Josef, Patron der Verliebten

Meine Predigt zum Vierten Adventssonntag:
Noch fünf Türchen kann man am Adventskalender öffnen, wenn sie heute noch nicht geöffnet haben, sind es sogar Sechs. Den Adventskalender gibt es laut Lexikon seit 160 Jahren. Ich will Ihnen heute aber einen Adventskalender vorstellen, der noch mindestens zwölfhundert Jahre älter ist. Er hat bis heute seine Gültigkeit. Es handelt sich um die sieben sogenannte O-Antiphonen, die jeweils einen Titel beschreiben, der dem Heiland, den wir so erwarten, zukommt. „O-Antiphon“ deshalb, weil die Mönche immer ein langes „O“ vor jedem Titel/ vor jedem Vers gesungen haben. „O“ – bei den Mönchen, wie auch bei euch ein Ausruf des Erstaunens über die Tatsache, dass Gott Mensch wird.

Die O-Antiphonen heißen:
am Freitag: 17. Dezember: O sapientia (O Weisheit)
gestern: 18. Dezember: O Adonai (O Herr)
heute: 19. Dezember: O radix Jesse (O Wurzel Jesse)
morgen: 20. Dezember: O clavis David (O Schlüssel Davids)
21. Dezember: O oriens (O Aufgang)
22. Dezember: O rex gentium (O König der Völker)
23. Dezember: O Emmanuel (O Immanuel, Gott mit uns)
Immanuel ist auch der Titel Jesu Christi, der uns im heutigen Evangelium begegnet. Er heißt übersetzt: Gott ist mit uns! Oder auch als Bitte: Gott sei mit uns. Wenn ich mit dem Auto fahre, dann beginne ich jede Fahrt mit einem Kreuzzeichen. Ich empfehle die Fahrt meinem Herrgott und meinem Schutzengel.
Wenn wir im Leben in Situationen kommen, die verfahren sind oder die ausweglos scheinen, empfehlen wir uns gern dem lieben Gott und hoffen – mit Recht – das er uns helfend zur Seite steht. Gott sei mit uns.
Aber Gott will nicht nur in ausweglosen Situationen, sondern er will mehr…
Der Name IMMANUEL kommt in der Bibel gerade mal vier Mal vor. Dennoch ist er Programm. Denn im ganzen Alten und Neuen Testament setzt Gott auf uns und will der wichtigste Bestandteil unseres Lebens sein.
Auf der einen Seite ist er der Allmächtige, der ganz andere. Er, der über den Dingen steht. Aber spätestens seit seiner Menschwerdung ist klar, dass er diese Allmacht aufgegeben hat, um mit uns zu sein.
Er wird Mensch im Schoß seiner Mutter, weil er unsere Hinfälligkeit und Schwachheit in seine Gottheit aufnehmen will. (vgl. Hl. Beda Venerabilis (um. 673-735), Homilien zur Vigil von Weihnachten 5; CCL 122,32-36)

Die heutigen Texte verdeutlichen das. Zwei Männer werden uns vorgestellt, die diese Schwäche des Menschen symbolisieren. Ein schwacher König, dessen Reich vor dem Untergang steht und der entgegen seines Beraters Jesaja auf den falschen Bündnispartner setzt. Und Josef, dessen Frau ein Kind erwartet, das nicht von ihm ist. Für einen Mann gibt es vielleicht nicht Erniedrigenderes.
König Ahas weiß auch, dass Gott der Allmächtige ist. Wer bin ich König, dass ich vom HERRN ein Zeichen erhalten könnte. Dieses Gottesbild des israelischen Königs macht klar, dass er von Gott nichts mehr erwartet. Von ihm ist keine Wende in meinem Leben zu erwarten. Das Zeichen, das Gott nun ankündigt, macht deutlich, dass er Sorge trägt für sein Volk: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“
Gott erschafft sich mit der Entstehung und mit der Geburt Jesu eine neue Schöpfung. Hier ist der Heilige Geist am Werk. Es liegt also an uns, dass wir uns dem Wehen des Heiligen Geistes nicht entziehen sollen, wenn er in uns und durch uns wirken will.
Deutlich wird das auch an Josef, dem Ziehvater Jesu. Er trifft eine Entscheidung, die rein menschlich gesehen gar nicht schlecht ist. Statt Maria der Schande preiszugeben, sie bloßzustellen, beschließt er sich heimlich und sachte von ihr zu trennen. Doch der Engel im Traum macht Josef klar, dass er Großes mit der Familie und vor allem mit dem Kind vor hat. Josef soll dem Kind einen Namen geben: das hieß damals auch, dass er das Kind als das Seine anerkennt.
Josef nimmt seine Frau und ihr Kind an, obwohl er davon ausgehen muss, dass die Leute einmal mit dem Finger auf ihn zeigen werden: „Nein, des Kind ist nicht von ihm!“


Durch diese mutige, treue Tat Josefs wird er gleichsam zum Patron der Verliebten. Dass man mal verliebt ist, das ist klar und trägt eine Weile oder auch zwei. Dass man aber treu zu dieser Liebe stehen soll, das lehrt uns der heilige Josef.
Treue ist auch die Eigenschaft Gottes, die uns im Namen Immanuel aufscheint. Er ist mit uns. Will mit uns durch dick und dünn geh´n. Kein Feuer, das mal schnell aufflackt und dann wieder erlischt, sondern eine Flamme, die treu brennt und uns den Weg weist. So ist Gott. Gott mit uns. Immanuel.

Link: Papst B16 in seiner heutigen Ansprache zum Angelus über den hl. Josef

Advertisements

2 Gedanken zu “Josef, Patron der Verliebten

  1. Adelheid.Bruckmoser

    Danke, Fr. Ulrich für Ihre Predigt zum 4. Adventsonntag! Habe Sie mit großer Freude gelesen und gleichzeitig aber auch mit großer Wehmut, da ich heuer, meine mir schon liebgewordene Tradition zwei/drei Tage vor dem Heiligen Abend in Admont zu sein, durchbrechen muss …
    „Meine Stille“ in Admont ist/war für mich eine große Kraftquelle. So habe ich heute mit ihrem Text einwenig in meine „Admonter Stille“ eintauchen können – „Gott sei mit uns“.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Gemeinschaft ein friedvolles Weihnachtsfest.
    Mit viel Segen, Kraft und Mut soll das neue Jahr gesegnet sein, damit „Admont“ eine lebendige Gemeinschaft werden kann.

    Vielen, vielen Dank für „Ihre Seite“. Viel Freude auch bei Ihrer neuen Aufgabe als Gastpater. Hoffe doch, dass ich wiedereinmal nach Admont kommen kann.

    Liebe Grüße nach Admont,
    Adelheid Bruckmoser

  2. Pingback: Josef sagt ‘Ja’ | Preiset den Herrn!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s