diese Entscheidungsphase findet hier auf der Erde statt. Was uns der Evangelist Matthäus heute beschreibt, ist nichts anderes als das Jüngste Gericht. Die eigentlich Geladenen sind nicht gekommen; und noch ärger: Sie haben die Einladung nicht nur abgelehnt, sondern haben die Boten des Königs umgebracht.
Oft sagen Menschen, die sich ihrer Sünden nicht bewusst sein wollen: „Umgebracht habe ich eh noch niemanden“. Auch wir Christen denken, dass wir eh zu den Geretteten gehören. Aber, Brüder und Schwestern, das haben die Juden auch gedacht. Spätestens wenn man denkt, man hat es erreicht, ist es vorbei. Gott lädt uns ein zur Hochzeit.
Es liegt an uns, dass wir diese Einladung annehmen. Dass wir uns innerlich und äußerlich vorbereiten.
Der Herr erscheint uns in diesem Evangelium gar nicht so barmherherzig, wie an anderer Stelle. „Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen…Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.“
Das liegt daran, dass Matthäus den Tag des Gerichts, den Tag des Endes der Welt beschreibt. Deswegen gilt einmal mehr: Die Zeit der Barmherzigkeit ist jetzt. Legen wir uns vertrauensvoll in seine barmherzigen Arme, wenden wir uns unserm barmherzigen Gott zu. Solange noch Zeit ist. Amen.

verwandter Link: Lesungen des 28. Sonntag im Jahreskreis A

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