Pelagius

Fragt mich nicht, was mich geritten hat, dass ich heute über den Häretiker Pelagius predigen werde. Aber mich intressiert das Thema und die Kurve zum Evangelium werde ich auch irgendwie hinbekommen.

Ich möchte Euch heute einen Eiferer vor dem Herrn vorstellen: Pelagius. Er lebte von 350-420. Er selbst kam aus Britannien. Da waren zur damaligen Zeit eifrige Christen zu Hause. Strenge Mönche, die auch auf dem europäischen Festland Kloster gründeten. Und das war auch bitter nötig. Pelagius kam nach Rom – Hauptstadt des römischen Reiches, in dem das Christentum 380 unter Kaiser Theodosius zur Staatsreligion wurde. Man muss sich das vorstellen: 300 Jahre wurden die Christen verfolgt und plötzlich war es schick, Christ zu sein. Der 30-jährige Pelagius merkte, wie das Christentum dabei war, dick und fett zu werden. Mit seinem Eifer wollte er dem entgegen treten. Er lebt streng sein sittlich korrektes Leben. Jesus sieht er vor allem als Lehrer: Ihm gilt es sittlich nachzueifern. Er war Laie (weder Mönch, noch Priester) und sammelte als solcher Anhänger um sich.
Der Mensch ist in seiner Natur gar nicht so verdorben. Er kann rein und gut leben. Aus eigener Kraft heraus.
Darauf regt sich Widerstand. Es gab Kirchenleute, die behaupteten, das sei häretisch. Vor allem der heilige Augustinus, der das Tun Gottes in den Vordergrund stellt.
Pelagius wehrt sich. Er sagt: Ist das Tun Gottes nicht einfach nur eine faule Ausrede, entschieden christlich zu handeln. Ist Augustinus nicht ein Weichei? Wir beweisen doch, dass es geht, dass man sich anstrengen kann.
Die Antwort auf diese Frage gibt die Biografie des Augustinus. Er HATTE SICH jahrzehntelang ABGEMÜHT. Wollte die Wahrheit finden und hat sie nicht gefunden. Wollte keusch sein und es hat nicht hingehauen. Und dann – unvermutet und wunderbar – hat Gott ihm diese Gnade gegeben. Und für Augustinus war klar, dass der Mensch auf diese Gnade bedingslos angewiesen ist. Eine Gabe, die zuallerst Gott schenken muss.
Bei Pelagius ist die Gnade von der natürlichen Anstrengung her erreichbar. Bei Augustinus ist die Gnade eine unverdienbare Gabe des souveränen Gottes.
Pelagius: Mensch groß – Gott klein
Augustinus: Gott groß – Mensch klein
Die Kirche hat sich mit Recht für das Modell des Augustinus entschieden. Es ist auch das Modell des Paulus, den auch er denkt die Natur gering und verdorben. Das wird in der heutigen Lesung aus dem Römerbrief deutlich. Für die Schöpfung werden hier Worte wie Vergänglichkeit, Sklaverei, Verlorenheit, Seufzen, Wehen verwendet. Doch dabei bleiben Paulus und Augustinus natürlich nicht stehen. Sie sehen die Hoffnung, die wir haben, weil wir Kinder Gottes sind. Weil wir durch Jesus Christus Söhne und Töchter Gottes sind. Das heißt: Wir werden das Reich erben.
Und doch muss man sagen, dass das Anliegen des Pelagius edel war. Es ging ihm doch darum der fetten, bequemen Kirche etwas entgegenzusetzen. Wie heute hatte man sich damals engagiert mit der Politik, Gesellschaft usw.
Interessanterweise war den Mönchen Pelagius immer symphatisch. Schließlich muss sich ein Mönch doch auch anstrengen. Semipelagianismus: das erste Verlangen des Menschen nach Heil kommt ohne die Gnade zustande. RB Prolog 4: „Bevor du etwas beginnst, bestürme Gott beharrlich im Gebet; er möge es vollenden.“ Der Admonter Klostergründer Erzbischof Gebhard hat das als seinen Wahlspruch genommen: „Du beginne, Gott aber vollende.“
Bekehrung als Lohn für die Suche nach Gott????
Willensentschluss des Menschen von Gnade bedingt.
Deutlich wird das auch am heutigen Evangelium. Gott ist der Sämann. Er sät. Und ohne seine Saat, ohne seine Gnade kann nichts wachsen, nichts blühn. Aber natürlich liegt es dann an uns, ob wir dieser seiner Gnade Raum geben; was für einen Boden bereiten wir seiner Gnade. Sind wir ein harter, felsiger Boden, wo nichts wachsen kann. Mist ist bekanntlich ein sehr guter Dünger. Lassen wir unseren Mist in unserm Stall oder fahren wir ihn aus auf das Feld, damit etwas wachsen kann. Ich meine das so: Wir machen alle viel Mist, sündigen, denken an uns, geben uns bestimmten Süchten hin. Wenn wir unsern Stall geschlossen halten, bleibt das alles drinn und bewirkt gar nichts. Der Herr gibt uns aber die Möglichkeit, dass wir unsern Mist zu ihm bringen: In der Beichte, in der Eucharistiefeier am Altar. Hier können wir das alles zu Gott bringen.

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