Predigt und Fürbitten zur lästigen Witwe

Die eben erwähnte Witwe gehört zu den Menschen, die „e bisi penetrant“ (©  by P. Prior) sind. Ich sehe in den Mundwinkeln unseres HERRN Jesus ein verschmitztes Lächeln, wenn er uns ausgerechnet einen so nervigen Menschentyp als Beispiel vor Augen stellt. Sie kennen vielleicht solche Menschen, die permanent das Ihre fordern. Mein Vorteil. Meine Erleichterung. Meine Wünsche. Und: Solche Menschen bekommen was sie wollen.  Ihr kennt das vielleicht in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Verwandtschaft, im Freundeskreis. Da sind immer wieder Mitmenschen, die für sich selbst etwas erkämpfen. Und im schlimmsten Fall vergessen sie, dass es da noch Menschen um sie rum gibt, dass es Menschen gibt, die es absolut nötiger haben.
Nicht viel besser ist der von Jesus gezeichnete Richter. Er ist gottlos. Man erkennt an diesem Text wie wichtig das Doppelgebot der Liebe ist. Und von beiden hält der Richter nicht viel: Er fürchtet weder Gott, noch kümmert er sich normalerweise um seinen Nächsten. Und jetzt tritt die lästige Witwe auf den Plan. Sie nervt den Richter bis dieser nicht mehr kann. Er will endlich seine Ruhe haben. Er gibt nach und gibt ihr Recht. Das schlechte Gebot „Wer am lautesten schreit hat Recht!“ findet Anwendung.
Jesus wäre nicht Jesus, wenn er die Botschaft des Gleichnisses nicht auf eine andere Ebene verlagern würde. Wenn schon der ungerechte Richter der lästigen Witwe Recht gibt, wird der barmherzige Gott uns, die wir ihn bitten, noch viel mehr zum Recht verhelfen.
Dieses Bitten der Witwe wird uns vor allem deshalb vor Augen geführt, weil sie wider aller Hoffnung hofft. Sie könnte sagen: Ich bin zwar im Recht, aber der Richter ist böse, meine Tage gezählt, was bringt´s noch für mein Recht zu kämpfen.
Für mich wird in diesem Gleichnis deutlich, dass der Mensch für Konflikte gewappnet sein muss. Man braucht Sicherheiten und Abwehrmaßnahmen, die es erst möglich machen, dass ich Konflikte heil überstehe. Mir fällt auf, dass Streitigkeiten unter Freunden oder in der Verwandtschaft oft an die Substanz gehen. Zorn, erlebte Demütigungen, Ohnmacht sind dann oft die Folge.
Gerade Jesus und mit ihm Paulus mahnen eine Bereitschaft an. Es geht nicht, dass man ohne Waffen in den Kampf zieht. Es geht nicht, dass man den Feind in die Stadt lässt, ohne dass man vorher auch Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat.
Dieses Bild des Gewappnet-Sein möchte ich auf unser alltägliches Miteinander übertragen, aber auch auf unseren Glauben.
Wenn ich mit jmd. im Streit liege, kann das für beide Seiten sehr verletzend sein. Streit und Diskussionen müssen manchmal sein. Und sie können fruchtbar sein, aber Voraussetzung ist, dass ich ein Fundament habe, dass mich trägt. Dieses Fundament spricht Paulus heute in der Lesung an: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.“
Es muss also im Familienleben, im Berufsleben… immer Menschen geben, denen ich mich anvertraue, die mich auch mal belehren, die mich kennen, mich auf meine Stärken aufmerksam machen…
Ähnlich verhält es sich im geistlichen Leben. An erster Stelle steht hier sicher das Gebet und die persönliche Beziehung, die ich zu Gott aufbaue. Ihn anbetend. Aber auch wichtig ist es, dass ich mich um Glaubensvertiefung bemühe, indem ich mit anderen über meinen Glauben rede, einem Freund oder Geistlichen gegenüber meine Zweifel  äußere.
Mönche bezeichnen ihre Bibliothek als „geistliche Rüstkammer“.  Sie als mündiger Christ sind auch aufgerufen sich zu wappnen. Bestellen sie sich eine gute Zeitschrift, lesen sie ein gutes Buch und vertiefen so ihren Glauben, denn von nichts kommt nichts und ich will, dass der Herr am jüngsten Tag in St. Lorenzen/ Hohentauern/ Trieben erscheint und Glauben vorfindet.

Fürbitten

Auch heute wenden wir uns voll Ausdauer wieder an Jesus Christus, der Uns am Ende unserer Tage richten wird:

Für unsern Bischof Egon und alle Priester: Gib Ihnen Kraft sich für die Schwachen einzusetzen.

Für unsere Pfarre: Dass der Herr, wenn er wiederkommt, bei uns Glauben vorfindet.

Für alle die zu unrecht verurteilt sind, gib ihnen Ausdauer für ihr Recht zu kämpfen und hilf, dass die Wahrheit siegt.

Für die theologischen Fakultäten und Hochschulen in Österreich: Sende deinen Heiligen Geist auf die Professoren herab, damit sie die Studenten mit dem nötigen Rüstzeug ausstatten können.

Herr, wir warten auf Dein Kommen. Du bist der erste und der letzte. Der Anfang und das Ende. Dich loben wir – jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Texte vom Sonntag (Schott)

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