owi – aufi – Himmelfahrtspredigt

Wenn ein Deutscher – wie ich – in die Steiermark kommt, gehören zwei Wörter zu den wichtigsten Vokabeln, die man lernen muss: owi und aufi – Hinab und herauf. Damit man weiß, was überhaupt gemeint ist, wenn es den Berg owi geht bzw. den Berg aufi.
Heute an Christi Himmelfahrt geht´s natürlich aufi. Hinauf!
Doch bevor es aufi geht, gibt es bei Gott eine klare Richtung owi. Gott wird Mensch – an Weihnachten wird er geboren in einem Stall und nimmt unsere niedrige Gestalt an. Gott leidet in Jesus und stirbt einen grausamen Tod. Und jeden Sonntag beten wir im Glaubensbekenntnis, dass er „hinabgestiegen“ ist „in das Reich des Todes“. Weiter hinab geht es gar nicht.
Am heutigen Fest entdeckt man, wieviel Dynamik in Gott stecken muss, wenn er aus dieser Tiefe aufersteht und dann in den Himmel zu seinem Papa hinaufsteigt.
Und dennoch bleibt da ein bitterer Nachgeschmack. Der Geschmack des Abschieds, der mir und ihnen wahrscheinlich auch oft so gar nicht schmeckt. Nicht umsonst sagt ein französisches Sprichtwort: Abschied nehmen ist wie Sterben. „Abschied ist ein bisschen wie sterben.“ (Original: „Partir, c’est toujours mourir un peu!“)
Wer kennt das nicht, dass ihn eine tiefe Trauer befällt, wenn ein lieber Mensch verstirbt, aber auch wenn man Abschied nehmen muss über einen längeren Zeitraum oder eine größere Distanz. DAS TUT WEH!
Mit jedem großem Abschied ist auch ein Neubeginn verbunden. Man nimmt ganz bewusst war, wieviel einem geliebte Menschen bedeuten. Und doch ist es, ein Neubeginn, der auf das Alte aufbaut. Man tut im Idealfall eben nicht so als ob nichts gewesen wäre. Man ist sich dessen bewusst, dass man geliebt ist und das man Verantwortung füreinander trägt, über alle Grenzen hinweg. Wenn ein lieber Mensch stirbt, dann darf ich nicht einfach so weiter leben, sondern lebe den Moment bewusster, als ob er (der Verstorbene) noch hier wäre. Genauso, wenn ich liebe Menschen lange nicht sehe, trage ich sie im Herzen bei mir, versuche an sie zu denken über die Entfernung hinweg Kontakt zu halten und zu lieben.
Bei den Jüngern spielt sich dieser menschliche Abschiedsprozess auch ab; es geht dabei um Jesus als Freund. Voll Trauer schauen sie nach oben. Und die zwei Engel machen sie darauf aufmerksam, dass sie nicht traurig zurück schauen sollen, sondern nach vorne. „Er wird wiederkommen“.

Und echte Freunde sind natürlich nicht darauf aus in ihrem eigenen Selbstmittleid zu versinken, sondern sie denken an ihren Freund, überlegen was er gerade macht. Und sie bereiten sich auf das Wiedersehen vor. In diesem Zusammenhang ist der Satz der Engel entscheident: „Er wird wiederkommen“. Und auf dieses Wiederkommen gilt es sich für uns als Freunde Jesu vorzubereiten.
Große Freundschaft, großer Abschied, große Wiedersehensfreude.
Überhaupt müssen wir im heutigen Evangelium alles groß denken. Es sind die letzen Zeilen des Matthäusevangeliums, die wir gerade gehört haben. Und Christus spricht da entscheidende Sätze, die uns als Kirche fundamental betreffen. „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden“. Wir haben also seit der Auferstehung und Himmelfahrt einen mächtigen Freund im Himmel, der zu uns hält und zu dem wir hier in unserm Leben halten sollen. Dann kommt der Missionsauftrag Jesu. Wir sollen die anderen Menschen zu seinen Jüngern machen. In diesem Zusammenhang spricht Christus die Taufformel, die bis heute Gültigkeit hat. Und da bin ich froh, dass die Kirche hier ähnlich groß denkt wie Jesus. Nicht kleinlich und ängstlich, sondern: Die Taufe, wenn sie so gespendet wird wie von Jesus verlangt, ist gültig, egal ob ein evangelischer Pfarrer tauft oder ein Orthodoxer.
Und zum Schluss, der allerletzte Satz, ist wohl eine der tröstlichsten Zusagen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. Dies macht Gott wahr: Wenn da in unserer Kirche das Ewige Licht brennt und wir wissen, ER ist da. Wenn wir Sonntag für Sonntag und wir Priester sogar jeden Tag die Heilige Messe feiern. Wenn wir immer und überall zu unserm Freund Jesus gehen können, ihn bitten, ihm sagen, was uns quält.
Er ist bei uns bis zum Ende der Welt. Beim Ende der Welt brauchen wir diese Zusage nicht mehr, da wir dann – so wir die Freundschaft mit ihm gepflegt haben – mit IHM in der Herrlichkeit sind. Amen.

Hinführung zum Glaubensbekenntnis
Wir erinnern uns an unseren Glauben. Denken wir jetzt, wenn wir diese Worte sprechen besonders daran, wie Jesus zu uns hinabsteigt und wie er dann nach seiner Auferstehung hinaufsteigt zu seinem Vater. Wir sprechen das Glaubensbekenntnis. Ich glaube an Gott…

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