Meine Schwestern Vögel…

Ich weiß, dass einige von Euch kein Handy haben und dennoch hat sich wahrscheinlich jeder von Euch schon mal damit beschäftigt, sich eines zu kaufen, bzw. zumindest vorinformiert. Ich behaupte es gibt mindestens drei verschiedene Handybesitzer: Da sind die Klassischen: Sie sind immer beim selben Betreiber, eigentlich ganz zufrieden und machen sich keine Sorgen, dass sie zuviel bezahlen; dann sind da die ach so Gescheiten: Sie haben ein Top-Handy mit super niedrigen Tarifen – dafür aber einen Zweijahresvertrag. Vielleicht ein lustiger Typ Mensch: Gibt sich frei und selbstbewusst, aber wenn es darum geht, so ein Prestigeding in den Händen zu halten, lass sie sich knebeln. Und dann sind da die Freunde des Wertkartenhandys: bloß nicht binden und keine-böse-Überraschung-per- Rechnung-erleben wollend.
Wenn man sich bindet – sei es ein Zeitungsabo, ein Handyvertrag oder die Karte im Supermarkt dann wird man belohnt. So sieht es die Wirtschaft und die Werbung vor. Und wir machen da brav mit.
Wahrscheinlich hätte Jesus, wenn er heute unter uns als Mensch leben würde, ein Wertkartenhandy. Schließlich ruft er immer wieder dazu auf, im Heute zu leben. Voller Bewunderung steht Jesus vor einem Feld Blumen; die blühen heute; morgen hat sie die Sonne verbrannt bzw. – wir sind ja in der Obersteiermark – der nächste Schnee bedeckt. Weg nichts mehr von der Pracht da. Aber heute dürfen wir uns daran freuen. Kein langfristiges Denken und Planen. So ist das Reich Gottes: Es fängt in den 24 Stunden des heutigen Tages an. Am Freitag musste ich das auf traurige Weise erfahren. Da bin ich am Frauenberg vorbei gefahren. Ich hab gedacht: Du könntest mal wieder den Pater Martin besuchen. Und ich habe das nicht mal so schnell dahin gedacht, Dein vielleicht zehn Minuten habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt. Bin dann trotzdem vorbei gefahren und nicht mal einen halben Tag spät ist Pater Martin gestorben. RIP. Wir haben solche Erfahrungen vielleicht schon alle gemacht: Wir schieben etwas auf, planen groß und dann sehen wir, ja wir sehen nichts. Weil das Leben heute gelebt werden muss.

Dieses Im-Heute-Leben ist keine Erfindung Jesu; vielmehr zeigt es sich schon im AT. So werden die Israeliten in der Wüste von Gott angehalten nur so viel Manna zu sammeln wie sie für den aktuellen Tag brauchen (Ex 16,4.16-21). Sie haben sich natürlich nicht dran gehalten, das Manna verdirbt nach einem Tag, und so haben die Israeliten gesehen und wahrscheinlich auch im Magen und in der Speiseröhre gespürt, dass ihnen viel Vorratshaltung nicht gut bekommt. Rabbi Eleazar lehrte dazu: „Wer Nahrung hat für heute und sich fragt, was er morgen essen wird, ist ein Mensch ohne Glauben“ (Mekhilta zu Ex 16,4; Grill/ Langner, Das Matthäusevangelium. Ein Kommentar für die Praxis).

Dies ist die Grundeinstellung, die wir Christen haben sollen. Deshalb beten wir im Vaterunser „Unser tägliches Brot gib uns HEUTE“. An dieser Stelle möchte ich Sie auch einladen, beim Mittagstisch ein Tischgebet zu sprechen: „Herr, wir danken Dir, dass Du uns den Tisch so reich gedeckt hast, dass es uns so gut geht und du für uns sorgst!“.
In besonderer Weise hat uns der hl. Franziskus das heutige Evangelium vorgelebt. Er hat die Natur als Schöpfung wahrgenommen und ALLES von seinem himmlischen Vater erhofft. Höhepunkt dieser Verehrung Gottes in der Schöpfung ist der Sonnengesang den wir zum Schluss singen werden, aber auch seine Predigt an die Vögel. Lustigerweise habe ich sie gestern Abend gefunden. Hört an, was der hl. Franziskus den Vögeln predigt:

„Meine Schwestern Vögel, ihr seid Gott, eurem Schöpfer, sehr verpflichtet und müsst ihn an jedem Ort loben, denn er hat euch die Freiheit gegeben, an jeden Ort zu fliegen. Auch hat er euch ein doppeltes und dreifaches Kleid verliehen. Zudem hat er euren Samen in der Arche Noahs (vgl. Gen 7,14f.) aufbewahrt, damit eure Art in der Welt nicht verschwinde. Auch seid ihr ihm verpflichtet wegen des Elementes der Luft, das er euch anvertraut hat. Darüber hinaus sät und erntet ihr nicht und Gott ernährt euch, gibt euch die Flüsse und Quellen als euer Getränk, schenkt euch die Berge und Täler als eure Zuflucht und die hohen Bäume, um darin eure Nester zu bauen. Da ihr weder zu spinnen noch zu nähen versteht, kleidet euch Gott selbst, euch und eure Jungen (vgl. Lk 12,24 ff.). Wiesehr liebt euch also der Schöpfer, da er euch so viele Wohltaten erweist! Deshalb, meine Schwestern, hütet euch vor der Sünde der Undankbarkeit, sondern strebt allezeit danach, Gott zu loben.“ (Fioretti 16,22-25)
Mindestens der letzte Satz gilt für uns alle: „Deshalb, meine Schwestern (und Brüder!!), hütet euch vor der Sünde der Undankbarkeit, sondern strebt allezeit danach, Gott zu loben.

Fürbitten
Wir glauben an Gott, der nach dem Zeugnis des Evangeliums weiß, was die Menschen brauchen.
Darum rufen wir zu Gott und tragen unsere Sorgen und Bitten vor ihn.
V: Du Gott des Lebens – A: Wir bitten dich erhöre uns

„Sorgt euch nicht um euer Leben“ sagt Jesus im Evangelium. Wir beten
– für alle, die von den Sorgen und Nöten des Alltags verbogen und zerschlagen werden;

In Neuseeland gab es ein verheerendes Erdbeben. Wir beten
– für die Toten und die Verletzten des Bebens,
– für alle, die Haus und Habe verloren haben,
– für alle, die um Angehörige und Freunde trauern

In der arabischen Welt kämpfen Menschen für ein Leben in Selbstbestimmung und Freiheit. Wir beten
– für alle, die sich friedlich für Veränderungen einsetzen
– für alle, die Angst um ihr Leben und ihre Zukunft haben müssen
– für alle, die mit Gewalt und Terror an Macht und Reichtum festhalten.

Bischof Egon wird unsere Diözese weitere zwei Jahre leiten. Wir beten für ihn und für alle, die die frohe Botschaft verkünden und die mit ihrem Leben Zeugnis ablegen für Gottes Liebe.

Abschluss-Gebet:
Gott mit uns,
Du bist bei uns auf unserem Lebensweg
und gehst mit uns in Freude und Leid, in Hoffnung und Resignation, im Leben wie im Tod.
Dafür danken wir dir und loben dich heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen

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