Maria, die Kompassnadel

Predigt zum Fest Maria Geburt

Als ich 1991 das erste Mal nach Berlin kam, besuchten wir auch die Museumsinsel. Diese befindet sich in Berlin-Mitte und Berlin-Mitte war bis 1990 Teil der „DDR“. Dort war unsere Füherin auch noch aus der „DDR“-Zeit. Gekonnt zeigte sie uns die antiken Schätze inklusive Pergamonaltar. Wenn sie eine Zeit erwähnte, sprach sie nicht von „vor“ oder „nach Christi Geburt“, sondern immer von „vor“ oder „nach unserer Zeitrechnung“. Für uns als waschechte Wessis ein Unding. Wir sahen darin die Ideologie eines gottlosen Staates. Vor 20 Jahren war es nämlich in Westdeutschland noch absolut gebräuchlich, dass man die Zeit, in eine Zeit „vor“ und „nach Christus“ einteilte. Man musste dabei gar kein Christ sei, sondern einfach nur anerkennen, dass mit diesem Jesus Christus etwas Neues anfängt.

Spätestens bei dieser Begrifflichkeit merkt man, wer sich durchgesetzt hat. Es wird immer so getan, als ob der Westen gegenüber dem Osten triumphiert hat. Aber, was die Säkularisierung betrifft, wage ich das in Frage zu stellen. Heute ist es landauf landab in den Museen und im Geschichtsunterricht üblich, dass man es tunlichst vermeidet, von Jesus Christus als Angelpunkt der Zeit zu reden.

Die neue Zeit, die mit Christus beginnt, wird am Weihnachtsfest deutlich. Gott wird Mensch. Und durch seine Menschwerdung, werden wir als Menschen geheiligt und können teilhaben an Gott. Die Geburtstage Mariens und Johannes des Täufers werden nur deshalb in der Kirche gefeiert, weil sie unmittelbar mit der Menschwerdung Gottes im Zusammenhang stehen.

Eine neue Zeit erhoffen sich auf der ganzen Welt Menschen: Einige wollen einen islamischen Gottesstaat, andere einen säkularen Staat, in dem, Kirche und Religion nichts zu sagen haben, einige hätten am liebsten wieder einen Kaiser, andere einen kommunistischen Staat.

Es gab zu allen Zeiten Hoffnungen auf etwas Neues. Auch zur Zeit Jesu. Herodes der Große (* um 73 v. Chr.; † im März 4 v. Chr. in Jericho) stand wie Kaiser Augustus für eine neue Zeit. Sie sollte herrlicher sein, als alles was es davor gab. Paläste und vor allem der Neubau des Tempels in Jerusalem sollten diese Großartige nach Außen hin zeigen. Und da sind wir an einer umstrittenen Stelle angelangt. Darf ein weltlicher König nochmal einen Tempel bauen. Der Tempel steht nämlich in besonderer Weise für die Herrschaft Gottes. Ist ein Wiederaufbau des Tempels nicht Aufgabe des kommenden Messias? Darüber streiten die Juden bis heute.

In diese Zeit der Blüte während des Königs Herodes wird Maria geboren. In ihr, das heißt in ihrer Leibesfrucht erfüllen sich alle Erwartungen. Sie wird in der lauretanischen Litanei nicht als „Tempel“ angerufen, aber es gibt Bilder, die mich durchaus an einen Tempel erinnern:

Du starker Turm Davids. Du elfenbeinerner Turm. Du goldenes Haus. Du Bundeslade. Gottes Du Pforte des Himmels.

Ein Tempel ist ein Bollwerk des Glaubens, die Gottesherrschaft wird manifestiert. Katholiken sind nicht gerade als die großen Revoluzzer bekannt. Ganz im Gegenteil: Ihnen wird vorgehalten, dass sie sich mit den Mächtigen engagieren, sich ihren Teil vom Kuchen besorgen usw. Nazi- und Frankoregime ist hier zu nennen und gerade beim ersteren darf man sich fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn der Papst etwas gesagt hätte – aber nachher ist man immer klüger.

Kirche wird wahrgenommen als Ort der Doppelmoral, der Scheinheiligkeit. Als eine Institution, die den Herrschenden schützt.

Wir haben Kirche sicher anders wahrgenommen. Sind in Ihr geborgen und werden durch die Sakramente gestärkt. Persönliche Gottsuche und Leben in Gemeinschaft <– das alles erleben wir positiv in der Kirche. Dennoch finde ich es interessant, wie unsere Gegener argumentieren. Ich höre mir das nicht ewig an, weil es zermürbend ist. Aber einen will noch mal erwähnen. Sein Name: Andreas Altmann, wohnhaft in Paris und gebürtig aus Altötting. Er rechnet ab mit seinem brutalen Vater, seiner schwachen Mutter, die ihn gar nicht auf die Welt bringen wollte, und eben auch einer Kirche, die das ganze System damals unterstützt hat. An einer Szene im Buch wurde ich stutzig und nachdenklich:

Der Autor verbring mit seiner Mutter, ein einmaliges Vorkommnis, Ferien am Meer. Da schaut er sie an, während sie, sich unbeobachtet glaubend, aufs Meer schaut – und Tränen rinnen ihr die Wangen herab. „Es rührt mich an, das Schicksal meiner Mutter, …“

Dieser Blick aufs Meer ist ein Blick sehr Sehnsucht nach MEHR (MEER). Doch es ist nicht ein leerer hoffnungsloser Blick, sondern ein sehr konkreter Blick. Berhard von Clairvaux übersetzt den Namen Maria mit „Stern des Meeres“.

In Gefahren, in Ängsten, in Zweifeln- denk an Maria, ruf zu Maria! Ihr Name weiche nicht aus deinem Munde, weiche nicht aus deinem Herzen! Damit du aber ihre Hilfe und Fürbitte erlangest, vergiss nicht das Vorbild ihres Wandels! Folge ihr, und du wirst nicht vom Wege weichen. Bitte sie, und niemals bist du hoffnungslos. Denk an sie, dann irrst du nicht. Hält sie dich fest, wirst du nicht fallen. Schützt sie dich, dann fürchte nichts. Führt sie dich, wirst du nicht müde. Ist sie gnädig, dann kommst du ans Ziel und wirst erfahren, wie richtig es heißt: Und der Name der Jungfrau war Maria – Stern des Meeres.

Der heutige Tag erinnert uns daran, dass Gott auf uns Menschen zugeht; und dass tut er in menschlischen Berührungen. In der Geburt seiner Mutter. Wenn Eltern JA zu ihrem Kind sagen, wenn wir Menschen, denen es schlecht geht ein Lächeln schenken, wenn wir durch unser Leben anderen Menschen Richtung und Halt geben oder auch von anderen Menschen Richtung und Halt erlangen. So wie Maria der Morgenstern ist, der den Seefahrern den Weg zeigt, gibt uns Gott Menschen, die uns Orientierung geben. Richten wir unser Leben erneut aus mit Maria. Sie ist die Kompassnadel, die auf Christus zeigt.

In sieben Monaten feiern wir Karfreitag und Ostern. Auf dieses Geheimnis, des menschlichen und göttlichen Leidens, will uns Maria vorbereiten und an ihrer Hand sollen wir diesen Weg gehen/ an ihrer Hand können wir durch das Leiden dieser Welt zur Auferstehung gelangen.

Sei gegrüßt, du Stern, der offenbart die Sonne;

sei gegrüßt, aus deinem Leib wird Gott, der Menschensohn.

Sei gegrüßt, aus dir wird die Schöpfung neu geboren;

sei gegrüßt, durch dich wirkt der Schöpfer ungeboren als Kind

verwandte Links:
BBC schafft Nennung “vor” und “nach Christi” ab (Englischer Artikel)
Artikel auf pi-news.net

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Maria, die Kompassnadel

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