Predigt zur Naturkatastrophe und zu den Texten des Tages

Ihr habt vielleicht auch in den letzten beiden Tagen die Horrormeldungen aus Japan verfolgt. Habt mit betroffener Miene, die apokalyptischen Bilder angeschaut, die uns die Nachrichten liefern. Der Mensch steht da – ohnmächtig gegenüber den Gewalten der Natur.
Ich muss gestehen, dass ich beim Hören der Nachrichten oft gedacht habe: Ach, so schlimm ist es doch gar nicht. Ach, die Atomkraftwerkbetreiber von Fukushima werden das Schlimmste verhindern.
Die Japaner haben sicher auch oft in einem Fortschrittsglauben entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen (erdbebensichere Hochhäuser, Tsunamifrühwarnsystem usw.). Ich bin der Letzte, der ihnen einen Vorwurf machen kann.
Wie unser Fortschrittsglaube immer wieder an seine Grenzen stoßt, das erleben wir auch in diesen Tagen. Und wieder und wieder die alte Frage: Warum lässt Gott dieses Leid zu? In der Tat: Schließlich hat er die Welt gut gedacht und gut geschaffen. Doch gerade in der heutigen Lesung aus dem Buch Genesis wird deutlich, dass der eigentliche Einschnitt zwischen guter Schöpfung und ungebremste Naturgewalten eben nicht in der Verantwortung Gottes steht. Auf der einen Seite das Paradies, wo der Mensch alles hat, was er braucht – auf der anderen Seite eine ausgebeutete, oft geradezu lebensfeindliche Natur, die vom Menschen ausgebeutet  und zu seinem Wohle ausgenutzt wird.
Adam, der erste Mensch hat sich bewusst gegen das Paradies und gegen die Souveränität Gottes entschieden. In hohem Bogen wurde er aus dem Paradies geschmissen und findet sich jetzt in dieser Natur wieder. Ja der Mensch, eigentlich Ebenbild Gottes, ist jetzt den Launen der Natur unterworfen.
Und doch wissen wir aus der Heilsgeschichte, dass Gott es immer wieder gut gemeint hat mit seinem Volk: Er hat einen Bund mit Noach geschlossen und im zugesagt: „Ich richte meinen Bund mit euch auf, dass nie mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Flut, und nie mehr soll es eine Flut geben, die Erde zu vernichten.“ (Genesis 9,11) Wir als Christen dürfen unsere Anfragen an Gott stellen: Warum lässt Du das zu -seien es persönliche Schicksalsschläge, seien es Naturkatastrophen in denen weite Teile der Bevölkerung zu Tode kommen. Diese an Gott gerichtete Frage darf – ja sie muss – von uns formuliert werden: Warum, o Gott, lässt Du das zu? Diese Klage ist erlaubt und menschlich. Auch Jesus stellt sie letztlich am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, so betet er am Karfreitag. Diese Klage  „Warum, o Gott, lässt Du das zu?“ stellt aber auch eine Gefahr dar. Ist es nicht der Teufel höchstpersönlich, der sich solche Fragen auch zu eigen macht? Das fällt mir auf, wenn ich das heutige Evangelium lese: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Sorge dafür, dass die Menschheit glücklich ist und nicht verhungert und ertrinkt! Jesu Antwort auf diese Versuchung des Menschen: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Gemeint ist damit das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift. Dieses Wort soll in uns lebendig werden. Wir als freie Menschen  sind dazu angehalten Gutes zu tun und nur dann fällt das Wort auf fruchtbaren Boden: All die persönlichen und weltweiten Schicksalsschläge machen es möglich, dass Solidarität gelebt wird. Das wir sichtbare Zeugen Seines Wortes werden.
„Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Darf uns als Gotteskinder überhaupt etwas zustoßen?  Jesus antwortete dem Teufel: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Gott ist der ganz andere; wir können ihn nicht mit unserem menschlichen Hirn verstehen. Er ist der Größte und sein Handeln an uns und an der ganzen Menschheit wird uns erst am Jüngsten Tag klar.
Die dritte Versuchung: Der Teufel spricht zu Jesus Alle Reiche der Welt, allen Reichtum der Welt „will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“  Stellen wir uns vor Jesus hätte das getan. Er hätte dann die volle Kontrolle über die Welt und könnte uns auch vor dem Elend der Welt erretten. Naturkatastrophen, Armut etc. alles nicht mehr vorhanden. Paradiesische Zustände dank einer Anbetungsgeste gegenüber dem Teufel? Da sagte Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“
Jesus wird sich am Abend des Gründonnerstags vor  seinem Vater auf die Knie werfen. Er ist nicht den Weg des herrlichen, Weltfrieden bringenden Königs gegangen. Ich bin der Überzeugung, er hätte diesen Weg gehen können. Aber statt dessen, hat er sich in den Staub gelegt und ist den Weg nach Golgotha gegangen. Er hat dieses Elend der Welt kennengelernt. Er hat an seinem eigenen Leib gespürt, wie brutal das Böse sein kann.
Heute haben wir im Tagesgebet gebetet: Gib uns durch die Feier der vierzigtägigen Fastenzeit „die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.“
Diese Erkenntnis Jesu Christi wird uns besonders bei seiner Versuchung deutlich. Es sind nicht irgendwelche Weisheiten, die mal so vom Himmel fallen, sondern es sind Wort, die der Gottessohn spricht, während er die Härte des Lebens kennenlernt und dennoch, voll Vertrauen auf seinen himmlischen Vater ist. Dieses Vertrauen, dass Gott alles zum Guten wendet ist das Fundament Christi und es ist unsere Grundlage dafür, dass wir sichtbare Zeugen Seines Wortes sind.

Fürbitten:
Einleitung:
Der Mensch lebt nicht nur von Brot,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Weil wir ihm vertrauen, beten wir:

In der Fastenzeit versuchen wir, anders zu leben.
Wir beten für alle, die sich für diese Zeit etwas vorgenommen haben
und sich um Treue zu den eigenen Vorsätzen bemühen.
Für alle, die im Verzicht Freiheit erfahren,
und für alle, die keinen Sinn darin finden können.
V: Herr unser Gott: – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Stärke unser Vertrauen in die Zukunft.
Wir beten für unsere Pfarre und unseren Pfarrverband.
Für unseren Pfarrer, unseren Diakon und alle, die Verantwortung tragen.
V: Herr unser Gott: – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Du willst nicht den Tod, sondern das Leben der Menschen.
Wir beten für die vielen Menschen, die beim Erdbeben und beim Tsunami in Japan alles verloren haben –
ihr Leben oder nahe Menschen, ihre Gesundheit, Hab und Gut
und ihr Vertrauen, dass das Leben im Grunde sicher ist.
V: Herr unser Gott: – A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Abschluss-Gebet:
Gott, dein Wort belebt, macht reich und schenkt Frieden.
Dir vertrauen wir uns und unsere Welt an –
heute und alle Tage, bis in deine Ewigkeit. Amen

Fürbitten verkürzt aus dieser Quelle

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