Herr, Herr, Herr <– das reicht nicht

meine Predigt ist keine Faschingspredigt und dennoch mit gewissen Spitzen:

Priester sind schlechte Patienten. Bei Männern sagt man schon, sie seien wehleidig; aber toppen tun das noch die Priester. Das habe ich mir von mehreren Krankenschwestern und Altenpflegerinnen bestätigen lassen. Insofern bin ich auch der ideale Priesterkandidat.
Ein besonderes Exemplar durfte ich mal kennenlernen: Er ist Franziskaner und war in seinem Vorleben Metzger. Das heißt, wenn er Blut gesehen hat, dann war für ihn klar, das Vieh ist tot. Und wenn er dann beim Blutabnehmen war, ist er fast durchgedreht. Er hat das Blut aus sich fließen gesehen und gedacht, das Vieh – also ich – bin tot.
Wenn jemand Blut vergießt, dann wissen wir, sein Leben ist bedroht. Zu gut können wir also verstehen, dass „Blut“ bei den Juden das Sinnbild für Leben schlechthin ist. „Jesu Blut, vergossen zur Vergebung der Sünden“. Das soll heißen: Jesus hat uns aus großer Liebe sein ganzes Leben geschenkt, besonders seinen Tod. Das ist das Zeichen für uns, dass nun alles wieder gut ist mit Gott.
Die Begriffe, die Paulus in seinem Römerbrief verwendet können wir nur verstehen, wenn wir wissen, dass Sünde als Entscheidung gegen Gott auch eine Entscheidung gegen das Leben ist. Stellen sie sich zB. die Südosttangente Wien im morgendlichen Stauverkehr vor. Nichts geht mehr. Total überlastet. Da stehen wir im Stau und kommen nicht weiter im Leben. So geht es dem Menschen, wenn er sündigt. Jesus Christus leistet Sühne; d.h. Die Fahrt ist wieder möglich. Er baut uns eine riesige zwölfspurige Autobahn, die uns bequem ans Ziel führt. Das ist die Sühne.
Wie kommen wir in den Genuss dieser Sühneleistung Jesu? Müssen wir uns ein zusätzliches Pickerl kaufen? Reicht es einfach zu glauben, dass er der Herr ist er es schon richten wird? Gerade das Evangelium am heutigen Tag, mahnt uns, unserer Sache nicht so sicher zu sein. Es reicht eben nicht, wenn ich 3 mal HERR, HERR, HERR rufe. Wobei ich der Überzeugung bin, dass ein gewisses Grundvertrauen in Gott und seinen Sohn wichtig ist. Aber wenn man dann zeitgleich sich nicht um die Fundamente kümmert, dann verkümmert jeder Glaube.
Jeder Hausbauer und auch die Mönche von Admont in den vergangenen 937 Jahren haben gelernt, wie wichtig ein gescheites Fundament ist, sonst bauen wir auf Sand.
Jeder Wissenschafter weiß, dass er eine gut recherchierte Doktorarbeit abgeben muss, sonst baut auf Sand.
Und was im praktischen Leben und in der Wissenschaft gilt, das gilt auch für unseren Glauben.
Wenn wir die Sakramente empfangen, täglich beten, das Wort Gottes hören, dann kommt öffnen wir uns so der Gnade Gottes und Gott wird sichtbar in unserm Leben. Dies kann aber nur geschehen, wenn wir unserm Herrgott auch unser Leben mit all seinen dunklen und hellen Seiten schenken. Wenn wir nicht versuchen, bestimmte Bereiche des Lebens von Gott fern zu halten.

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