Das Evangelium für Jedermann

Heute (Sonntag) hören wir das Evangelium für Jedermann. Es geht seit mehr als 2000 Jahren um das Sterben des reichen Mannes. Predigt für den 18. Sonntag im Jahreskreis CAls ich in den 90er Jahren das Glück hatte, bei einer Audienz Johannes Paul II. in Rom teilzunehmen, ist mir ein Wort des damaligen Papstes besonders hängen geblieben: Wir sollen Subjekte aktiven Handelns sein. Die Welt gestalten usw.

Im heutigen Evangelium macht Gott den reichen Kornbauern zum Statisten. Er hat sich abgemüht, sein Ziel erreicht: ein geruhsamer Lebensabend, frei von materiellen Sorgen. Der Kornbauer im Evangelium spricht zu sich selbst: „Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!“ Und Gott bezeichnet ihn darauf als „Narr“.

Ja, Gott, vergönnst uns des net?! Wenn´s uns einmal gut geht.

Natürlich freut sich Gott, wenn´s uns gut geht. ER ist ein Gott des Lebens. Er freut sich mit uns.

Dies wird besonders in der sonntäglichen Messfeier deutlich. Wenn der Priester die Gaben von Brot und Wein zum Himmel hebt und sagt: Gepriesen bist du, HERR, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst und das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit/ Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot/ diesen Wein vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens/ der Kelch des Heiles werde.

Wir bezeichnen Gott also ganz bewusst als Schöpfer der Welt; ihm verdanken wir unser Leben und die Tatsache, dass Pflanzen und Tiere auf der Erde wachsen, die uns zur Nahrung dienen.
Es sind die größten Heiligen der Kirche, die uns lehren, dass die einfache Handarbeit uns zum Segen gereicht – so der heilige Josef, der Patron der Arbeiter oder der heilige Benedikt, der in seiner Regel der Arbeit einen ganz besonderen Stellenwert gibt.
Aber der Ertrag unserer Mühen bleibt nicht einfach bei uns. Nein, wir bringen unseren Dank vor Gott und geben einen Teil unserer Erträge den Armen.

Dem Evangelisten Lukas geht es um Ursprung und Ziel unseres Weges. Der Kornbauer fährt mit seinem voll beladenen Wagen die Straße entlang. Wo kommt er her? Wem hat er diesen Reichtum zu verdanken? Und: Wo fährt er hin? Hat dieser törichte Narr alles nur für sich selbst eingefahren? Ist das sein letztes Ziel?

Wo kommen wir her? Woher haben wir unsere Begabungen / Talente? Und was machen wir mit unseren Erfolgen?

Wie naiv ist der Kornbauer aus dem heutigen Evangelium mit seinem übervollen Erntewagen, wie naiv ist Jedermann und Jede Frau von uns, die denken, wir würden mit unserer Schatzkiste in den Himmel kommen?

Alles Irdische ist in gewisser Weise Windhauch. Die Elberfelder Bibelübersetzung übersetzt den Windhauch, von dem wir gerade aus dem Buch Kohelet gehört haben, mit Nichtigkeit. Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass alles Irdische, wen es nicht auf Gott und den Nächsten ausgerichtet ist, nichtig und damit umsonst ist. Der Mühen viel, aber ohne Ziel.

Am letzten Tag wird uns Gott nur eine Frage stellen: Liebst Du mich? Und wir werden diese Frage nur bestehen, wenn wir hier auf Erden in der Zeit, die uns noch bleibt, das lieben üben.

Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes, lehre mich die wahre Großmut.
Lehre mich dir dienen, wie du es verdienst, geben, ohne zu zählen, 
kämpfen, ohne meiner Wunden zu achten, arbeiten, ohne Ruhe zu suchen, 
mich einsetzen, ohne einen andern Lohn zu erwarten 
als das Bewußtsein, deinen heiligen Willen erfüllt zu haben.
dem hl. Ignatius von Loyola (1491 – 1556) zugeschrieben

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