Trinitas nach Paulus

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Gott hat viele Namen. Und manche Seiner Namen haben mehr oder weniger Konjunktur. Das fiel mir besonders auf einer deutschen Novizenwoche auf, an der ich einmal teilnehmen durfte. Wir bekamen eine lange Liste mit Namen Gottes und durften uns die uns sympathischsten Namen aussuchen: Der Richter (<– war bei uns weniger populär. Schon wesentlich beliebter waren: das Ewige Feuer, die Liebesflamme… Was auch recht beliebt ist im 20. und 21. Jahrhundert ist das Bild vom Guten Hirten, das sich auch auf meinem Primizbild wiederfindet. Das war nicht immer so. Man hat in den vergangenen Jahrhunderten oft die Bilder gewechselt. Ich habe damals bei der Novizenwoche auch einen anderen Namen favorisiert und habe das in der Kleingruppe auch geäußert. Dann kamen wir im Großen wieder zusammen. Tauschten uns aus und nannten all die Namen Gottes, die uns besonders zusagten. Ein Dominkanerbruder hat mich dann geträngt endlich mit dem von mir ausgesuchten Begriff rauszurücken: DER ALLMÄCHTIGE.
Für mich – nach wie vor – einer der wichtigsten Bezeichnungen Gottes.
Ich muss zugeben, dass ich mir mit aller Theorie über die Heiligste Dreifaltigkeit ab und an etwas schwer tue und dass ich nicht hinter dieses Geheimnis steigen kann. Die Theologie wird nicht müde, Konstrukte aufzubauen, die uns die Heilige Dreifaltigkeit begreiflich machen wollen.
Da gibt es zB so ein Dreieck. In der Mitte steht GOTT bzw. NATUR. Es ist von der Natur her ein Gott! In jeder Ecke steht dann die jeweilige Person: Vater, Sohn, Hl. Geist. Und dann schreibt man zwischen die Personen die zwei Wörtchen „ist nicht“ um klar zu machen, dass es sich um drei eigenständige Personen handelt: Der Vater IST NICHT der Sohn, der Sohn IST NICHT der Heilige Geist, der Heilige Geist IST NICHT der Vater. Dann wiederum zeichnet man zwischen jede Person eine Verbindungslinie um klar zu machen, dass alle drei in Verbindung stehen. Genauer genommen sind es Pfeile. Eine Pfeil zeigt vom Vater zum Sohn und darauf steht: ZEUGT. Der Vater zeugt also den Sohn. Und das tut er nicht irgendwann als die Schöpfung geschaffen wird, sondern schon weit vorher. Vor aller Zeit… Dann geht ein Pfeil vom Sohn zum Heiligen Geist und vom Vater zum Heiligen Geist und auf dem steht: HAUCHT. Daran wird deutlich, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht. Hauchen erinnert an den Schöpfungsakt, wie Gott dem Menschen Leben einhaucht. Es geht darum, wie der Beziehung zwischen Vater und Sohn Leben eingehaucht wird.
Bei all dieser Theorie, wo man sich darüber Gedanken macht, wie es in Gott ausschaut, bleibt man doch irgendwo stecken. Ist das wirklich so, können wir begreifen wie es in Gott ausschaut? Da komme ich mir ein bisschen vor wie ein Elekriker, der einen Schaltkreis anschaut und sieht dann wie das funktionert mit dem Licht und dem Schalter.
Der heilige Völkerapostel Paulus wählt einen anderen Weg, der mir grundsympathisch ist. Er schaut sich an, wie Gott an uns wirkt. Und dabei verwendet er die trinitarische Formel, die uns auch aus der Begrüßung des Priesters am Beginn der Heiligen Messe bekannt ist:
„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Das ist ein Wunsch, der voll die Fülle enthält. Gott der Allmächtige soll seinen ganzen Segen auf uns herablassen. Das wünscht Paulus seinen Korinthern und auch uns heute.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Reihenfolge des paulinischen Wunsches: J.C., Gottvater, Gott Heiliger Geist. Diesen Weg den Paulus mit uns geht, ist ein einfühlsamer Weg, den jeder Christ bestreitet. Er begegnet Jesus Christus, dem menschgewordenen Gott. Der Christ betrachtet Jesu Leben. Im täglichen Beten und Handeln bemerkt der Mensch immer mehr, dass es ein Weg der Liebe ist, dass er sich auf diese Liebesbeziehung des Vaters eingelassen hat. Der Evangelist Johannes wird nicht müde, uns darauf hinzuweisen, dass Gott die Liebe ist: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“.
Nun gilt es diese Liebe auch sichtbar zu machen. Einer allein kann nicht lieben. Wen soll er denn lieben?! Und so bedarf es einer Gemeinschaft. Und der gemeinschaftsstiftende Gott das ist der Heilige Geist. Er verbindet Vater und Sohn. Er verbindet die Brüder unserer klösterlicher Gemeinschaft untereinander. Er verbindet jeden Christ in unserer Admonter Pfarre mit dem anderen.
Ich möchte zum Schluss noch auf zwei Arten hinweisen, wo die heiligste Dreifaltigkeit besonders verehrt wird: Das Kreuzzeichen und die Hl. Messe!
Das wichtigste Zeichen dieses dreieinigen Gottes im ALLTAG ist das Kreuzzeichen. Ich freue mich immer wieder, wenn die Gläubigen auch das kleine Kreuzzeichen machen – nicht nur vor dem Evangelium. Wir machen das kleine Kreuzzeichen ja alle bevor das Evangelium verkündet wird. Ein Kreuzzeichen auf die Stirn erinnert uns daran, dass Gottvater die Welt erschaffen hat. Ein Kreuzzeichen auf den Mund erinnert uns daran, dass Gott sein Wort zu uns gesprochen hat. Ein Kreuzzeichen auf die Brust erinnert uns daran dass der Heilige Geist in uns Wohnung finden will/ unser Herz wandeln will.
Auch die Heilige Messe ist ein zutiefst trinitarisches Geschehen. Dies wird deutlich am Hochgebet. Es ist ein großer Lobpreis, den wir an den Vater richten. Im Vaterunser beten wir dann: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Wir erhalten also aus der Hand des Vaters unsere Seelennahrung. Kurz vor der Wandlung betet der Priester die sogenannte Epiklese: „Dein Heiliger Geist komme auf diese Gaben herab“. Es ist der Heilige Geist der hier am Werk ist. Und nicht nur die Gaben sollen gewandelt werden, sondern es geht darum, dass wir uns mit wandeln lassen.
Jesus Christus ist das lebendige Brot – ihn empfangen wir in der Heiligen Kommunion.
Früher als Ministrant habe ich noch gelernt, dass die Wandlung Höhepunkt der heiligen Messe. Aber desto mehr ich drüber nachdenke, wird mir klar, dass eigentlich die Heilige Kommunion der Höhepunkt der Messfeier ist. Hier empfange ich aus der Hand des Vaters Jesus Christus und habe so Gemeinschaft mit ihnen. Kommunion heißt ja übersetzt Gemeinschaft und die ist nur möglich durch den Heiligen Geist.
Ich könnte heute noch so lange predigen. Man kann so viel über Gott sagen; aber es muss mit Demut geschehn. Man muss sich eingestehen, dass hier auf Erden alles Erkennen nur Stückwerk bleibt.
Allein in der Ewigkeit ist es uns verheißen, Gott zu sehen wie er ist.

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