zurück zu den Quellen – Predigt zum Sonntag

Zurück zu den Quellen! So lautet ein Slogan aus dem letzten Jahrhundert, der uns Christen ein Idealbild vor Augen geführt hat. Es ging zum Beispiel in der historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung darum, echte Jesusworte, echte Paulusbriefe aus dem Neuen Testament herauszufiltern. Das hat Jesu wirklich gesagt, so oder so ist seine Botschaft zu verstehen.
In ähnlicher Weise ging man bei den Ordensgemeinschaften vor. Wie hat der heilige Benedikt gelebt. Wie können wir unser Ordensleben in Admont dem so weit wie es geht angleichen.
Dieses „Zurück zu den Quellen“ kann eine Gefahr darstellen. Experten erzählen uns dann wie wir als Christen zu leben haben, ohne dass sie die Realität unserer Zeit und unseres Ortes ernst nehmen. Die Freundschaft zu Jesus pflegt eine … nun mal anders als eine Christin des 1. Jahrhunderts nach Christus.
Wenn man sich nur das Ideal der ersten christlichen Gemeinde vor Augen führt, vergisst man bewusst, dass Gott 2000 Jahre durch seinen Geist in der Kirche wirkt. Gott handelt an uns. Genauso wie er vor fast 2000 Jahren an den 10 Aussätzigen gehandelt hat.
Wenn wir heute das Evangelium hören, dürfen wir uns bewusst machen, dass Christen diesen Text zu verschiedenen Zeiten und an verschieden Orten gehört haben und in ihr Leben umgesetzt haben. UND: Wir dürfen es ihnen gleich tun.
ZB der Ruf der von Seiten der Aussätzigen an Jesus geht: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ Die Wüstenväter in Ägypten haben diesen Ruf übernommen und immer wieder still gebetet: Jesus, hab Erbarmen mit Uns. Und bis heute beten wir als Gemeinde dieses schlichte Gebet wie vorhin zu Beginn des Gottesdienstes. Wir machen uns bewusst, dass wir Fehler und Schwächen haben. Dass unsere Gebrechen an Leib und Seele schwer sind. UND: Jesu ist unser Erlöser. Er kann unsere Gebrechen heilen.
Seit 2000 Jahren vielen Tausenden Menschen klar, dass sie Gott Dank schulden. Sie hören den Ruf der Umkehr. UND: Sie folgen diesem Ruf. Genauso wie dieser eine Samariter.
Du und Du und ich. Wir sind berufen Heilige zu werden. Und da geht es um eine Lebensform, in der die Laster keinen Platz haben. Aber vor allem geht es um diese Haltung des Samariters, der dankbar ist. Von dieser Dankbarkeit ist der Mensch so durchdrungen, dass er in imposanter Weise äußert: „Er lobte[e] Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm.“
Seit 2000 Jahren haben wir Christen viele Enttäuschungen erlitten. Man stelle sich die Enttäuschung vor, die unserm Herrn Jesus ins Gesicht geschrieben steht (nur einer von Zehn!!), die aber auch jeder Pfarrer erlebt, wenn er sich die berühmten Statistiken anschaut, die viele Omas und Opas erleben, wenn sie sich das Leben ihrer Kinder und Enkeln anschauen.
In der Nachfolge Christi stehen, heißt auch Niederlagen erleben. Einer von Zehn kehrt im heutigen Evangelium um. Des is net viel.
Wie geht Jesus mit dieser Niederlage um? Er wendet sich dem Einen zu. Und spricht zu ihm: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Das ist für mich der Aufruf, dass wir Christen uns gegenseitigen ermutigen sollen; die die da sind sollen sich gegenseitig stärken und nicht noch herunter ziehen. Das gilt für uns als Klostergemeinschaft, das gilt ebenso für Euch als Gemeinde.

„Zurück zu den Quellen!“ Das ist vor allem ein grundlegend positiver Satz. Wir sollen zu Jesus Christus zurück kehren. Er ist die wahre reine Quelle, die uns erfrischt.  Hier am Altar ist diese Quelle. Gehen wir mit dem Samariter zu Ihm und danken und loben ihn. Amen.

Texte der Hl. Messe (Schott)

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