Sozialdemokratische Mariä Himmelfahrtspredigt

oder wie wär´s denn mit dieser Himmelfahrtspredigt:

Willy Brandt (+1992) würde man sicher als einen der großen Kanzler bezeichnen. Man mag über seine Politik denken, was man will, aber durch eine Geste hat er sich unvergesslich gemacht. Im Jahre 1970 reiste er nach Warschau, um dort die gleichnamige Verträge zu unterzeichnen. Im Programm des Staatsbesuchs war auch ein Besuch des Warschauer Ghettos geplant. Hier sollte eine Kranzniederlegung erfolgen. Für Willy Brandt war es klar, dass es mit einer einfachen Kranzniederlegung nicht getan ist. Die ganze Welt starrte auf ihn. Ein Kanzler eines inzwischen potenten Westdeutschlands, der für eine neue Ostpolitik stehen wollte. Ein Kanzler muss staatsmännisch daher kommen. Muss Würde ausstrahlen.
Wie es das Protokoll vorsah, legte er den Kranz nieder, stand vor dem Mahnmahl. Und jetzt wagte er den Kniefall. Für die Fotografen ein gefundes Fressen.
Ich finde es höchst beeindruckend, wenn mächtige Menschen sich hinknien/ verdemütigen. Ich denke da auch an Kaiser und Könige, die ihr Haupt vor Gott neigen, sich bei der Krönungszeremonie gar hinknien. Ein ganz Großer ist nur der, der sich auch klein machen kann.
Viel wunderbarer sehen wir das aber an Maria. Aus vollster Überzeugung spricht sie im Magnifikat den Satz: „Siehe, ich bin eine Magd des HERRN, mir geschehe nach Seinem Wort!“ Sie ist die Dienerin Gottes, die sich ganz klein macht. Wenn wir heute die Aufnahme Mariens in den Himmel feiern, feiern wir nicht irgendeine Göttin, die über unseren Köpfen schwebt, sondern wir feiern die ganze Maria: Wie sie zum Engel und damit zu Gott und Seinem Plan JA gesagt hat, wie sie mit Beschwernissen durch dieses Leben gegangen ist – schließlich ihren eigenen Sohn tot im Schoß hält. Wie sie im Kreis der Jünger gebetet und gehofft hat.
Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist nicht irgendein Nebenaspekt unseres Glaubens, so nach dem Motto Maria sagt: „Ich bin dann mal im Himmel!“
Vielmehr zeigt das heutige Fest wie sehr der gläubige, demütige Mensch hineingezogen wird in die Liebe des dreifaltigen Gottes. Gott will nicht ohne Maria. Gott will nicht ohne jeden einzelnen von uns. Unser Weg als Christen ist vorgezeichnet. Wenn wir auch klein sind und oft selber nichts vermögen, macht Er uns groß.
Wir Christen haben mit der Aufnahme Mariens in den Himmel eine mächtige Fürsprecherin bei Gott. Sie ist also nicht nur die erste der Erlösten, sondern auch die mächtigste Fürsprecherin im Himmel. Voll Vertrauen dürfen wir beten:

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir,
o heilige Gottesgebärerin.
Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,
o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau.
Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin.
Versöhne uns mit deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne.

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