Portiunkula

Predigt im Karmel Bärnbach
Liebe ehrwürdige Mutter Priorin, liebe ehrwürdige Schwestern des Karmel. Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Der Erstkontakt zu einem Kloster geschieht meist oft heutzutage über das Internet. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich Euch heute besucht habe, auch erst mal auf Eurer Seite war. Eine kleine aber feine Seite. Begrüßt wird man durch einen Psalmvers:
Mir fiel das Los auf liebliches Land.
Ja, mein Erbe gefällt mir gut.
Psalm 16,6
In Admont beten wir Psalm 16 immer samstagsabends zur Komplet. Einmal ist es vorgekommen, dass ich auf einer Chorseite saß. Wir waren nicht viele und ich betete auf meiner Seite praktisch allein. Da habe ich eben diesen Vers gebetet und fast etwas zu sehr betont: Mir fiel das Los auf liebliches Land. *  Ja, mein Erbe gefällt mir gut.
Dieser Vers drückt so viel Dankbarkeit und Freude aus – und gerade das sollte uns als Ordenschristen ausmachen.
In diesem Sinne haben wir heute auch im Tagesgebet gebetet: „Gib, dass wir in diesem Geist wachsen und einst das verheißene Erbe empfangen.“
Auch mein Ordensname „Ulrich“ heißt ja nichts anderes als „reiches Erbe“. Es kommt darin zum Ausdruck, das ich persönlich so viel vom Herrn geschenkt bekommen habe. Durch meine Familie, durch die brüderliche Gemeinschaft, in der ich leben darf. Gott meint es gut mit mir und er beschenkt mich Tag für Tag. Ich bin Erbe seines Reiches.
Vollkommen zu Tage kommt das erst nach meinem Tod. Doch auch schon hier und jetzt bin ich Erbe und darf teilhbaben an seinem Reich. Wir sind Söhne und Töchter Gottes – so auch Erben.
Selbst Franziskus hat hier auf Erden ein kleines Teilchen als sein Eigen genannt. kleines Teilchen heißt ja nichts anderes als Portiunkula. Gemeint ist eine kleine Kirche zu Füßen der Stadt Assisi, die Franziskus von den Benediktinern gemietet hat und aus der er nicht mehr raus wollte. Er schrieb seinen Brüdern, wenn sie Euch aus der Kirche vertreiben, dann geht einmal um die Kirche umedum und geht gerade auf der anderen Seite wieder hinein.
Am 02. August feiert die Kirche Maria von den Engeln, das Fest dieser Portiunkulakirche. Damit verbunden sind Gnaden über Gnaden, die uns als Christen zuteil werden sollen, wenn wir eine Kirche besuchen.
Es gibt also im Hier und Jetzt Orte, die wir verteidigen sollen. So ja auch die Klausur. Ein Ort der Ruhe, des Gebets, wo nicht jeder Zutritt hat.
Oder Gebetszeiten, die uns heilig sind, wo wir nicht vom Volk umgeben sein müssen.
Unser Herr Jesus hat sich auch solche Bereiche des persönlichen Gebetes geschaffen.
Er schickt seine Jünger weg. Die EÜ schreibt ihr brav, „er fordert sie auf zu gehen.“ In meinem alten Volksschott steht drinn: „Er zwang sie ans andere Ufer zu fahren.“ Na, deutlicher geht´s net.
Es gibt also Zeiten, in denen der Herr sich um die Menschen kümmert – wir haben ja letztes Woche von der Speisung der 5000 gehört – und es gibt Zeiten, wo er einfach allein sein will, die innige Beziehung zu seinem Himmelspapa pflegen will.
In der großen Stille. Bis heute morgen habe ich nicht gewusst, dass dieser Filmtitel „Die große Stille“ vielleicht aus der Benediktusregel stammt. Den darin ist 2 mal von „größter Stille“ die Rede; nämlich einmal während der Tischlesung (RB 38,2) und dann beim Verlassen der Chorkapelle (RB 52,2).
Der heutige Text aus dem ersten Buch der Könige ist sicher ein absolutes Highlight karmelitanischer Spiritualität. Ich selbst war in Bamberg auf einer Karmelitenschule und durfte den Text somit zu genüge hören. Ob ich ihn deshalb wirklich begriffen und verinnerlicht habe steht auf einem anderen Blatt.
Da ist von Sturm, Beben und Feuer die Rede. Gerade da kann Elias Gott nicht begegnen.
Liebe ehrwürdige Schwestern. Bitte betet für die Seelsorger, die oft denken, sie brauchen diesen Raum der Stille und der Schriftlesung nicht. Die Begegnung zu den Menschen scheint für uns Seelsorger oft genug und wir vergessen dabei das Beispiel unseres Lehrers Jesus Christus, der eben oft genug die Stille gesucht hat, weil er wußte, er braucht des.
Am Donnerstag feiern wir ja auch das Fest der heiligen Klara. Sie schreibt über den Lärm:
Non te confundant strepitus mundi fugientis ut umbra – Nicht verwirre dich der Lärm der Welt, die vergeht wie Schatten. Klara an Ermentrudis von Brügge 5b
Ad sibila inferni aures obtura – Verschließ/ verstopf dein Ohr dem Gezisch/ Pfeifen der Hölle.
Gerade auch das Wort „Feuer“ ist in der Regel Benedikts vor allem negativ besetzt. „Stets denke er an alles, was Gott geboten hat, und erwäge immer bei sich, wie das Feuer der Hölle der Sünden wegen jene brennt, die Gott verachten, und wie das ewige Leben jenen bereitet ist, die Gott fürchten. (RB 7,11)
Persönliche Gottesbegenung in der Stille ist ein Weg Juden und Christen immer gegangen sind. Diese Stunden der Stille sollen uns nicht genommen werden.
Ich wünsche mir als Ordenschrist, dass ich in wachse und dass ich die Ruhe und Stille nicht nur aushalte, sondern sie wie Elias als Ort echter Gottesbegegnung erfahre.
So heißt es ja im Tagesgebet: „Gib, dass wir im Geist deines Sohnes wachsen und einst das verheißene Erbe empfangen.“
Wenn von Geist des Sohnes die Rede ist, geht es vor allem um Vertrauen, dass Gott für uns sorgt wie ein liebender Vater.
Allzu menschlich – weil oft das liebe Geld eine Rolle spielt  -diese Begebenheit: Am See Gennesaret bietet ein Bootsführer Fahrten an. Ein Tourist fragt: „Was kostet die Fahrt? Antwort:  „20 Euro!“ Der Tourist: „Das ist aber viel.“ Der Bootsmann: „Mein lieber Freund, das ist der See Gennesaret!  Über diesen See ist Christus zu Fuss gegangen!“  Der Tourist: „Kein Wunder bei solchen Preisen!“
Er ist nicht über das Wasser gegangen, um seine Jünger zu erschrecken oder um zu zeigen, was für ein toller Kerl er ist. Jesus ist nur über das Wasser gegangen, um uns zu zeigen, dass er grenzenloses Vertrauen in seinen Vater hat.

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