mein Ja

Ich war einmal im Zisterzienserkloster Mehrerau (Bregenz) zu Besuch. Die Zisterzienser leben ja auch nach der Regel des heiligen Benedikt. Vor jeder Liturgie stellen sich die Mönche dort in Stille zum Gebet auf, um dann gemeinsam in die Kirche einzuziehen (statio). Vor Ihnen: die Kirchentür. Und gleich daneben hängt das 72. Kapitel der Regel unseres Ordensvaters Benedikt. Da stehen dann Sätze wie:

  • Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen;
  • ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen;
  • im gegenseitigen Gehorsam sollen sie miteinander wetteifern;  
  • keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen;
  • die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen;
  • in Liebe sollen sie Gott fürchten;
  • ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan.
  • Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen.
  • Er führe uns gemeinsam zum ewigen Leben.

Bei uns in Admont hängen diese Worte inzwischen auch in der Sakristei an entsprechender Stelle. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass unser Gebet immer auch mit unserm Tun in Einklang stehen muss.

Oft kommt mir vor, dass wir als Christen einen riesigen Katalog bekommen, den es einzuhalten gilt. So das 72. Kapitel unserer Regel oder die heutige Lesung des Apostels an die Philipper. „einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig“. Das sind alles Ideale zu denen wir einmal Ja gesagt haben (in der Firmung, in der Ordensprofess), die wir aber doch nie erfüllen können. So harmonisch erlebe ich mich nicht; sicher ist das bei Euch hier in Weißenbach/ St. Gallen/ Altenmarkt anders und ihr lebt so, dass „ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut einer den andern höher einschätzt als sich selbst.“ Aber vielleicht, hat der eine oder andere von Euch auch Probleme damit.

Paulus beschreibt hier nicht einfach die ideale Pfarrgemeinde, sondern er setzt dieses Tun der Pfarrgemeinde in unmittelbaren Zusammenhang zum Tun Gottes. Er nennt das Ganze dann „Leben in Christus Jesus“. Unser HERR hat uns nämlich dieses Beispiel des Dienens gegeben. ER ist also nicht ein Gott der zu uns sagt, kleiner Mensch, jetzt mach Dich mal noch kleiner, sondern er ist Gott, der sich selbst klein macht, in den Staub wirft, sich verspotten läßt…

Jesus weiß, um unserer Schwäche. Er weiß, dass unser Ja oft ein kleines Nein in sich birgt, und dieses Nein wird größer und größer – wie ein Krebsgeschwür – und gewinnt schließlich. Er weiß aber auch umgekehrt, dass das Nein zu Ihm und Seinem Angebot an uns, oft auch nur aus aufgeblasener Luft besteht und immer kleiner und kleiner werden kann, wenn wir die Luft raus lassen und uns voll Vertrauen ihm, unserm Gott zuwenden.

In einer Welt, die das Dunkel kennt, das Nein zum Leben, zum Menschen, zur Natur, ist es kein Wagnis, sich anzupassen und das Nein weiterzugeben. Das Abenteuer heißt: Ja zu sagen. Mein Ja. Leise vielleicht, aber unüberhörbar. Ja zu mir selbst, meinen Möglichkeiten, Grenzen und Träumen. Offen bleiben und vertrauensvoll. Meine Meinung vertreten. Älter werden, ohne das Kind in mir aufzugeben. Ja sagen zu den anderen. Jemanden neu entdecken, den ich zu kennen glaube. Mich binden und loslassen können. Streiten, ohne zu zerstören. teilen, was mir wichtig ist. In mir bewahren, was selten wird: Güte und Mitleid, Dankbarkeit, Zärtlichkeit. Ja sagen zu dieser Zeit. Nicht alles abschieben auf „die da Oben“. Selbst etwas tun. Meine Bequemlichkeit überwinden. Dazulernen und unterwegs bleiben, gemeinsam mit anderen Frieden versuchen, im Kleinen beschützen und stärken, was scheinbar schwach ist. Ein Kind, einen alten Menschen. Mein Ja zum Leben in einer Welt, die das Nein kennt, ist ein Abenteuer. Eines, das Sinn hat.

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